Didaktisch und methodisch ist das Medium besonders überzeugend, weil es auf anspruchsvolle Weise anthropologische Tiefendimensionen, theologische Reflexion und gesellschaftliche Bildung zusammenführt. Für den Religionsunterricht in der Oberstufe eignet sich das Vorhaben vor allem deshalb, weil es die emotionale, ethische und politische Komplexität ökologischer Krisen ernst nimmt und Schülerinnen und Schüler nicht vorschnell moralisch adressiert, sondern zunächst ihre Erfahrungen, Ambivalenzen und Fragen aufgreift. Der Einstieg über das Gletscherrequiem eröffnet einen ästhetischen und existenziellen Zugang, der Stille, Wahrnehmung und Resonanz ermöglicht. Dadurch entsteht ein Raum, in dem Gefühle wie Ohnmacht, Trauer, Wut und Hoffnung ausgesprochen werden können. Dies ist gerade bei älteren Lernenden bedeutsam, die ökologische Themen oft entweder sehr reflektiert oder bewusst distanziert verhandeln. Die anschließende Arbeit mit Bildmaterial, Interview, Musik, biblischen Texten und Gesprächsphasen sorgt für methodische Vielfalt und eröffnet unterschiedliche Zugänge für heterogene Lerngruppen. Besonders fruchtbar ist die Beschäftigung mit Jona, weil die Figur in verdichteter Form Klage, Widerstand, Schuldfrage, Flucht, göttliche Zumutung und Umkehr repräsentiert. So können Schülerinnen und Schüler eigene Spannungen zwischen Verantwortungsgefühl, Überforderung und Abwehrhaltung in einer biblischen Erzählfigur wiederfinden und reflektieren. Ein weiterer didaktischer Gewinn liegt in der Unterscheidung von individueller und struktureller Schuld. Diese Perspektive verhindert eine vorschnelle Moralisierung individuellen Verhaltens und eröffnet stattdessen einen tieferen Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge, Machtverhältnisse und systemische Verstrickungen. Für den Unterricht empfiehlt es sich daher, Gesprächsphasen sorgfältig zu moderieren und Räume zu schaffen, in denen Anklage, Selbstkritik und Hoffnung nebeneinander stehen dürfen. Die Bausteine zu Visionen und konkreten Handlungsmöglichkeiten sind besonders geeignet, um das Thema nicht in Betroffenheit enden zu lassen, sondern in partizipative Prozesse zu überführen. Die Arbeit mit Hoffnungsbildern, Zukunftsentwürfen und dem Handprint Konzept stärkt die Erfahrung, dass Veränderung nicht nur privat, sondern auch sozial, institutionell und politisch gedacht werden muss. Gerade in beruflichen Bildungsgängen kann dies auf die jeweilige Praxis bezogen werden, etwa auf pädagogisches Handeln, soziale Verantwortung oder institutionelle Mitgestaltung. Insgesamt ist das Medium für einen anspruchsvollen Religionsunterricht sehr geeignet, weil es emotionale Bildung, theologische Urteilskraft und gesellschaftliche Handlungsorientierung in ein produktives Verhältnis setzt.