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Katholische Akademie Bayern

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Macht und Ohnmacht in der Jesusbewegung

Was uns die Evangelien und ein Blick auf den historischen Jesus verraten

Veröffentlichung:1.1.2024

Der Artikel umfasst sechs Seiten. Er untersucht, wie Jesus Macht verstanden hat und welche Orientierung die Jesusbewegung und die Evangelien für den heutigen Umgang mit Macht geben. Theologisch behandelt der Fachartikel vor allem die Fragen nach der Gottesherrschaft, nach Macht und Machtmissbrauch in der Kirche, nach dem Zusammenhang von Vollmacht und Dienst, nach Nachfolge im Zeichen des Kreuzes sowie nach der Stellung von Schwachen und Ohnmächtigen im christlichen Glauben.

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Der Artikel geht der Frage nach, wie Jesus Macht verstanden hat und welche Maßstäbe sich daraus für Kirche und christliches Handeln heute ergeben. Dabei wird zunächst betont, dass das Neue Testament keine einfache Kopiervorlage für die Gegenwart ist. Biblische Texte müssen kritisch ausgelegt werden, weil sie aus einer anderen Zeit stammen und in andere sprachliche und kulturelle Zusammenhänge gehören. Dennoch geben sie wichtige Wegweiser und Impulse. Gerade angesichts des offen zutage getretenen Machtmissbrauchs in der Kirche ist eine solche Auseinandersetzung dringend notwendig. Macht wird dabei nicht von vornherein nur negativ verstanden, sondern als soziales Phänomen, das menschliches Zusammenleben prägt. Sie kann Gemeinschaft ermöglichen, Ziele verwirklichen und dem Leben dienen, sie kann aber auch missbraucht werden.

Als zentraler Schlüsseltext wird Markus 10,42 bis 45 vorgestellt. Dort grenzt Jesus seine Gemeinschaft ausdrücklich von weltlichen Herrschaftsformen ab. In der Welt bedeutet Macht oft Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt. In der Gemeinschaft Jesu soll es anders sein. Größe zeigt sich dort nicht in Herrschaft, sondern im Dienen. Wer der Erste sein will, soll Diener aller sein. Der Menschensohn selbst wird zum entscheidenden Vorbild, weil er nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben für andere hinzugeben. Damit wird deutlich, dass Jesus keine machtfreie Gemeinschaft fordert, wohl aber eine Gemeinschaft, in der Macht ganz anders verstanden und ausgeübt wird. Maßgeblich sind Dienstbereitschaft, Hingabe und die Ausrichtung auf Schwache und Schutzlose.

Im Markusevangelium wird dieser Gedanke besonders stark entfaltet. Jesus verkündet die Gottesherrschaft, und sein Weg führt nicht zum äußeren Triumph, sondern in Erniedrigung und Kreuz. Auch die Nachfolge ist deshalb Kreuzesnachfolge. Macht wird hier als Dienst und Hingabe verstanden. Im Matthäusevangelium erscheint Jesus zwar als Autorität, zugleich identifiziert er sich aber mit Hungernden, Fremden, Kranken und Gefangenen. Die Jünger werden trotz ihrer Zweifel und Schwächen mit einer großen Sendung beauftragt. So wird deutlich, dass christliche Gemeinschaft aus Menschen besteht, die selbst zerbrechlich sind und aus der Macht des Auferweckten leben.

Das Lukasevangelium betont besonders die Umkehrung bestehender Machtverhältnisse. Im Magnifikat werden Mächtige gestürzt und Niedrige erhöht. Jesu Geburt in Armut stellt die Macht des Imperiums in Frage. Jesus wendet sich Armen, Ausgegrenzten und Unterdrückten zu und versteht seinen Auftrag als Befreiung der Geknechteten. Auch in der Apostelgeschichte wird die christliche Gemeinde als Gegenbild zu üblichen Machtstrukturen gezeigt. Sie sorgt dafür, dass niemand Not leidet, und entwickelt sogar neue Dienste, damit Witwen und Arme versorgt werden. Macht dient hier dem Leben anderer.

Im Johannesevangelium wird die Erniedrigung Jesu als Menschwerdung des Logos gedeutet. Jesus verzichtet auf Macht, um Menschen zu stärken und zum Leben zu führen. Besonders in der Fußwaschung wird sichtbar, dass Hingabe, Fürsorge und Statusverzicht den Kern von Jüngerschaft bilden. Auch die Johannesbriefe unterstreichen, dass Liebe nicht Selbstverwirklichung bedeutet, sondern die Bereitschaft, das eigene Leben für andere einzusetzen. Macht soll deshalb immer der Ermächtigung anderer dienen.

Der Artikel fragt dann nach dem historischen Jesus. Im Zentrum seiner Verkündigung steht die Gottesherrschaft. Von ihr her werden politische und soziale Machtverhältnisse kritisch befragt. Jesus ist nicht in erster Linie politischer Aktivist, aber er misst jede irdische Macht an den Maßstäben des Gottesreiches. Macht erhält ihren Sinn nur als Dienst und Hingabe. Dies zeigt sich auch daran, dass Jesus machtvolle Selbstdarstellung ablehnt. Er sucht keinen Ruhm, weist Machtdemonstrationen zurück und setzt seine Vollmacht zum Heil anderer ein. Seine Lebenshingabe und sein Kreuzestod bestätigen dieses Verständnis von Macht.

In der abschließenden Synthese wird betont, dass der Rückblick auf Jesus keine einfachen Lösungen liefert, aber eine unverzichtbare kritische Anfrage an jede kirchliche Institutionalisierung darstellt. Kirche muss sich daran messen lassen, ob sie die Mitte der Verkündigung Jesu bewahrt. Diese Mitte ist die Gottesherrschaft. Alle Dienste, Aufgaben und Strukturen müssen sich an ihr orientieren. Daraus folgt, dass alle irdische Macht begrenzt ist. Macht in der Kirche steht im Dienst der Barmherzigkeit Gottes, der die Verlorenen sucht und rettet.

Zugleich macht der Artikel deutlich, dass Macht von Anfang an zwiespältig ist. Schon in der Jesusbewegung zeigt sich, dass sie missbraucht werden kann. Deshalb muss Macht in der Kirche reflektiert, begrenzt und kontrollierbar bleiben. Besonders wichtig ist die Einsicht, dass die Mitte frei bleibt. Nach neutestamentlichem Verständnis gehört sie allein Christus. Daraus ergibt sich eine grundlegende Gleichheit aller Glaubenden. Jede kirchliche Funktion bleibt vorläufig, begrenzt und auf Christus bezogen.

Am Ende formuliert der Artikel eine deutliche Kritik an kirchlichen Machtinsignien und an einer Kirche, die sich zu weit von der Gestalt Jesu entfernt hat. Wenn Jesus selbst in Hingabe, Armut und Wehrlosigkeit gelebt hat, dann müssen sich auch kirchliche Ämter und Formen der Machtausübung daran messen lassen. Die entscheidende Frage lautet daher, ob Macht in der Kirche wirklich so gestaltet ist, dass in ihr Fürsorge, Nächstenliebe, Statusverzicht und Dienst am anderen sichtbar werden.

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