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Katholische Akademie Bayern

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Festhalten an dem, was aussteht

Eschatologische Texte mythologisch gelesen

Veröffentlichung:1.1.2025

Der Fachartikel umfasst fünf Seiten und reicht von Seite 14 bis Seite 18. Der Beitrag zeigt, dass eschatologische Texte der Bibel nicht als Vorhersagen zukünftiger Einzelereignisse verstanden werden dürfen. Vielmehr formulieren sie in mythischer Sprache, was für das Leben des Menschen und für die Weltgeschichte noch aussteht, nämlich Gerechtigkeit, Vollendung und die Hoffnung, dass Opfer der Geschichte nicht endgültig verloren sind.

Der Fachartikel behandelt insbesondere folgende theologischen Probleme: das Verhältnis von Schöpfung und Vollendung, die Auslegung eschatologischer Texte, die Frage nach Tod und Jenseits, die Hoffnung auf Auferstehung, das Problem der Gerechtigkeit Gottes angesichts leidender Gerechter sowie die Frage, wie individuelle Lebensgeschichte und Weltgeschichte auf ein letztes Ziel hin verstanden werden können.

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Der Artikel macht zunächst deutlich, dass Schöpfungsmythen und eschatologische Texte nur dann angemessen verstanden werden, wenn man sie nicht als sachliche Berichte über ferne Vergangenheit oder als exakte Prognosen über kommende Ereignisse liest. Beide Textgruppen arbeiten vielmehr mit mythischen Bildern, um grundlegende Aussagen über die menschliche Existenz zu formulieren. So wie Schöpfungserzählungen am Anfang der Zeit darstellen, was das Menschsein prägt, so beschreiben Zielgeschichten am Ende der Zeit, was zur Vollendung noch aussteht. Zwischen Anfang und Ende besteht dabei ein enger Zusammenhang. Besonders wichtig ist die Beobachtung, dass sich in hellenistischer Zeit die Vorstellung einer spiegelsymmetrischen Zeit entwickelt hat, deren Bogen vom Paradies am Anfang der Weltgeschichte bis zum Paradies am Ende reicht. Anfang und Ende spiegeln einander. Der Anfang erklärt die Grundsituation des Menschen, das Ende formuliert die Hoffnung auf ihre Vollendung.

Im nächsten Schritt zeigt der Artikel, dass sich die Rede von Vollendung nicht aus einem fertigen dogmatischen System entwickelt hat, sondern aus einem langen theologischen Ringen. Dabei greifen zwei Diskurslinien ineinander. Die eine fragt nach dem Ziel der individuellen Lebensgeschichte in Tod und Jenseits. Die andere fragt nach dem Ziel der gesamten Weltgeschichte. Beide Linien verlaufen zunächst eigenständig, nähern sich aber zunehmend an und führen schließlich zu einer umfassenden Hoffnung auf letzte Gerechtigkeit.

Zunächst beschreibt der Artikel die geschichtlichen Erfahrungen Israels und Judas. Die frühen Schriftpropheten Amos, Hosea, Jesaja und Micha mussten vor dem Hintergrund assyrischer Bedrohung vor allem Unheil ankündigen. Die politischen Katastrophen mit der Zerstörung Samarias und später Jerusalems bestätigten diese Warnungen. Auch die Deportationen nach Babylon prägten das Denken tief. Diese Erfahrungen von Untergang und Scheitern bildeten den Hintergrund, auf dem sich spätere Heilsvorstellungen entwickeln konnten.

Daneben schildert der Artikel die älteren Vorstellungen vom Tod. In Israel und Juda ging man ursprünglich davon aus, dass die Toten in die Unterwelt gelangen, in die Scheol, wo sie in einem dämmrigen Zustand weiterexistieren. Moralische Unterschiede zwischen Gerechten und Frevlern spielten dort zunächst keine Rolle. Das Jenseits war noch kein Ort der Gerechtigkeit. Alle Toten waren im Grunde gleich und galten der lebendigen Beziehung zu Gott entzogen. Diese Sicht war nicht nur in Israel verbreitet, sondern in weiten Teilen des Alten Orients.

Ein Wandel setzte im babylonischen Exil ein. Ezechiel und später Deuterojesaja verkündeten den Verschleppten Heil und Heimkehr. Doch diese Hoffnung wurde von vielen offenbar nicht angenommen. Der Artikel lenkt dann den Blick auf die sogenannten Gottesknechtslieder in Jesaja. Besonders wichtig ist hier der Gedanke, dass ein unschuldig leidender Gottesknecht nach seinem Tod von Gott nicht im Reich der Toten gelassen, sondern zu Licht und Leben geführt wird. Damit wird erstmals in der biblischen Tradition angedeutet, dass Gott auch jenseits der Todesschwelle wirksam ist und Opfer der Geschichte nicht dem Tod überlässt. Dieser Gedanke ist theologisch neu und weitreichend.

An diesen Gedanken schließen Psalmen wie Psalm 73 und Psalm 49 an. Dort ringen Beter mit dem Problem, dass Frevler Erfolg haben und Gerechte leiden. Aus diesem Theodizeeproblem wächst die Hoffnung, dass Gott die Gerechten nach dem Tod zu sich nimmt und so doch noch Gerechtigkeit schafft. Entscheidend ist, dass diese Hoffnung nicht aus spekulativen Überlegungen über Seele und Unsterblichkeit entsteht, sondern aus dem religiösen Verlangen nach Gerechtigkeit. Gott soll am Ende das Unrecht nicht bestehen lassen.

Im Bereich der Weltgeschichte entwickelt sich parallel dazu die Erwartung eines endzeitlichen Gerichts. Nach der persischen Zeit und besonders unter den Erschütterungen der hellenistischen Epoche wurde die Hoffnung wichtig, dass die gegenwärtige Geschichte nicht im Chaos endet, sondern auf ein von Gott gesetztes Heil zuläuft. So wurden Unheils und Heilsworte zusammen gelesen und zu einem Geschichtsbild verbunden, das vom Leiden zum Heil führt. Daraus entsteht die Vorstellung eines Jüngsten Gerichts als Fluchtpunkt der Geschichte.

Der Artikel zeigt dann am äthiopischen Henochbuch einen entscheidenden theologischen Schritt. Dort werden die Toten erstmals ausdrücklich in die Erwartung des Gerichts einbezogen. In einer Vision ruhen sie in vier Höhlen, die zwischen Gerechten und verschiedenen Gruppen von Sündern unterscheiden. Besonders wichtig ist, dass die Hoffnung auf Auferweckung zunächst nicht allgemein für alle gilt, sondern nur dort erwartet wird, wo Gerechtigkeit noch aussteht, also bei ungesühnten Tätern und bei Opfern von Gewalt. Die Auferweckung erscheint damit als Konsequenz des Verlangens nach Gerechtigkeit. Später werden diese komplexen Vorstellungen vereinfacht. Zunächst rechnet man oft nur mit einer Auferweckung der Gerechten. Noch später entsteht die Erwartung einer Auferweckung aller Toten zum Gericht.

Am Ende betont der Artikel, dass den biblischen und frühjüdischen Texten kein einheitliches Lehrgebäude zugrunde liegt. Vielmehr dokumentieren sie ein langes Nachdenken über Gerechtigkeit, Tod, Hoffnung und Vollendung. Verschiedene Texte vertreten unterschiedliche Modelle. Manche rechnen mit einer unmittelbaren Aufnahme der Gerechten zu Gott, andere mit einer partiellen Auferweckung, wieder andere mit einer Auferweckung aller. Gemeinsam ist ihnen jedoch das Festhalten an dem, was noch aussteht. Sie bringen die Hoffnung zum Ausdruck, dass Opfer der Geschichte nicht vergessen werden und dass am Ende Gerechtigkeit geschieht.

Der Artikel schließt mit der Deutung, dass Schöpfungsmythen und eschatologische Vorstellungen zusammengehören. Die einen stellen am Anfang der Zeit dar, was das Menschsein grundlegend prägt. Die anderen formulieren am Ende der Zeit, was zur Vollendung dieses Menschseins noch fehlt. In dieser Spiegelung von Anfang und Ende stiften die Texte Orientierung und Sinn. Ihre Wahrheit liegt nicht in überprüfbaren Zukunftsprognosen, sondern in einer Wahrheit, die gelebt und verwirklicht werden muss.

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