Der Artikel entfaltet den Gedanken, dass Sakramente Wege zur Gemeinschaft mit Gott und untereinander sind. Ausgangspunkt ist die zentrale Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass die Kirche in Christus gleichsam Sakrament ist, also Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott und für die Einheit der ganzen Menschheit. Damit wird deutlich, dass Sakramente nicht isoliert verstanden werden dürfen, sondern immer auf Christus und die Kirche bezogen sind. Christus ist das Licht der Völker, und die Kirche empfängt ihr Licht von ihm, um es weiterzugeben. Der Sinn ihres sakramentalen Handelns besteht darin, Menschen in die Gemeinschaft mit Gott hineinzunehmen und sie zugleich miteinander zu verbinden.
Breuning zeigt, dass der Begriff Sakrament eine große Tiefe und Beweglichkeit besitzt, weil er mit dem biblischen Begriff Mysterium verbunden ist. Gemeint ist Gottes Selbstmitteilung in Christus, die in der Geschichte wirksam wird. Christus ist dabei nie nur für sich allein zu denken, sondern immer in Beziehung zu den Seinen. Deshalb kann es nur eine Sakramentalität geben, die von Christus herkommt. Die Kirche hat ihre Begründung und ihre Sendung im Mysterium Christi. In ihr wird das Heil nicht nur verwaltet, sondern vergegenwärtigt und gefeiert.
Ein wesentlicher Gedanke des Artikels ist, dass Sakramente Heil nicht individualistisch, sondern kirchlich vermitteln. Wer ein Sakrament empfängt, wird nicht nur persönlich mit Christus verbunden, sondern immer auch mit Christus als dem Haupt seiner Kirche. Sakramente führen also in die Gemeinschaft der Glaubenden hinein. Dadurch wird eine frühere Verengung überwunden, in der die Kirche nur als Verwalterin der Sakramente erschien. Stattdessen betont der Autor, dass Sakramente Ausdruck des Christus in uns sind und dass sie personale Teilhabe an der Gemeinschaft mit Christus eröffnen. Die Antwort des Menschen auf Gottes Zuwendung ist frei, aber sie ist immer schon von Christus her hervorgerufen.
Besonders deutlich wird der Communio Charakter der Kirche am Anfang des ersten Johannesbriefes. Dort zeigt sich, dass die Gemeinschaft mit den Glaubenden untrennbar mit der Gemeinschaft mit dem Vater und mit Jesus Christus verbunden ist. Diese Gemeinschaft wird durch Verkündigung weitergegeben, aber auch durch das sakramentale Handeln der Kirche. Darin liegt ein hoher Anspruch, denn Gemeinschaft mit Christus ist nicht von der Kirche zu trennen, sondern an sie gebunden.
Der Artikel fragt auch kritisch, was aus der Communio Idee des Zweiten Vatikanischen Konzils geworden ist. Breuning sieht die Gefahr, dass der Gedanke der Kirche als Sakrament Christi und seines Geistes in Vergessenheit gerät. Viele Menschen betrachten Kirche nur noch als Institution oder als eine Religionsform unter anderen. Zugleich betont er, dass die Grundstruktur des Evangeliums nicht zuerst im Denken, sondern im wirklichen Miteinander des Lebens sichtbar wird. Gottesliebe und Nächstenliebe gehören untrennbar zusammen. Deshalb ist Communio keine bloße Idealvorstellung, sondern eine Lebensform, die sich im konkreten Miteinander bewähren muss. Trotz aller Schwierigkeiten erkennt der Autor auch Hoffnungszeichen, etwa in gemeinschaftlichen Glaubenserfahrungen wie dem Weltjugendtag.
Ein weiterer wichtiger Gedanke betrifft die Spannung innerhalb der Kirche. Viele Gläubige erleben Distanz zu einzelnen Äußerungen oder Handlungen der Kirche. Breuning wertet dies nicht einfach negativ, sondern sieht darin eine Herausforderung, Gemeinschaft als einen Weg des Ringens um Konsens und Wahrheit zu verstehen. Communio ist kein Zustand vollkommener Harmonie, sondern ein Prozess des Werdens. Dazu gehört auch die Fähigkeit der Kirche, sich ihrer eigenen Schuldgeschichte zu stellen und Verantwortung für vergangenes Versagen zu übernehmen. Gerade darin zeigt sich, dass die sakramentale Verbindung zwischen Christus und Kirche von Vergebung und Versöhnung lebt.
Im letzten Teil deutet der Autor die einzelnen Sakramente vom Grundgeschehen der Communio her. Die sieben Sakramente stehen nicht beziehungslos nebeneinander, sondern ordnen sich besonders den beiden Brennpunkten Taufe und Eucharistie zu. Die Taufe ist die grundlegende Eingliederung in die Kirche und die Übereignung an Jesus Christus. Sie verwurzelt den Menschen im priesterlichen Gottesvolk und eröffnet einen lebenslangen Weg der Gemeinschaft mit Christus. Die Firmung macht sichtbar, dass diese Zugehörigkeit auch verantwortliche Mitwirkung in der konkreten Kirche bedeutet. Sie hilft besonders dann, wenn Taufe und persönliche Glaubensentscheidung zeitlich auseinanderfallen, den Zusammenhang von Glaube und Sakrament deutlicher zu machen.
Die Eucharistie ist für Breuning die Mitte aller kirchlichen Gemeinschaftshandlungen. Sie ist nicht nur Ausdruck der Einheit mit Gott und untereinander, sondern bewirkt diese Einheit. In ihr werden die Glaubenden in die Hingabe Christi hineingenommen und zugleich mit allen Christen verbunden. So wird deutlich, dass Eucharistie mehr ist als bloße Mahlgemeinschaft. Sie ist das Sakrament der Communio schlechthin. Auch die übrigen Sakramente werden von hier aus verständlich. Die Buße ist die Wiederaufnahme in die Gemeinschaft, wenn sie zerbrochen ist. Die Krankensalbung ist die Begegnung mit der helfenden Nähe Christi in Krankheit und Gefährdung. Ordination und Ehe sind Sakramente, die dem Aufbau der Gemeinschaft dienen und je auf ihre Weise Einheit mit Gott und Vereinigung der Menschen fördern.
Insgesamt versteht der Artikel Sakramente als konkrete Vollzüge der Gottesherrschaft. In ihnen wird Gottes Heil gegenwärtig, Menschen werden in die Gemeinschaft mit Christus hineingenommen, und die Kirche verwirklicht ihr Wesen als Communio. Sakramente sind deshalb nicht nur religiöse Handlungen, sondern lebendige Zeichen einer Kirche, die von Christus her lebt und Menschen zur Gemeinschaft mit Gott und untereinander beruft.