Der Artikel von Johannes Burkhardt untersucht die Frage, wer den Siebenjährigen Krieg politisch tatsächlich gewonnen hat, und richtet den Blick dabei vor allem auf die Friedensschlüsse von St. Petersburg, Paris und Hubertusburg. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass seit dem Westfälischen Frieden große europäische Konflikte normalerweise auf Friedenskongressen beendet wurden. Für den Siebenjährigen Krieg war ein solcher Kongress 1761 in Augsburg geplant, doch dieses Vorhaben scheiterte. Als Hauptgrund nennt der Autor die globale Dimension des Krieges. Zu viele Mächte, Interessen, Räume und Handlungsebenen hätten das herkömmliche europäische Modell eines großen Friedenskongresses überfordert. Deshalb endete der Krieg nicht durch eine einheitliche Gesamtlösung, sondern durch mehrere zeitlich gestaffelte Friedensschlüsse.
Im Zentrum der Darstellung steht die These, dass in Europa keiner der großen Krieg führenden Akteure seine eigentlichen Kriegsziele erreichte. Russland schied mit dem Frieden von St. Petersburg aus. Frankreich und Großbritannien regelten ihren Konflikt im Frieden von Paris. Preußen und Österreich kamen schließlich im Frieden von Hubertusburg zu einem Abschluss. In Europa galt dabei im Wesentlichen das Prinzip der Wiederherstellung des Vorkriegszustandes. Gerade dies macht für den Autor deutlich, dass kein klassischer Sieger festzustellen ist, weil die großen Mächte trotz ungeheurer Opfer und Zerstörungen ihre weitergehenden Ziele nicht verwirklichen konnten.
Besonders ausführlich widerspricht der Text der verbreiteten Auffassung, Friedrich der Große habe den Siebenjährigen Krieg gewonnen. Zwar habe sich Friedrich militärisch behauptet und Schlesien behalten, doch gemessen an seinen tatsächlichen geheimen Kriegszielen sei dies kein Sieg gewesen. Der Autor verweist darauf, dass Friedrich weitreichendere Eroberungen plante, unter anderem in Westpreußen und Sachsen. Diese Ziele wurden nicht erreicht. Friedrich selbst habe deshalb auch nicht von einem Sieg gesprochen. Vielmehr habe er den Nachkriegszustand seines Landes als verheerend erkannt. Sein Verzicht auf triumphale Selbstdarstellung nach Kriegsende wird als Hinweis darauf gedeutet, dass er den Krieg politisch nicht als Erfolg ansah.
Auch Österreich verfehlte seine Ziele, weil Schlesien nicht zurückgewonnen wurde. Frankreich musste Hoffnungen auf Kompensationen aufgeben und verlor Einflussräume. England konnte zwar seine Verbindung mit Hannover erhalten, doch auch dort blieben politische Gewinne in Europa begrenzt. Russland wiederum hatte zwar zeitweise große Erfolge erzielt, gab diese aber nach dem Herrscherwechsel wieder preis. So kommt der Artikel zu dem Schluss, dass alle großen Mächte in Europa den Krieg politisch verloren, weil sie ihre eigentlichen Absichten nicht verwirklichen konnten.
Als eigentlichen Gewinner präsentiert der Autor stattdessen das föderale Reich Deutscher Nation. Dessen Ziel sei nicht die Rückeroberung Schlesiens gewesen, sondern die Befreiung Sachsens, die Eindämmung des preußischen Angriffs und die Wiederherstellung der reichsverfassungsmäßigen Ordnung. Dieses Ziel sei erreicht worden. Der Reichstag, die Reichskreise und die Reichsarmee hätten keinen glanzvollen militärischen Triumph errungen, wohl aber politisch und ordnungspolitisch erfolgreich gehandelt. Das Reich habe den Krieg begrenzt, eine eigenständige Politik verfolgt, extreme Maßnahmen wie die Ächtung Friedrichs vermieden und damit den Weg zum Frieden erleichtert.
Breiten Raum nimmt die Bedeutung Sachsens und des Hubertusburger Friedens ein. Der Artikel betont, dass sächsische Vermittlungsleistungen wesentlich zum Friedensschluss beitrugen. Besonders Thomas von Fritsch erscheint als geschickter Vermittler zwischen den erschöpften Konfliktparteien. Der Friede von Hubertusburg wird als erstaunlich zügig ausgehandelt beschrieben. Für Sachsen brachte er die Freigabe des Landes und die Möglichkeit zum Wiederaufbau. Damit wird Sachsen nicht nur als Opfer des Krieges, sondern auch als aktiver Friedensakteur sichtbar.
Ein wichtiger Teil des Artikels behandelt die Gefahren, die dem Reich während des Krieges drohten. Dazu gehörten Versuche, den Konflikt zu einem Religionskrieg zuzuspitzen, Säkularisationspläne gegen geistliche Territorien und preußische Sonderbund und Sezessionspläne. Nach Ansicht des Autors konnten diese Gefahren abgewehrt werden. Das Reich habe sich weder konfessionell spalten noch verfassungsrechtlich zerstören lassen. Gerade darin sieht der Beitrag einen großen politischen Erfolg des Reiches. Friedrich habe schließlich lernen müssen, sich in das Reichssystem einzufügen, statt es zu sprengen. Daraus entwickelte sich langfristig der deutsche Dualismus zwischen Österreich und Preußen innerhalb des Reiches.
Im außereuropäischen Teil betrachtet der Artikel den Frieden von Paris. Dort erscheint Großbritannien zunächst als klarer Sieger, weil es in Nordamerika, Indien und anderen Weltregionen große Vorteile gewann. Doch der Autor relativiert auch diesen Befund. Die britischen Erfolge seien langfristig ambivalent gewesen, weil gerade der Krieg in Nordamerika das politische Selbstbewusstsein der Kolonien stärkte und den Weg zur späteren Staatsbildung der Vereinigten Staaten vorbereitete. Personen wie George Washington und Benjamin Franklin werden in diesem Zusammenhang als frühe Akteure einer entstehenden amerikanischen Eigenständigkeit genannt.
Daraus entwickelt der Artikel eine transatlantische Perspektive. Sowohl in Europa als auch in Nordamerika habe der Siebenjährige Krieg wichtige Impulse für Prozesse der Staatenbildung gegeben. Im Reich sei das föderale System erneuert und gefestigt worden. In Amerika seien Voraussetzungen für eine bundesstaatliche Ordnung entstanden. Die bleibende Bedeutung der Friedensschlüsse von Paris und Hubertusburg liege deshalb nicht nur im Kriegsende, sondern auch in ihrer Wirkung auf langfristige politische Ordnungen.
Im Nachwort stellt der Autor schließlich einen Bezug zur Gegenwart her. Er weist darauf hin, dass Friedensdiplomatie nicht immer erfolgreich sein kann, besonders dann nicht, wenn eine Seite gar nicht ernsthaft verhandeln will oder verdeckte Eroberungsziele verfolgt. Zugleich betont er, dass zur Beendigung von Kriegen Diplomatie unverzichtbar bleibt. Der Artikel endet mit dem Gedanken, dass die Neuordnung von Staaten und Sicherheitsstrukturen ein dauerhaftes Thema europäischer Geschichte ist und dass aus der Geschichte des Siebenjährigen Krieges auch für heutige Friedensfragen etwas gelernt werden kann.