Der Artikel thematisiert die Mitverantwortung der Kirche für die Gestaltung von Gesellschaft und Welt und stellt heraus, dass diese Verantwortung ein konstitutiver Bestandteil kirchlichen Handelns ist. Ausgangspunkt sind aktuelle gesellschaftliche Problemfelder wie der Umbau des Sozialstaats, die Krise der Familienpolitik und die wirtschaftlichen Herausforderungen kirchlicher Einrichtungen. Dabei wird deutlich, dass gesellschaftliche Entwicklungen Fragen nach Gerechtigkeit, Menschenwürde und Teilhabe aufwerfen, auf die die Kirche reagieren muss.
Im Bereich des Sozialstaats wird kritisiert, dass eine rein marktorientierte Sichtweise den Menschen auf seine ökonomische Funktion reduziert. Demgegenüber betont die christliche Sozialethik die umfassende Würde des Menschen und seine Freiheit. In der Familienpolitik zeigt sich ein Gerechtigkeitsdefizit, da Familien zentrale gesellschaftliche Leistungen erbringen, jedoch unzureichend daran teilhaben. Auch innerhalb der Kirche wird die Spannung zwischen finanziellen Zwängen und ihrem sozialen Auftrag sichtbar.
Der Artikel begründet die gesellschaftliche Verantwortung der Kirche theologisch. Anthropologisch steht der Mensch als Mittelpunkt allen Handelns im Fokus. Die Kirche versteht ihren Auftrag als Dienst am Menschen in seiner gesamten Lebenswirklichkeit. Eschatologisch wird betont, dass das Reich Gottes zwar nicht durch menschliches Handeln geschaffen wird, gesellschaftliches Engagement aber dennoch zur Verbesserung der Lebensbedingungen beiträgt. Theologisch ethisch wird die kirchliche Verantwortung aus der Solidarität Gottes mit den Menschen abgeleitet. Ekklesiologisch wird die Kirche als Sakrament verstanden, das in der Welt wirksam sein soll und daher nicht auf eine rein religiöse Sphäre beschränkt werden kann.
Die gesellschaftlich politische Diakonie wird somit als gleichrangig mit Verkündigung und Liturgie beschrieben. Kirche soll nicht selbst Politik machen, sondern politische Prozesse ethisch beurteilen und zur Gerechtigkeit beitragen.
Abschließend formuliert der Artikel Grundoptionen für das kirchliche Handeln. Dazu gehört die Orientierung am spezifisch Christlichen, das alle Menschen verbindet und ihre Würde betont. Die Option für die Armen hebt die besondere Verantwortung für benachteiligte Gruppen hervor. Zudem wird die Notwendigkeit von Originalität und Professionalität betont, damit kirchliches Handeln glaubwürdig und wirksam bleibt. Insgesamt zeigt der Artikel, dass die Kirche durch ihr Engagement zur Humanisierung der Gesellschaft beitragen soll.