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Katholische Akademie Bayern

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Der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt

Die patristische Argumentation des römischen Lehramts

Veröffentlichung:1.1.2022

Der Fachartikel umfasst 5 Seiten. Er behandelt zentrale theologische Probleme wie das Verbot der Priesterweihe für Frauen, die Frage nach der historischen und patristischen Begründung dieses Verbots, das Verhältnis von Tradition und Lehramt sowie die Verbindung von Frauenpriestertum und kirchlicher Unfehlbarkeit. Der Artikel zeigt, dass die römische Argumentation ihre Entscheidung auf die göttliche Verfassung der Kirche stützt, die historischen Belege dafür aber nach Ansicht des Autors nicht tragfähig sind.

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Der Artikel untersucht die lehramtliche Begründung für den Ausschluss von Frauen vom Priesteramt in der katholischen Kirche. Ausgangspunkt ist das apostolische Schreiben Ordinatio sacerdotalis von Papst Johannes Paul dem Zweiten aus dem Jahr 1994. Dieses Schreiben wollte die Diskussion um das Frauenpriestertum beenden, indem es erklärte, dass die Kirche keine Vollmacht habe, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass alle Gläubigen sich endgültig an diese Entscheidung zu halten hätten. Der Artikel zeigt, dass diese Frage damit aus dem Bereich des innerkirchlichen Diskurses herausgenommen und zu einer Frage der von Gott gewollten Verfassung der Kirche gemacht wurde.

Im Zentrum der Analyse steht die Frage, ob sich diese Position tatsächlich auf die Quellen der Alten Kirche stützen kann. Das lehramtliche Schreiben verweist dafür auf das frühere Dokument Inter insigniores der Glaubenskongregation. Dort wird behauptet, die beständige und umfassende Überlieferung der Kirche lehre, dass Frauen keine Priesterweihe empfangen könnten. Zur Begründung werden patristische Quellen angeführt, die Frauen in häretischen Gruppen, das Verhalten Jesu und der Apostel sowie die kirchliche Tradition betreffen.

Der Artikel arbeitet anhand der Untersuchung von Ernst Dassmann heraus, dass diese Quellen die römische Argumentation nur unzureichend stützen. Bei Tertullian etwa geht es nicht um die Weihe von Frauen, sondern um Kritik an häretischen Gruppen, in denen Frauen lehren, taufen oder charismatisch auftreten. Auch bei Firmilian steht nicht das Frausein der handelnden Person im Zentrum, sondern die Überzeugung, dass hinter ihrem Handeln ein Dämon wirke. Daraus folgt nach Ansicht des Autors, dass diese Quellen nicht als eindeutiger Beleg gegen die Priesterweihe von Frauen dienen können.

Weiter zeigt der Artikel, dass auch andere herangezogene Quellen vor allem das Lehrverbot oder Taufverbot für Frauen betreffen, nicht aber ausdrücklich das Priesteramt. In manchen frühkirchlichen Texten wird Frauen das Lehren untersagt, weil man sie aus damaliger Sicht für untergeordnet hielt. Diese Argumentation beruht auf antiken patriarchalen Vorstellungen und auf einer schöpfungsmäßig gedachten Unterlegenheit der Frau. Solche Begründungen gelten heute jedoch als diskriminierend und werden lehramtlich selbst nicht mehr offen vertreten. Der Artikel macht deshalb deutlich, dass die historische Tradition zwar den Ausschluss von Frauen faktisch zeigt, die dafür genannten Gründe aber aus heutiger Sicht nicht mehr überzeugen.

Ein wichtiger Gedanke des Artikels ist, dass Frauen in der Alten Kirche nicht deshalb vom Priesteramt ausgeschlossen wurden, weil darüber ein ausdrücklich formuliertes Verbot bestand, sondern weil eine solche Möglichkeit für die meisten damaligen Akteure außerhalb ihrer Vorstellung lag. Verboten wurden Frauen vor allem das Lehren und Taufen. Diese Verbote wurden später aufgehoben oder verändert, obwohl sie ebenfalls mit Verweis auf Christus und die Apostel begründet worden waren. Daraus ergibt sich für den Autor, dass Traditionen in der Kirche durchaus veränderbar sind.

Der Artikel betont außerdem, dass die kirchlichen Ämter nicht einfach fertig von Jesus Christus eingesetzt wurden, sondern sich in der frühen Kirche historisch entwickelt haben. Bischof, Presbyter und Diakon seien Ergebnisse eines kirchlichen Entwicklungsprozesses. Ob die Nichtberücksichtigung von Frauen in dieser Entwicklung vom Heiligen Geist gewollt oder durch das gesellschaftliche Umfeld bedingt war, lasse sich historisch nicht eindeutig entscheiden. Dennoch habe das Lehramt diese Frage inzwischen definitiv entschieden.

Besonders kritisch bewertet der Artikel das Responsum der Glaubenskongregation von 1995, das die Aussage von Ordinatio sacerdotalis als unfehlbare Lehre bestätigte. Damit wurde das Verbot der Priesterweihe für Frauen nicht nur als kirchliche Norm, sondern als zum Glaubensgut gehörende Lehre festgelegt. Der Autor hält jedoch fest, dass die historische Begründung dafür wissenschaftlich nicht tragfähig sei. Keine der angeführten patristischen Stellen beweise die behauptete beständige und umfassende Überlieferung in der Weise, wie das Lehramt es darstellt.

Am Ende kommt der Artikel zu dem Ergebnis, dass hier eine verbindliche kirchliche Entscheidung auf einer historisch unzureichenden Argumentation ruht. Für das katholische Lehramt hat dies zwar keine Auswirkung auf die rechtliche Geltung der Entscheidung. Für viele Gläubige entsteht daraus jedoch ein Spannungsverhältnis zwischen Glauben, Vernunft und Gehorsam. Der Artikel deutet an, dass gerade diese Diskrepanz für viele Menschen zu einer Belastung ihres Verhältnisses zur Kirche wird und auch für die gegenwärtige Glaubwürdigkeitskrise der Kirche bedeutsam ist.

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