Der Artikel entfaltet die These, dass Künstliche Intelligenz eine grundlegende Herausforderung für die Religionspädagogik darstellt, weil sie zentrale Annahmen über den Menschen infrage stellt. Ausgehend von ethischen Dilemmata autonomer Systeme wird deutlich, dass klassische moralische Modelle an ihre Grenzen stoßen. Zugleich zeigt sich eine tiefere anthropologische Problematik, wenn technischen Systemen Eigenschaften wie Vernunft oder sogar eine Seele zugeschrieben werden.
Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung einer religionspädagogischen Anthropologie hervorgehoben. Religionsunterricht basiert immer auf bestimmten Vorstellungen vom Menschen, die reflektiert werden müssen. Der Mensch wird dabei als ganzheitliches Wesen verstanden, das durch Körperlichkeit, Endlichkeit, Sozialität, Freiheit, Schuld, Rationalität und eine religiöse Dimension geprägt ist. Seine Identität ist ihm von Gott her zugesprochen und muss in Freiheit gelebt werden.
Künstliche Intelligenz wird anschließend als Brennpunkt dieser anthropologischen Dimensionen analysiert. Im Kontext von Transhumanismus und Posthumanismus zeigt sich eine Tendenz zur Selbstoptimierung und zur Überwindung menschlicher Grenzen bis hin zu Vorstellungen technischer Unsterblichkeit. Diese Entwicklungen können religiöse Motive ersetzen und führen zu einer Art säkularer Heilsvorstellung. Religiöse Bildung kann hier kritisch einordnen und alternative Deutungen anbieten.
Ein weiteres Feld ist der Einsatz von KI im Gesundheitsbereich. Hier eröffnen sich große Chancen etwa für Inklusion und bessere medizinische Versorgung. Gleichzeitig verändern technische Eingriffe das Selbstverständnis des Menschen und können seine Autonomie einschränken. Besonders kritisch ist die Gefahr, dass Menschen zu datenbasierten Objekten werden und ihre Entscheidungsfreiheit verlieren.
Auch die Mensch Maschine Interaktion wird durch KI grundlegend verändert. In der Robotik entstehen Systeme, die scheinbar Gefühle zeigen oder moralische Entscheidungen treffen. Dies führt zu der Frage, ob Maschinen als moralische Akteure gelten können und wie Begriffe wie Würde, Verantwortung oder Barmherzigkeit auf sie anwendbar sind. Gerade hier zeigt sich die Grenze technischer Systeme gegenüber menschlicher Subjektivität und intersubjektiver Erfahrung.
Abschließend betont der Artikel die hohe Bildungsrelevanz des Themas. Religionsunterricht soll Lernende befähigen, die ethischen, politischen und anthropologischen Dimensionen von KI kritisch zu reflektieren. Gleichzeitig verändert Digitalisierung auch die Lernprozesse selbst und stellt die Religionspädagogik vor die Aufgabe, ihre eigenen Methoden und Ziele zu überdenken.