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Erzbistum Köln

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Katholisch sein in der Welt von heute

Im und um den Glauben ringen

Veröffentlichung:1.1.2014

Der Fachartikel ist im Heft "impulse" unter dem Titel „Katholisch sein in der Welt von heute im und um den Glauben ringen“ enthalten mit vier Seiten. Der Artikel zeigt, dass katholisch sein nicht als fester Besitz von Wahrheit verstanden werden darf, sondern als lebendiger Prozess, in dem Glauben, Vernunft, Kirche und Gegenwart immer neu aufeinander bezogen werden. Behandelt werden dabei vor allem theologische Probleme wie das Verhältnis von Wahrheit und Veränderung, die Entwicklung von Glaubenslehre, das Spannungsverhältnis von Kirche und Welt, die Herausforderungen durch Säkularisierung und Pluralität sowie die Frage, wie Heilige Schrift, kirchliche Lehre und Lebenswirklichkeit miteinander verbunden werden können.

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Der Artikel setzt sich kritisch mit einem Verständnis von Katholischsein auseinander, das sich als Besitz unveränderlicher Wahrheit versteht. Der Autor beschreibt, dass in bestimmten kirchlichen Milieus katholisch sein vor allem damit verbunden wird, Recht zu haben, sich von anderen abzugrenzen und Glauben auf wenige Streitfragen und auf die richtige Lehre zu verengen. Ein solches Verständnis lehnt er ab, weil es weder dem Evangelium noch der geschichtlichen Wirklichkeit der Kirche gerecht wird. Es führe leicht zu Respektlosigkeit, geistiger Abschottung und einer religiösen Sonderwelt, die mit dem konkreten Leben und den Fragen der Gegenwart kaum noch verbunden ist.

Demgegenüber betont der Beitrag, dass kirchlicher Glaube immer im Austausch mit der jeweiligen Wirklichkeit steht. Wahrheit ist nach dieser Sicht nicht etwas, das einfach unverändert besessen wird, sondern etwas, das sich im Hören, im Denken, im Gespräch und in der Auseinandersetzung mit neuen Situationen entfaltet. Der Autor spricht deshalb von Transformationsprozessen. Damit ist gemeint, dass Glaubensüberlieferung nicht bloß wiederholt wird, sondern in neuen kulturellen und geschichtlichen Zusammenhängen neu hervorgebracht, vertieft und konkretisiert werden muss. Das gilt für die Kirche als Ganze ebenso wie für jeden einzelnen Glaubenden. Katholisch sein bedeutet daher, sich auf diesen Prozess einzulassen, ohne die eigene Identität preiszugeben.

Im ersten großen Argumentationsgang verdeutlicht der Autor, dass die Kirche selbst in ihrer Geschichte immer um Wahrheit gerungen hat. Schon in der frühen Kirche sei das Evangelium nicht einfach nur unverändert weitergegeben worden, sondern in lebendigen Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen kulturellen Kontexten ausgelegt worden. Das Zweite Vatikanische Konzil steht für diese Haltung, wenn es davon spricht, dass die Kirche auch von der Welt lernen soll. Der Glaube muss daher immer neu vergegenwärtigt werden. Ein solcher Prozess ist anstrengend und verunsichernd, gehört aber zum Wesen katholischen Glaubens. Problematisch wäre sowohl eine vollständige Anpassung an die Welt als auch eine Verweigerung gegenüber jeder Veränderung.

Anschließend beschreibt der Artikel drei konkrete Felder, in denen dieses Ringen heute besonders sichtbar wird. Das erste Feld ist die Erfahrung von Säkularisierung, Pluralisierung und Individualisierung. Der christliche Glaube ist gesellschaftlich nicht mehr selbstverständlich. Christliche Positionen müssen sich im öffentlichen Raum begründen und argumentativ bewähren. Dadurch entsteht Unsicherheit, aber auch eine Chance. Glaubende sind stärker gefordert, ihre Überzeugungen bewusst zu vertreten, sprachfähig zu werden und Verantwortung für ihren Glauben zu übernehmen. Der Autor sieht darin nicht nur einen Verlust, sondern auch die Möglichkeit zu einer reiferen Form des Glaubens. Wahrheit darf nicht nur als richtige Lehre verstanden werden, sondern muss sich auch im Handeln bewähren. Deshalb hebt er hervor, dass zur rechten Lehre immer auch die rechte Praxis gehört.

Das zweite Feld ist die Suche nach einer Kirche, die sich am Evangelium orientiert. Kirchliche Krisen, besonders der Missbrauchsskandal und der Streit um Macht und Glaubwürdigkeit, haben viele Menschen tief entfremdet. Der Autor macht deutlich, dass Kritik an der Kirche nicht vorschnell abgewehrt werden darf. Auch harte oder ungerechte Kritik kann einen wahren Kern enthalten. Die Außenperspektive kann deshalb für die Kirche prophetische Bedeutung haben. Gerade Krisen können dazu zwingen, die eigene Praxis zu überprüfen und neu nach der angemessenen Form kirchlichen Lebens zu fragen. Nicht nur die Lehre, sondern besonders die konkrete Lebensweise der Kirche muss sich am Evangelium messen lassen. Deshalb ist das Ringen um die rechte Gestalt von Kirche ein unverzichtbarer Teil des Katholischseins.

Das dritte Feld betrifft die Bedeutung der Heiligen Schrift. Der Autor zeigt, dass die Bibel für viele Menschen heute an Relevanz, Evidenz und Wirklichkeitsbezug verloren hat. Zwischen der Welt der biblischen Texte und dem modernen naturwissenschaftlich geprägten Denken besteht für viele ein tiefer Graben. Zugleich hat die historisch kritische Exegese einen einfachen und unmittelbaren Umgang mit der Bibel erschwert. Dadurch entstehen Spannungen zwischen wissenschaftlicher Auslegung, kirchlicher Verkündigung und persönlicher Frömmigkeit. Der Autor sieht hier eine bleibende Aufgabe für Theologie, Lehramt und kirchliche Praxis. Sie müssen die verschiedenen Zugänge zur Schrift miteinander ins Gespräch bringen, damit die Bibel auch heute als lebendige Quelle des Glaubens erfahrbar werden kann.

Im Fazit betont der Artikel, dass ein theologisch verantwortetes Verständnis von Katholischsein ohne Ringen im und um den Glauben nicht möglich ist. Dieses Ringen ist keine Schwäche, sondern Ausdruck eines lebendigen Glaubens. Katholisch ist nicht, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen, sondern sich ihr im Licht des Evangeliums auszusetzen. Darin folgt die Kirche dem Weg Gottes selbst, der in Jesus Christus Mensch geworden ist und sich der Wirklichkeit der Welt gestellt hat. Gerade deshalb gehört es zum katholischen Glauben, Wahrheit nicht als starres System, sondern als lebendige und anspruchsvolle Wirklichkeit zu begreifen.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.3 Kirche in der Welt von heute.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 4. Das Selbstverständnis von Kirche und sein Wandel unter dem Anspruch und der Herausforderung durch die Moderne.

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