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Katholische Akademie Bayern

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Die Klosterlandschaft der Oberen Pfalz

Zwischen Gründungen, Aufhebungen und Neugründungen

Veröffentlichung:1.4.2022

Der Fachartikel sieben Seiten im Online Teil. Der Beitrag zeigt, wie sich die Klöster der historischen Oberen Pfalz zwischen Gründungen, Aufhebungen und Neugründungen entwickelt haben. Zugleich arbeitet er die Besonderheiten dieser Klosterlandschaft heraus und fragt, ob man überhaupt von einer eigenen Oberpfälzer Klosterlandschaft sprechen kann. Theologische Probleme behandelt der Artikel vor allem im Blick auf Konfessionswechsel, Reformation und Gegenreformation, Rekatholisierung, geistliches Leben in den Klöstern, das Verhältnis von Kloster und Seelsorge sowie die Rolle religiöser Orden für Frömmigkeit, Bildung und Glaubenspraxis.

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Der Artikel untersucht die Klosterlandschaft der historischen Oberen Pfalz und grenzt sie bewusst von der heutigen Oberpfalz ab. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Obere Pfalz historisch einen eigenen Entwicklungsweg genommen hat, der vor allem auf den Hausvertrag von Pavia von 1329 zurückgeht. Dadurch wurde die Region von Bayern getrennt und für mehrere Jahrhunderte politisch von der Pfalz aus gelenkt. Erst im Dreißigjährigen Krieg kam sie wieder zu Bayern zurück. Diese besondere politische Entwicklung prägte auch die Geschichte ihrer Klöster.

Der Verfasser macht zunächst deutlich, dass die Forschungslage zu den Klöstern der Oberpfalz lange Zeit unzureichend war. Viele Häuser wurden von der überregionalen Forschung kaum beachtet. Quellen wurden nur bruchstückhaft ediert, sodass die Geschichte dieser Klöster bis heute in vielen Bereichen lückenhaft erschlossen ist. Gerade deshalb will der Artikel einen Überblick geben und die charakteristischen Merkmale dieser Klosterlandschaft sichtbar machen.

Anschließend beschreibt der Text die frühe Gründungsphase. Die ersten Klöster entstanden in der Oberen Pfalz erst relativ spät, nämlich an der Wende vom elften zum zwölften Jahrhundert. Zu den frühen Niederlassungen gehörten Benediktinerklöster wie Kastl, Reichenbach, Ensdorf und Michelfeld sowie später Zisterzienser und Prämonstratenser in Waldsassen, Walderbach und Speinshart. Diese Gründungen geschahen in erstaunlich kurzer Zeit und waren nicht nur religiös motiviert, sondern auch politisch und strategisch bedeutsam. Die Klöster dienten der Memoria adliger Familien, der Herrschaftssicherung, der Erschließung des Landes, der Bildung und der wirtschaftlichen Entwicklung. Dennoch betont der Autor, dass das Religiöse, Geistliche und Spirituelle stets den Kern klösterlichen Lebens bildete.

Im Spätmittelalter erlebten einige dieser Klöster eine Blütezeit. Besonders hervorgehoben werden Kastl und Reichenbach. Kastl wurde durch die Kastler Reform zu einem wichtigen Zentrum monastischer Erneuerung, dessen Impulse weit über die Region hinaus wirkten. Reichenbach entwickelte sich nicht nur architektonisch weiter, sondern stieg auch zu einem bedeutenden Wissenschaftszentrum auf. Dort wurden Theologie, Geisteswissenschaften, Mathematik, Astronomie und Kartographie gepflegt. Diese Entwicklung zeigt, dass die Oberpfälzer Klöster nicht nur religiöse, sondern auch kulturelle und wissenschaftliche Zentren waren.

Danach beschreibt der Artikel die Ausbreitung weiterer Orden. Im Spätmittelalter kamen Bettelorden hinzu, unter anderem Dominikanerinnen, Augustiner Eremiten und Franziskaner. Auffällig ist, dass sich diese Orden in der Oberpfalz zunächst nicht in Städten, sondern auf dem Land niederließen. Auch das Birgittenkloster Gnadenberg wird als Besonderheit hervorgehoben, weil es die erste süddeutsche Niederlassung dieses aus Schweden stammenden Ordens war. Es zeigt zugleich die internationale Vernetzung dieser Region.

Ein entscheidender Einschnitt war die Reformation im sechzehnten Jahrhundert. Unter Kurfürst Ottheinrich wurde in der Oberpfalz der Protestantismus eingeführt. In der Folge wurden die Klöster schrittweise aufgehoben. Viele Konvente waren ohnehin geschwächt und personell klein geworden. Zwar blieben die Klöster zunächst noch als Verwaltungseinheiten bestehen, doch ihr monastisches Leben endete. Gerade hierin erkennt der Verfasser eine zentrale Besonderheit der Oberpfalz, denn ihre Klöster wurden nicht erst in der Säkularisation des frühen neunzehnten Jahrhunderts aufgelöst, sondern bereits im Zuge der Reformation.

Mit der Rückgewinnung der Oberpfalz durch Bayern im Dreißigjährigen Krieg begann die Phase der Rekatholisierung. Der bayerische Landesherr setzte stark auf Reformorden wie Jesuiten, Franziskaner, Kapuziner, Paulaner und Salesianerinnen. Diese Orden sollten sowohl die Bevölkerung wieder an den katholischen Glauben heranführen als auch für Bildung, Seelsorge und Frömmigkeit sorgen. Besonders Amberg wurde zu einer katholischen Musterstadt ausgebaut. Der Autor betont, dass diese Orden die Oberpfalz sehr nachhaltig geprägt haben und dass viele barocke Frömmigkeitsformen dort bis heute nachwirken.

Später gelang auch mehreren alten Klöstern eine Wiederbegründung. Auf Initiative des Kurfürsten Ferdinand Maria wurden im siebzehnten Jahrhundert mehrere frühere Klöster erneut mit Mönchen besetzt und restituiert. Dadurch entstand in der Oberpfalz noch einmal ein barocker klösterlicher Glanz. Zahlreiche Häuser entwickelten neue wissenschaftliche und kulturelle Aktivitäten und errichteten eindrucksvolle Neubauten. Anders als im sechzehnten Jahrhundert standen viele Klöster vor der Säkularisation wirtschaftlich und geistig noch in voller Kraft.

Trotzdem wurden die Klöster zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts endgültig aufgehoben. Dabei zeigt der Artikel, dass die Oberpfälzer Klöster rechtlich schwächer gestellt waren als viele altbayerische Häuser, weil ihre Wiederbegründung nur auf landesherrlicher Gnade beruhte. Dies erleichterte ihre Aufhebung. Dennoch waren die Klöster bis zuletzt ein bedeutender Faktor im Leben der Region, sowohl zahlenmäßig als auch kulturell und religiös.

Im letzten Teil arbeitet der Verfasser die Besonderheiten der Oberpfälzer Klosterlandschaft zusammenfassend heraus. Dazu gehören der späte Beginn der Klostergründungen, die ungewöhnliche Ansiedlung der Bettelorden zunächst auf dem Land, die frühe Aufhebung der Klöster im sechzehnten Jahrhundert, die Wiederbegründung im siebzehnten Jahrhundert, die starke Prägung durch Reformorden und die besondere rechtliche Stellung der wiedererrichteten Klöster. Schließlich bejaht der Autor für das Spätmittelalter und die Frühe Neuzeit klar die Frage, ob man von einer eigenen Oberpfälzer Klosterlandschaft sprechen kann. Er begründet dies mit dem politischen Zusammenhang der Region, mit den Beziehungen der Klöster untereinander und mit einem gemeinsamen Bewusstsein innerhalb der Landstände und geistlichen Netzwerke. Für die Neuzeit und Gegenwart gilt dies nach seiner Ansicht jedoch nicht mehr in gleicher Weise, auch wenn viele ehemalige Klostergebäude das Bild der Oberpfalz weiterhin prägen.

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