Der Artikel untersucht zentrale Konfliktfelder der gegenwärtigen Christologie und nimmt dabei die Erklärung Dominus Jesus als wichtigen Bezugspunkt. Der Verfasser betont, dass dieses römische Dokument in der Öffentlichkeit oft verzerrt wahrgenommen worden sei, weil die Aussagen über die Einzigkeit Christi vorschnell mit einem exklusiven und intoleranten Kirchenverständnis gleichgesetzt worden seien. Tatsächlich wolle das Dokument aber auf unterschiedliche Formen reagieren, in denen das Christusereignis relativiert werde.
Als ersten Brennpunkt beschreibt der Artikel die Spannung zwischen dem Christus für mich und dem Christus an sich. Ausgangspunkt ist die von Adolf von Harnack geprägte Unterscheidung, nach der der persönliche Glaube an Jesus Christus wichtiger erscheine als die kirchliche Dogmatik mit ihren Lehren von Trinität und den zwei Naturen Christi. Der Verfasser kritisiert diese Sicht, weil sie den christlichen Glauben auf subjektive Erfahrung oder auf den Konsens einer Glaubensgemeinschaft reduziere. Dagegen hält er fest, dass Christus nicht nur für einzelne Gläubige Bedeutung habe, sondern auch unabhängig von subjektiver Aneignung der Weg, die Wahrheit und das Leben für alle Menschen sei. Die altkirchlichen Dogmen werden deshalb nicht als Verfälschung des ursprünglichen Glaubens verstanden, sondern als notwendiger Versuch, den Glauben an Christus vor dem Anspruch der Vernunft zu verantworten. Besonders wichtig ist dabei die Einsicht, dass die Christologie untrennbar mit der Trinitätslehre verbunden ist. Nur wenn Gott in sich selbst Beziehung ist, kann verständlich werden, wie er sich in dem Menschen Jesus wirklich selbst mitteilt.
Als zweiten Brennpunkt behandelt der Artikel die pluralistische Religionstheologie. Hier setzt sich der Verfasser vor allem mit John Hick und Perry Schmidt Leukel auseinander. Diese Ansätze sehen in Jesus nicht die einzigartige und endgültige Selbstmitteilung Gottes, sondern ein religiös bedeutsames Symbol unter anderen. Die Inkarnation werde dabei zu einer metaphorischen oder allgemeinen geistgewirkten Selbsterschließung Gottes in der gesamten Religionsgeschichte umgedeutet. Der Verfasser weist diese Position zurück, weil sie die Einzigkeit Jesu Christi auflöse. Er argumentiert, dass Karl Rahner gerade nicht von vielen gleichrangigen Höhepunkten göttlicher Selbstmitteilung ausgehe, sondern von einem einmaligen und unwiederholbaren Ereignis. Jesus Christus sei nicht nur ein besonders gelungener Mensch, sondern der konkrete Mensch, in dem Gott sich selbst endgültig aussagt. Darum könne ein echter Dialog der Religionen nur gelingen, wenn an der einen Wahrheit festgehalten werde, auch wenn niemand diese Wahrheit vollständig besitzt oder erschöpft versteht.
Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels liegt auf der Frage, wie der christliche Wahrheitsanspruch nach Auschwitz und angesichts der Geschichte des christlichen Antijudaismus verantwortet werden kann. Der Verfasser setzt sich mit dem Vorwurf auseinander, die traditionelle Christologie habe Intoleranz, Gewalt, Antisemitismus und kirchlichen Triumphanspruch begünstigt. Er räumt ein, dass Christen schwere Schuld auf sich geladen haben, unterscheidet aber klar zwischen dem Missbrauch theologischer Aussagen und ihrem eigentlichen Gehalt. Problematisch sei nicht das Bekenntnis zu Christus selbst, sondern seine verzerrte und gewaltsame Auslegung. Deshalb müsse jede Christologie nach Auschwitz Jesus neu als Juden entdecken. Der Artikel greift Überlegungen von Franz Mußner und Friedrich Wilhelm Marquardt auf, die Jesus in enger Beziehung zur Geschichte Israels verstehen. Jesus repräsentiere Israel, wiederhole dessen Geschichte und stehe in unauflöslicher Verbindung mit dem jüdischen Volk. Zugleich warnt der Verfasser davor, Unterschiede zwischen Judentum und Christentum zu verwischen. Christlicher Glaube steht und fällt mit dem Bekenntnis, dass Gott sich in Jesus Christus selbst mitgeteilt hat. Dieses Bekenntnis dürfe gegenüber dem Judentum weder verschwiegen noch antijudaistisch missbraucht werden.
Im letzten Teil erläutert der Artikel das eigentliche Anliegen von Dominus Jesus. Das Dokument wolle nicht behaupten, dass die Kirche die Wahrheit besitze wie einen festen Gegenstand. Vielmehr bekenne die Kirche eine Person als Wahrheit. Dogmen und Schrift seien nicht selbst die Wahrheit, sondern verweisen auf sie. Deshalb könne die Kirche auch durch andere Religionen und durch die Suche anderer Menschen Neues über Christus lernen. Dennoch bleibe daran festzuhalten, dass die Wahrheit ein konkretes Gesicht habe, nämlich das Antlitz Jesu Christi. Gegen moderne Tendenzen, Wahrheit ins rein Private, Innerliche oder Esoterische zu verlagern, betont der Verfasser die Leibhaftigkeit und Geschichtlichkeit der Wahrheit. Gott sei nicht das unbestimmte Jenseitige, sondern in Jesus Christus konkret, sichtbar und geschichtlich gegenwärtig geworden.
Diese Einsicht wird am Ende spirituell zugespitzt. Jesus wird als der beschrieben, der nicht nach oben strebt, sondern nach unten geht, zu den Sündern, den Geringen und den Verachteten. Sein Weg ist der Weg der Erniedrigung, des Dienens und der radikalen Hingabe. In dieser Bewegung nach unten zeigt sich nach dem Verständnis des Artikels die eigentliche Universalität Christi. Seine Wahrheit schließt niemanden aus, weil sie sich nicht in Herrschaft, Besitz oder Abgrenzung verwirklicht, sondern in Liebe, Hingabe und leibhaftiger Zuwendung. So verteidigt der Artikel die Einzigkeit Christi nicht als Machtanspruch, sondern als den Anspruch einer Wahrheit, die in Jesus konkret geworden ist und alle Menschen angeht.