Der Artikel beschreibt religiöse Bildung für nachhaltige Entwicklung als Querschnittsaufgabe, die nicht auf einzelne Themen wie Schöpfung begrenzt werden darf. Stattdessen soll Nachhaltigkeit als grundlegendes Prinzip alle Inhalte des Religionsunterrichts prägen. Kritisiert wird, dass Unterricht häufig bei individuellen Handlungsappellen stehen bleibt und größere gesellschaftliche Zusammenhänge ausblendet.
Als Alternative werden acht didaktische Prinzipien entfaltet. Nachhaltigkeit wird als kontrovers verstanden, da unterschiedliche Vorstellungen und Wege existieren und auch religiöse Traditionen ambivalente Deutungen zur Schöpfung enthalten. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit als komplex beschrieben, weil ökologische soziale und ökonomische Aspekte miteinander verflochten sind und keine einfachen Lösungen erlauben. Diese Komplexität gilt auch für theologische Fragen etwa im Blick auf das Verhältnis von Mensch und Tier.
Ein weiteres Prinzip ist die kritische Ausrichtung. Diese richtet sich sowohl auf gesellschaftliche Machtverhältnisse als auch auf die eigene religiöse Tradition und fragt nach deren Anteil an ökologischen Krisen. Die Kontextorientierung betont die Verbindung von lokalen Erfahrungen mit globalen und historischen Perspektiven und rückt Fragen der Gerechtigkeit in den Mittelpunkt.
Das konstruktive Prinzip hebt hervor, dass religiöse Bildung Hoffnung vermitteln soll. Religiöse Traditionen bieten Visionen eines guten Lebens und stärken Lernende darin sich für eine bessere Zukunft einzusetzen. Daraus ergibt sich eine praktische Dimension, in der religiöse Praxis mit sozialem und politischem Handeln verbunden wird. Nachhaltigkeit wird nicht nur gedacht sondern auch gelebt.
Partizipation ist ein zentrales Ziel, da Lernende befähigt werden sollen ihre Umwelt aktiv mitzugestalten. Bildung wird dabei als Aufgabe der gesamten Institution verstanden. Schließlich wird Nachhaltigkeit als politisches Thema gefasst, das sich mit Machtfragen und gesellschaftlichen Strukturen auseinandersetzt und zur aktiven Mitgestaltung ermutigt.
Diese Prinzipien werden mit einer Didaktik der Multiperspektivität verbunden. Lernende sollen verschiedene Perspektiven einnehmen und reflektieren, etwa soziale globale religiöse oder interdisziplinäre Sichtweisen. Durch Perspektivwechsel erweitern sie ihr Verständnis und entwickeln eigene Positionen zu komplexen Fragen der Nachhaltigkeit.
Abschließend zeigt der Artikel anhand von Unterrichtsvorhaben, wie diese Prinzipien praktisch umgesetzt werden können. Themen sind Hoffnung in Krisenzeiten religiöser Protest sowie Schuld und Verantwortung angesichts ökologischer Zerstörung. Ziel ist es, Lernende zu befähigen gesellschaftliche Transformationsprozesse aktiv mitzugestalten und eine gerechte Zukunft im Sinne des Reiches Gottes anzustreben.