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Deutschlandfunk

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„Du siehst, dass ich ein Sucher bin“

Rilkes Blick auf Gott

Veröffentlichung:15.1.2026

Der Beitrag aus der Deutschlandfunk-Reihe „Aus Religion und Gesellschaft“ eröffnet einen literarisch-theologischen Zugang zu religiösem Fragen und Suchen jenseits fester Dogmen und zeigt Religion als existenzielle Bewegung des Menschen.

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Der Audio-Beitrag „Rilkes Blick auf Gott – ‚Du siehst, dass ich ein Sucher bin‘“ von Burkhard Reinartz zeichnet das religiöse Denken des Dichters Rainer Maria Rilke nach und erschließt dessen Werk als lebenslange Auseinandersetzung mit Gott, Transzendenz und menschlicher Existenz. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Rilke keiner konfessionell gebundenen Frömmigkeit folgt, Religion jedoch zu den Grundströmungen seines Dichtens gehört. Gott erscheint bei Rilke nicht als fest umrissene Instanz oder personaler Herrscher, sondern als „naher und schwer fassbarer“ Gegenüber, der sich im Fragen, Suchen und Staunen erschließt. Der Beitrag zeigt, wie sich Rilkes Gottesverständnis im Laufe seines Lebens verändert: von einer zunächst noch kirchlich geprägten Sprache hin zu einer offenen, tastenden und poetischen Gottesrede, die Zweifel, Schweigen und Distanz ausdrücklich mit einschließt. Gedichte, Briefe und Prosatexte machen deutlich, dass Rilke Gott weniger im Dogma als in der Erfahrung von Liebe, Angst, Einsamkeit, Tod und Verwandlung verortet. Religion wird bei ihm zu einer Haltung des Suchens, die nicht im Besitz von Wahrheit endet, sondern im Aushalten von Ungewissheit ihre Tiefe gewinnt.


Methodisch-didaktisch eignet sich das Medium besonders für die Sekundarstufe II sowie für die Erwachsenen- und Hochschulbildung, da es literarische Bildung mit religiöser und philosophischer Reflexion verbindet. Für den Religionsunterricht bietet sich eine textnahe Arbeit mit ausgewählten Gedichten oder Briefzitaten Rilkes an, die im Anschluss an den Hörbeitrag gemeinsam erschlossen werden. Didaktisch fruchtbar ist dabei die Unterscheidung zwischen religiöser Gewissheit und religiösem Suchen: Rilke eröffnet Lernenden einen Zugang zu Glauben als Prozess, nicht als fertigem System. Religionspädagogisch ermöglicht der Beitrag Gespräche über persönliche Gottesvorstellungen, Zweifel, Sprachlosigkeit und die Grenzen religiöser Sprache. Gerade für Schülerinnen und Schüler, die sich von kirchlicher Sprache entfremdet fühlen, kann Rilkes poetischer Zugang eine Brücke schlagen, da er religiöse Fragen existenziell zuspitzt, ohne sie zu normieren. Interreligiöse und weltanschauliche Perspektiven lassen sich anschließen, indem Rilkes Suchbewegung mit mystischen Traditionen im Christentum, Judentum und Islam sowie mit säkularen Sinnfragen verglichen wird. So fördert das Medium eine offene, dialogische Religionsdidaktik, die religiöse Sprachfähigkeit vertieft und die Würde des Fragens ernst nimmt.

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