Der Artikel schildert Kardinal Michael von Faulhabers Erfahrungen im Jahr 1938 als eine Phase wachsender Bedrohung, Enttäuschung und innerer Erschütterung. Bereits zu Beginn seines Tagebuchs formulierte Faulhaber keine biblische Jahreslosung, sondern die düstere persönliche Aussage, dass das Jahr schwarz wie die Nacht und grausig wie das Höllental vor ihm liege. Diese Formulierung macht deutlich, dass er die politische und kirchliche Entwicklung im Deutschen Reich mit großer Sorge wahrnahm. Schon im Vorjahr hatte sich die Lage der katholischen Kirche unter dem NS Staat weiter verschärft. Trotz seiner Mitarbeit an der Enzyklika Mit brennender Sorge hoffte Faulhaber weiterhin, Hitler sei im Kern gutgläubig und wolle keine Vernichtung der Kirche. Gerade diese Hoffnung prägte sein Verhalten im Jahr 1938 entscheidend.
Zu Beginn des Jahres wurde deutlich, dass der Nationalsozialismus den Kampf gegen katholische Bildungseinrichtungen fortsetzte. Das Gymnasium Scheyern und viele weitere klösterliche Schulen sollten geschlossen werden. Insgesamt waren 82 höhere Ordensschulen betroffen. Faulhaber protestierte dagegen mit dem Hinweis, dass diese Maßnahmen gegen geltendes Recht und gegen das Konkordat verstießen. Das Regime ignorierte jedoch die Einwände, und schließlich wurden die katholischen Schulen aufgehoben oder in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Damit zeigt der Artikel, dass Faulhaber zwar juristisch und kirchenpolitisch argumentierte, mit dieser Strategie aber kaum noch Wirkung erzielen konnte.
Auch die katholischen Verbände gerieten 1938 unter immer stärkeren Druck. Die Gestapo verbot mehrere katholische Jugend und Laienverbände und beschlagnahmte deren Vermögen. Faulhaber reagierte mit einem Hirtenwort, in dem er Schmerz, Trauer und Empörung über diese Maßnahmen ausdrückte und zugleich die Loyalität der Katholiken zum Staat und zur Kirche betonte. Der Artikel macht jedoch deutlich, dass Faulhaber damit das nationalsozialistische Verständnis von Volksgemeinschaft verfehlte. Denn dieses duldete keine eigenständige religiöse Gemeinschaft neben der politischen Gemeinschaft des Regimes. Faulhaber erklärte die Verbände zwar kirchenrechtlich für nicht aufgelöst, doch praktisch blieb dies folgenlos. Seine Tagebuchnotizen zeigen, dass er sogar persönliche Übergriffe fürchtete.
Ein weiterer Konflikt entstand durch eine Predigt Faulhabers anlässlich des Krönungstages von Papst Pius XI. Darin wies er die Behauptung zurück, der Papst strebe einen Pakt mit dem Bolschewismus an, und verteidigte die Kirche gegen den Vorwurf politischer Einmischung. Zugleich sprach er offen von religiöser Verfolgung in Deutschland und kritisierte die Aufhebung katholischer Schulen als schweren Schlag gegen das religiöse Leben. Außerdem wandte er sich gegen den Versuch, das Christentum durch einen politischen Mythos wie Rosenbergs Mythus des 20. Jahrhunderts zu ersetzen. Der Artikel zeigt hier, dass Faulhaber dort deutlich und kompromisslos sprach, wo er zentrale Glaubensfragen, kirchliche Rechte und die Wahrheit des Christentums bedroht sah.
Besonders ausführlich behandelt der Beitrag die Ereignisse in Österreich nach dem Anschluss im März 1938. Faulhaber nahm die politische Entwicklung zunächst aufmerksam wahr und dürfte dem Anschluss aus der Tradition des großdeutschen Katholizismus nicht grundsätzlich ablehnend gegenübergestanden haben. Doch die Repressionen gegen die österreichischen Bischöfe und gegen die Kirche insgesamt machten deutlich, wie gefährlich die Lage war. Der Wiener Kardinal Innitzer und die österreichischen Bischöfe versuchten zunächst, durch eine Loyalitätserklärung an das NS Regime Spielräume zu gewinnen. Dabei übernahmen sie einen von nationalsozialistischer Seite vorgegebenen Text und riefen sogar zur Zustimmung beim Anschluss auf. Faulhaber reagierte darauf mit Empörung. Er erkannte die politische Naivität dieser Erklärung und sah darin einen schweren Fehler. Der Artikel betont, dass Österreich 1938 nicht nur zum Experimentierfeld für antijüdische Maßnahmen, sondern auch für eine radikale antikirchliche Politik wurde. Klöster wurden aufgelöst, Schulen geschlossen, Vereine verboten, Vermögen beschlagnahmt und zahlreiche Priester verfolgt.
Die Ereignisse in Österreich dienten zugleich als warnendes Beispiel für das Deutsche Reich. Im Oktober 1938 kam es in Wien zu einem Überfall auf das erzbischöfliche Palais, nachdem katholische Jugendliche öffentlich Präsenz gezeigt hatten. Einen Monat später wurde auch Faulhaber selbst zum Ziel nationalsozialistischer Gewalt. Im Zusammenhang mit den Novemberpogromen richtete sich der Hass nicht nur gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger, sondern auch gegen den Münchner Kardinal, der von Nationalsozialisten als Judenkardinal angesehen wurde. Der Artikel schildert sehr ausführlich den Angriff auf den Bischofshof am Abend des 11. November 1938. Steine flogen gegen die Fenster, Türen wurden angegriffen, Menschen im Haus gerieten in Panik, und Faulhaber erlebte die Situation als lebensbedrohlich. Diese Aufzeichnungen zeigen eindringlich seine Angst und die Atmosphäre von Gewalt und Unsicherheit.
Trotz dieses Angriffs hielt Faulhaber an seiner Hoffnung auf Verständigung mit Hitler fest. Der Artikel arbeitet heraus, dass Faulhaber weiterhin zwischen dem vermeintlich guten Führer und der schlechten Bewegung unterschied. Diese Sicht verzerrte seinen Blick auf die Realität des NS Regimes. Er blieb bei seiner klassischen Eingabepolitik und zog andere Formen öffentlichen Widerstands kaum in Betracht. Außerdem sah er seine Aufgabe vor allem darin, die Kirche und die eigenen Diözesanen zu schützen, nicht aber offensiv für andere Verfolgte einzutreten. Gerade darin liegt eine zentrale Kritik des Artikels. Faulhaber war nicht bereit zu einer prophetischen öffentlichen Konfrontation, wie sie später etwa durch Bischof von Galen sichtbar wurde.
Am Ende des Jahres zeigte sich diese Haltung noch einmal deutlich in Faulhabers Silvesterpredigt. Viele erwarteten von ihm ein klares Wort gegen die Judenverfolgung oder gegen die Gewalt der Nationalsozialisten. Stattdessen sprach er über Einfachheit und schlug versöhnliche Töne an. Er wollte die Lage nicht weiter zuspitzen und hoffte weiterhin auf Verständigung. Für manche Zeitgenossen, etwa Rupert Mayer, war dies eine tiefe Enttäuschung. Der Artikel schließt mit dem Hinweis, dass Faulhaber durch seine Sichtweise und seine Strategie den Erwartungen vieler nicht gerecht werden konnte. Damit erscheint das Jahr 1938 als Schlüsseljahr, in dem sich sowohl seine Ängste als auch die Grenzen seines Handelns besonders deutlich zeigten.