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Vandenhoeck Ruprecht | Religion unterrichten

Vandenhoeck Ruprecht | Religion unterrichten

Jesus (k)lebt

Veröffentlichung:1.1.2024

Der Artikel ist im Heft „Religion unterrichten“ unter dem Titel „Jesus (k)lebt. Ökologische Theologie als Inhalt religiöser Bildung für nachhaltige Entwicklung“ enthalten. Er umfasst die Seiten 14 bis 21 und hat damit einen Umfang von 8 Seiten.

Der Fachartikel zeigt, dass religiöse Bildung für nachhaltige Entwicklung ökologische Theologie zum Inhalt haben sollte. Die ökologische Krise wird dabei als ein zentraler Ort theologischer Reflexion verstanden, weil sie Fragen nach Gott, Schöpfung, Hoffnung, Verantwortung, Gerechtigkeit und Zukunft neu aufwirft. Am Beispiel religiös motivierter Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten wird deutlich gemacht, wie christlicher Glaube zu Deutung, Kritik und Handeln in der ökologischen Krise befähigen kann.

Der Artikel behandelt vor allem folgende theologische Probleme: die Frage nach Gottes Beziehung zur bedrohten Schöpfung, die Spannung zwischen göttlichem Handeln und menschlicher Verantwortung, die Deutung von Hoffnung angesichts der Klimakrise, das Verständnis des Menschen im Netz allen Lebens, die Bedeutung von Reich Gottes, Nachfolge Jesu und Prophetie sowie die Frage, wie christlicher Glaube gesellschaftliche Transformation anstoßen kann.

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Der Artikel entfaltet ökologische Theologie als grundlegenden Inhalt religiöser Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass nicht allein Themen wie Umweltethik oder Zukunftsangst ausreichen, um von religiöser Bildung für nachhaltige Entwicklung zu sprechen. Entscheidend ist vielmehr, dass religiöses Lernen auf Transformationskompetenzen zielt und den christlichen Glauben als Lebensform und Weltsicht erschließt, die nicht nachhaltige Normalität in der ökologischen Krise unterbricht und zu Veränderung ermutigt.

Zunächst beschreibt die Autorin, was unter ökologischer Theologie zu verstehen ist. Theologie ist dann ökologische Theologie, wenn sie sich in ihren Inhalten und Denkformen ernsthaft von der ökologischen Krise herausfordern lässt. Die Krise verschärft die Fragen nach Sinn, Ziel, Hoffnung, Zukunft, Verantwortung und Gerechtigkeit. Zugleich werden zentrale Glaubensinhalte neu fraglich. Dazu gehören die Stellung des Menschen, die Beziehung Gottes zu anderen Geschöpfen, das Vertrauen auf Gottes Zukunft für die Welt, die Schöpfungstheologie, die Lehre vom Heiligen Geist und die Gotteslehre insgesamt. Die ökologische Krise kann religiöse Gewissheiten erschüttern, wirkt aber zugleich religionsproduktiv, weil sie neue religiöse Deutungen und spirituelle Suchbewegungen hervorbringt. Deshalb fordert sie die Theologie heraus, christliche Glaubensinhalte aus ökologischer Perspektive neu zu durchdenken.

Die Autorin zeigt weiter, dass ökologische Theologie kontextuell, kritisch und konstruktiv ist. Sie kritisiert sowohl christliche Traditionen, soweit diese zur ökologischen Problemlage beigetragen haben, als auch gesellschaftliche Verhältnisse, die Naturzerstörung und Ungerechtigkeit hervorbringen. Gleichzeitig rekonstruiert sie theologische Aussagen neu und verbindet Wahrheitsfrage und gesellschaftliche Veränderung. Darum sind viele ökologische Theologien auch politische Theologien. Im Anschluss zeichnet der Artikel die Entwicklung dieses Feldes nach, von frühen Ansätzen in Umweltethik und Schöpfungstheologie über internationale ökotheologische Entwürfe bis zu neueren deutschsprachigen Arbeiten in Sozialethik, politischer Theologie und Religionspädagogik.

Im zweiten großen Teil fragt der Artikel nach den Inhalten religiöser Bildung für nachhaltige Entwicklung. Für ihre Auswahl nennt die Autorin drei Begründungswege: theologische Gründe, subjektorientierte Gründe und didaktische Gründe. Zunächst wird begründet, warum religiöse Bildung für nachhaltige Entwicklung überhaupt notwendig ist. Einerseits ergibt sie sich aus bildungspolitischen Vorgaben nachhaltiger Entwicklung. Andererseits ist sie auch theologisch und aus der Perspektive der Lernenden geboten.

Aus theologischer Sicht sollte Religionsunterricht die ökologischen Zeichen der Zeit ernst nehmen und sie im Licht des Evangeliums deuten. Daraus folgt, dass ökologische Fragen ein wesentlicher Kontext der Gottesfrage und religiöser Weltdeutung sind. Viele traditionelle Inhalte des Religionsunterrichts bleiben wichtig, müssen aber neu perspektiviert werden. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei bisher wenig beachtete Themen wie die Geisteskraft Gottes oder die Gottesbeziehung von Tieren und anderen Geschöpfen.

Aus subjektorientierter Sicht widerspricht die Autorin der Annahme, ökologische Fragen seien für Jugendliche nicht wirklich relevant. Sie betont, dass Umwelt und Klimaschutz für viele junge Menschen wichtige Themen sind, auch wenn ihr Alltagshandeln oft nicht entsprechend ausfällt. Diese Spannung dürfe nicht gegen die Relevanz des Themas ausgespielt werden. Subjektorientierung bedeutet für sie nicht, nur vorhandene Interessen aufzunehmen, sondern Lernende in ihrer Freiheit und Zukunftsfähigkeit zu stärken. Religiöser Unterricht in der ökologischen Krise soll deshalb Inhalte erschließen, die Weitsicht, Mut und Gestaltungskraft fördern und zugleich helfen, Angst, Trauer und Wut zu bearbeiten. Als besonders geeignet nennt der Artikel Themen wie Nachfolge Jesu, Heilige Geisteskraft, Franziskus von Assisi, Prophetie, christlich motivierten Widerstand, Zukunftsvisionen sowie religiöse Praktiken wie Gebet, Klage, Trauer, Abschied, Segnung und Pilgern.

Auch aus didaktischer Sicht führen die Überlegungen zu ähnlichen Inhalten. Die ökologische Krise stellt hohe emotionale Anforderungen an junge Menschen. Deshalb müssen Inhalte gewählt werden, die ihnen Deutungs und Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Ärger kann etwa mit dem Thema Gericht verbunden werden, Traurigkeit mit Auferstehung. Zugleich darf die Krise nicht nur als individuelles Gefühlsproblem behandelt werden, weil sonst ihre strukturelle und politische Dimension aus dem Blick gerät. Religiöse Bildung für nachhaltige Entwicklung versteht die Autorin darum als handlungsorientiertes Theologisieren in der ökologischen Krise. Ausgangspunkt sind die Fragen der Lernenden nach Sinn, Schuld, Hoffnung, Handlungsmöglichkeiten und Verantwortung. Im Raum religiöser Gründe werden dazu Themen wie Hoffnung, Schuld und Vergebung, Trauer, Rechtfertigung und christliche Vorbilder nachhaltigen Lebens erschlossen. Diese sollen nicht nur rational bearbeitet, sondern auch performativ gestaltet und in transformativen Projekten lebendig werden.

Im dritten Teil konkretisiert der Artikel diese Überlegungen am Beispiel von Klimaaktivismus aus religiöser Motivation. Anlass ist ein Bild, das einen Klimaaktivisten in einer Haltung zeigt, die an Jesus erinnert. Die Autorin nutzt diese Assoziation, um die Frage nach der Gestalt der Nachfolge Jesu in der ökologischen Krise zu stellen. Zugleich wird damit ein Perspektivwechsel angeregt: Statt nur über Klimaaktivismus zu urteilen, soll danach gefragt werden, wie Aktivistinnen und Aktivisten selbst ihren Glauben deuten und welche ökologische Theologie sich darin zeigt.

Dazu werden Gespräche mit christlichen Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten von Fridays for Future und der Letzten Generation ausgewertet. In diesen Interviews wird deutlich, dass die Befragten ihren Glauben so verstehen, dass er unmittelbar zum Einsatz gegen die Klimakrise führt. Zentrale Themen sind Reich Gottes, Gottvertrauen, die Einbindung des Menschen in die Schöpfung und Prophetie. Das Reich Gottes wird nicht als rein jenseitige Hoffnung verstanden, sondern als Auftrag zur Mitgestaltung einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Welt. Glaube und politisches Engagement werden nicht getrennt, sondern als zusammengehörig beschrieben.

Besonders wichtig ist dabei die Frage nach dem Verhältnis von göttlichem und menschlichem Handeln. Einige Befragte kritisieren religiöse Haltungen, die Hoffnung auf Gottes Eingreifen mit Passivität verbinden. Demgegenüber wird Hoffnung als Kraft verstanden, die eigenes Handeln ermöglicht und verlangt. Gottvertrauen entlastet nicht von Verantwortung, sondern stärkt zum Einsatz, auch dann, wenn Erfolg nicht sicher ist. Ebenso betonen die Befragten ein Weltbild, in dem Menschen nicht über der übrigen Schöpfung stehen, sondern mit allem Leben verbunden sind. Diese Überzeugung prägt auch ihre Spiritualität.

Ein weiteres Thema ist die Prophetie. Die Befragten nehmen den Vergleich mit Prophetinnen und Propheten unterschiedlich auf. Manche weisen ihn zurück, andere sehen im klimapolitischen Protest durchaus eine prophetische Dimension, insofern unangenehme Wahrheiten öffentlich ausgesprochen und Zeichen des Widerstands gesetzt werden. Auch die Aussagen einer buddhistischen Aktivistin werden einbezogen, um zu zeigen, dass sich ähnliche Haltungen wie Mitgefühl, Wahrheitsanspruch und Handlungsbereitschaft auch außerhalb des Christentums finden. Gemeinsam ist den Befragten die Erfahrung, dass die Gemeinschaft von Aktivistinnen und Aktivisten Kraft gibt. Diese soziale Energie wird mit der Geisteskraft in Verbindung gebracht.

Abschließend fragt der Artikel, was Lernende aus einer Auseinandersetzung mit solchen ökologischen Theologien lernen können. Sie sollen erkennen, dass die Klimakrise ihr eigenes Leben betrifft, dass ihre Gefühle ernst genommen werden und dass sie nicht die Schuld an der Situation tragen. Zugleich sollen sie sehen, dass sie Handlungsmöglichkeiten haben, andere inspirieren können und nach Formen verantwortlicher Nachfolge in der ökologischen Krise fragen dürfen. Der Artikel endet mit der Einsicht, dass die Frage, wie Jesus heute lebendig wird und wie das Reich Gottes durch prophetisches Handeln sichtbar werden kann, ein zentrales Thema religiöser Bildung für nachhaltige Entwicklung ist.

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