Im begrifflichen Teil unterscheidet Lerke Begabung (leistungsbezogenes Entwicklungspotenzial als Konstellation aus Fähigkeiten, Persönlichkeit und Umwelt), Talent (sichtbar gewordene, fachspezifisch überdurchschnittliche Begabung) und Hochbegabung (quantitativ definiert, meist mittels IQ-Tests erfasst; verschiedene Modelle: statisch/dynamisch, intellektuell/nicht-intellektuell, Kompetenz/Performanz). Sie stellt Förderstrategien vor: Akzeleration (beschleunigtes Lernen, Überspringen von Klassen) und Enrichment (vertikale oder horizontale Vertiefung, Drehtürenmodell). Dabei betont sie, dass rund 50 % der Hochbegabten nicht durch Leistung oder Tests erkannt werden (Underachiever, Twice Exceptionals, Overexcitabilities u. a.); das Konzept „Förderung auf Verdacht" soll begabungssensible Lernumgebungen für alle schaffen.
Der religionspädagogische Teil stellt zunächst das Forschungsdesiderat fest: Anders als in Germanistik oder MINT-Bereich fehlt eine fachspezifische Definition religiöser (Hoch-)Begabung weitgehend. Theologisch-biblisch entfaltet Lerke Begabung als Gabe Gottes (Schöpfung; Gen 1,31; 1 Petr 4,10) und greift Paulus' Charisma-Konzept auf (1 Kor 12): Alle Gaben sind gleichwertig, aufeinander angewiesen und zum Wohl der Gemeinschaft bestimmt; die höchste Gabe ist die Liebe (1 Kor 13). Mit Hartmut Rosas Resonanzkonzept schlägt Lerke vor, religiöse (Hoch-)Begabung als besondere Resonanzfähigkeit zu verstehen – Affiziert-Sein und Selbstwirksamkeitserfahrung im Leib Christi als Resonanzkörper.
Fachdidaktisch formuliert Lerke vier Forderungen: (1) Offene Lehr-Lernformate (Forschungswerkstatt, Projektarbeit, Forschendes Lernen, Stationenlernen) – mit dem Hinweis, dass diese nicht für alle geeignet sind und bildungsferne Schüler benachteiligen können; (2) adaptive Lernarchitekturen (Schoolwide Enrichment Model, Drehtürenmodell auch für Nebenfächer); (3) erweiterte Leistungsbeurteilung (Portfolios, Kompetenzraster, Lernjournal); (4) begabungssensible Ausbildung von Religionslehrkräften. Als etablierte begabungsfördernde Lernumgebung beschreibt sie das vierdimensionale Aneignungsmodell von Wolfhard Schweiker (basal-perzeptiv / konkret-handelnd / anschaulich-modellhaft / abstrakt-begrifflich) sowie das Theologisieren mit Kindern und Jugendlichen (Freudenberger-Lötz; Schlag/Schweitzer) als Instrument zur Förderung kognitiver Kreativität und divergenten Denkens.