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Katholische Akademie Bayern

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Eingebettetes Menschsein

Man apart from nature – man as part of nature

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel umfasst die Seiten 90 bis 94, also vier Seiten. Der Beitrag zeigt, dass sich das Verhältnis von Mensch und Natur in der Gegenwart grundlegend verändert hat. Während der Mensch in der Neuzeit häufig als von der Natur getrenntes und ihr überlegenes Wesen verstanden wurde, rückt heute stärker in den Blick, dass er selbst Teil natürlicher, ökologischer und planetarischer Zusammenhänge ist. Der Fachartikel behandelt dabei vor allem theologischen und religionsethischen Probleme wie Anthropozentrismus, Schöpfungsverantwortung, das Verständnis des Menschen als Kreatur, die moralische Bedeutung nichtmenschlicher Natur, Demut vor der Schöpfung sowie die Frage, wie ein ökologisch erweiterter Humanismus aussehen kann.

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Der Artikel untersucht unterschiedliche Bilder vom Verhältnis des Menschen zur Natur und zeigt, dass sich diese Bilder im Lauf der Neuzeit stark verändert haben. Zu Beginn nennt der Verfasser verschiedene Grundmodelle, etwa den Menschen als Herrscher, Verwalter, Hüter, Partner oder Mitglied einer ökologischen Gemeinschaft. Systematisch lassen sich diese Bilder auf zwei Leitvorstellungen zuspitzen. Lange dominierte die Sicht, dass der Mensch der Natur gegenübersteht und sich von ihr abhebt. In jüngerer Zeit gewinnt dagegen die Vorstellung an Gewicht, dass der Mensch Teil der Natur ist und nur aus dieser Eingebundenheit heraus verstanden werden kann. Diese Verschiebung bleibt nicht auf Umweltfragen beschränkt, sondern verändert auch das Verständnis des Menschen und damit die Gestalt des Humanismus.

Der Artikel beschreibt diese Entwicklung als Folge der neuzeitlichen Wende zum Subjekt. Einerseits wurde erkannt, dass der Mensch Gesellschaft gestalten und für gerechte Verhältnisse Verantwortung übernehmen kann. Andererseits galt die Natur lange Zeit als etwas, das der Mensch selbstverständlich nutzen, verändern und beherrschen dürfe. Erst nach und nach wurde deutlich, dass diese Gestaltbarkeit Grenzen hat. Solche Grenzen ergeben sich zum einen aus dem Eigenwert der Natur, zum anderen aus ökologischen Rückwirkungen und systemischen Folgen menschlichen Handelns. Dadurch gerät eine Denkfigur in die Kritik, die den Menschen als von Welt und Natur getrenntes Sonderwesen auffasst. Gegen diese Sicht wenden sich neuere philosophische und ökologische Ansätze, die den Menschen in umfassendere Lebenszusammenhänge einordnen.

Anschließend stellt der Verfasser wichtige umweltethische Modelle vor. Eine erste Weichenstellung leistet der Utilitarismus, weil er nicht nur Menschen, sondern auch empfindungsfähige Tiere in die moralische Rücksicht einbezieht. Noch weiter gehen biozentrische und holistisch orientierte Ansätze. Am Beispiel von Paul Taylor zeigt der Artikel, dass der Mensch biologisch als Mitglied der Gemeinschaft alles Lebendigen verstanden werden kann. Alle Lebewesen verfolgen auf ihre Weise ihr eigenes Wohl. Daraus ergibt sich nach Taylor, dass der Mensch keine begründete Sonderstellung beanspruchen kann. Er ist nicht Herr über die Natur, sondern Teil eines Netzes von Lebewesen, deren gesundes Funktionieren voneinander abhängt.

Ein ähnliches, aber noch weiter reichendes Modell findet der Artikel in der Tiefenökologie Arne Naess’. Auch hier wird der Eigenwert menschlichen und nichtmenschlichen Lebens betont. Entscheidend ist die Einsicht, dass das Wohl des Menschen mit dem Wohl anderer Lebensformen verflochten ist. Die leitende Norm ist eine umfassende Selbstverwirklichung, die nicht individualistisch verstanden wird, sondern die Entfaltung des Lebens im Ganzen meint. Je stärker Menschen ihre Verbundenheit mit anderen Lebensformen erkennen, desto eher entwickeln sie Solidarität, Rücksicht und eine veränderte Haltung zur Natur. Beide Ansätze machen deutlich, dass die Überwindung menschlicher Selbstüberhebung nicht nur für den Schutz der Umwelt, sondern auch für ein gelingendes menschliches Leben wichtig ist.

Im nächsten Schritt richtet der Artikel den Blick auf die Diskussion um das Anthropozän. Gemeint ist die Diagnose, dass der Mensch inzwischen zu einem geologischen Faktor geworden ist, der das Erdsystem tiefgreifend verändert. Dadurch erscheint der Mensch noch stärker als Teil der Natur, weil sein Handeln nicht nur lokale Umwelten, sondern planetarische Prozesse beeinflusst. Gleichzeitig wird deutlich, dass nicht der Mensch als biologische Gattung allein verantwortlich ist, sondern der Mensch in bestimmten sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebensformen der Moderne. Deshalb werden alternative Bezeichnungen diskutiert, die etwa den Kapitalismus, Plantagenwirtschaft oder kulturelle Verdrängungsmechanismen hervorheben. Der Artikel macht jedoch deutlich, dass solche Begriffe zwar wichtige Aspekte benennen, aber die planetarische Dimension des Problems nicht ganz erfassen.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Globalen und dem Planetarischen. Das Globale betrifft soziale und politische Prozesse, die Menschen gestalten, koordinieren und steuern können. Das Planetarische verweist dagegen auf natürliche Prozesse, lange Zeiträume und systemische Dynamiken, die sich nicht einfach politisch kontrollieren lassen. Im Anthropozän müssen beide Ebenen erstmals zusammengedacht werden. Deshalb wird vernetztes Denken zu einer Schlüsselkompetenz. Der Mensch muss lernen, Menschheitsgeschichte und Erdgeschichte, soziale Ordnung und Naturprozesse, Verantwortung und Begrenzung zugleich im Blick zu behalten.

Daraus ergeben sich neue ethische Anforderungen. Der Artikel betont, dass im Zeitalter des Menschen eine Haltung der Ehrfurcht, der Demut und der Verantwortung nötig wird. Die neuzeitliche Vorstellung einer unbegrenzten Verfügung über die Natur verliert ihre Plausibilität. An ihre Stelle soll eine planetarische Demut treten. Der Mensch muss nicht nur technisch umdenken, sondern auch seine Selbstdeutung verändern. Es genügt nicht, Natur und Mensch einander äußerlich gegenüberzustellen, weil Natur dann leicht wieder bloß zum Objekt der Nutzung oder Fürsorge wird. Weiterführender ist es, vom Menschen als Teil der Natur auszugehen und ethische Überlegungen auf dieser Grundlage neu zu entwickeln.

Im letzten Teil fragt der Verfasser nach einer theologischen und humanistischen Weiterführung. Der klassische Humanismus soll nicht verworfen, sondern erweitert werden. Nachdem lange um die gleiche Würde aller Menschen gerungen wurde, geht es heute zusätzlich darum, die moralische Relevanz nichtmenschlicher Natur ernst zu nehmen. Der Artikel nennt dafür verschiedene Begriffe wie inklusiver Humanismus oder ökologisch erweiterter Humanismus. Theologisch wird dies mit der Schöpfungsperspektive verbunden. Der Mensch ist nicht nur Träger von Würde, sondern auch Geschöpf und Kreatur. Besonders aufschlussreich ist das Motiv der Geschwisterlichkeit aller Kreatur. Es kann unterschiedlich verstanden werden, etwa als Verantwortung des Menschen, als Lernbereitschaft gegenüber der Natur oder als solidarische Weggemeinschaft mit allen Mitgeschöpfen. Aus dieser Perspektive gewinnen Tugenden wie Suffizienz, Demut, Ehrfurcht und Resonanz eine zentrale Bedeutung.

Am Ende kommt der Artikel zu dem Ergebnis, dass die ökologische Herausforderung eine Bildungsaufgabe ist. Der Mensch muss seine Art der Weltbeziehung und zugleich seine Form der Selbstgestaltung verändern. Gerade darin sieht der Verfasser einen bleibenden Kern des Humanismus. Menschwerdung bedeutet dann nicht Herrschaft über die Natur, sondern verantwortliche Selbstbildung inmitten der Schöpfung. Für Lehrkräfte ist der Text besonders ergiebig, weil er ethische, anthropologische und theologische Fragen miteinander verbindet und starke Impulse für Unterricht zu Schöpfung, Umweltethik, Menschenbild und Verantwortung liefert.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 1. Grundzüge christlicher Moral im Kontext philosophischer Ethik.

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