Der Artikel entfaltet die These, dass religiöse Menschen über eine besondere Fähigkeit verfügen, sich alternative Wirklichkeiten und Möglichkeitsräume vorzustellen, die über die erfahrbare Welt hinausgehen. Diese Imaginationskraft ermöglicht es ihnen, religiöse Deutungen zu entwickeln und Sinnfragen zu stellen. Gleichzeitig wird betont, dass viele Menschen diese Fähigkeit nicht in gleicher Weise besitzen und sich innerhalb der gegebenen Wirklichkeit orientieren. Diese Differenz wird nicht bewertet, sondern als Unterschied anerkannt.
Für den schulischen Kontext bedeutet dies, dass Religionsunterricht ähnlich wie Musikunterricht gestaltet werden muss, da er sowohl religiös musikalische als auch religiös unmusikalische Lernende erreicht. Ziel kann nicht sein, bei allen Lernenden religiöse Begeisterung zu erzeugen, sondern vielmehr, ein Verständnis für die kulturelle, historische und soziale Bedeutung von Religion zu vermitteln. Diese Einsicht entlastet Lehrkräfte und verhindert unrealistische Erwartungen.
Im Zentrum der theologischen Reflexion steht der Begriff Gott. Theologie wird als Wissenschaft verstanden, die den Gebrauch dieses Begriffs untersucht, ohne ihn selbst hervorzubringen. Der Gottesbegriff eröffnet Möglichkeitsräume und prägt Sprache, Kultur und Denken. Ohne ihn würden zentrale Ausdrucksformen wie Gebet, Hoffnung oder Transzendenzvorstellungen fehlen. Aufgabe der Theologie ist es daher, kritisch zu analysieren, wie der Gottesbegriff verwendet wird, welche Erfahrungen damit verbunden sind und welche Auswirkungen sich daraus ergeben.
Der Artikel kritisiert eine unreflektierte, rein traditionsbewahrende Theologie, die sich auf die Verteidigung konfessioneller Positionen beschränkt. Stattdessen wird eine wissenschaftliche Theologie gefordert, die Tradition weiterentwickelt und in Beziehung zur Gegenwart setzt. Theologie wird als Gegenwartswissenschaft verstanden, die sich mit aktuellen Fragen religiöser Praxis auseinandersetzt. Gleichzeitig wird die starke Ausrichtung theologischer Ausbildung auf historische Inhalte problematisiert, da diese oft keinen erkennbaren Bezug zur späteren beruflichen Praxis haben.
Abschließend wird Theologie auch als Trainingswissenschaft beschrieben. Religionslehrkräfte sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern ihre eigene religiöse Haltung reflektieren und weiterentwickeln. Sie sollen in der Lage sein, Lernende in ihrer Lebenswelt zu verstehen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Die performative Dimension von Religion und Theologie wird betont, da religiöses Lernen nicht nur kognitiv, sondern auch existenziell und erfahrungsbezogen geschieht.