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... damit die Dinge, die zur heiligen Liturgie gehören, wahrhaft würdig seien

Veröffentlichung:1.1.2012

Der Artikel ist im Heft ru heute 03 2012 enthalten unter dem Titel „… damit die Dinge, die zur heiligen Liturgie gehören, wahrhaft würdig seien, geziemend und schön“ (SC 122) Kirchenbauten des Bistums Mainz im Spiegel des II. Vaticanum und umfasst drei Seiten, Seiten 32 bis 34.

Anja Lempges zeigt am Beispiel ausgewählter Kirchen im Bistum Mainz, wie das Zweite Vatikanische Konzil besonders Sacrosanctum Concilium die Gestaltung von Kirchenräumen geprägt hat. Leitend sind eine erneuerte Zeichen und Symbolsensibilität, die tätige Teilnahme der Gläubigen und ein Traditionsverständnis, das weder puristisch zerstört noch historisierend erstarrt. Der Beitrag verbindet liturgietheologische Grundgedanken mit konkreten raumpraktischen Beobachtungen von der Wegekirche bis zum Zentralraum und zur orientierten Versammlung. Theologisch behandelt werden vor allem die Frage nach dem Wesen der Liturgie als Kommunikation zwischen Gott und Mensch, die Deutbarkeit sakraler Zeichen, die Würde und Schönheit als Ausdruck des Glaubens sowie das Spannungsfeld von Tradition und Erneuerung im kirchlichen Raum.

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Der Beitrag setzt mit dem Konzilsjubiläum ein und fragt nach dem Sinn des Feierns. Im Rückblick kontrastiert die Autorin das Erste Vatikanum, das stärker auf Struktur und innerkirchliche Festigung zielte, mit dem Zweiten Vatikanum, das sich programmatisch dem Dienst am Heil des Menschen in der Welt zuwendet. Weil die Berührung von Gott und Mensch besonders in der Liturgie erfahrbar werden soll, wird Sacrosanctum Concilium als erstes Konzilsdokument hervorgehoben. Zentral ist dabei die Doppelbewegung des Dokuments: Zuerst die Frage nach dem inneren Wesen der Liturgie, dann die Frage nach den sichtbaren Zeichen, die unsichtbare göttliche Wirklichkeit bezeichnen sollen. Liturgie wird so als gelingende Kommunikation verstanden, die auf Deutbarkeit angewiesen ist.

Von hier aus entfaltet Lempges das kirchliche Verständnis von sakraler Kunst und Architektur. Das Konzil bevorzugt keinen Stil, sondern lässt je nach Völkern, Zeiten und Riten unterschiedliche Formen zu und sammelt so einen zu bewahrenden Schatz. Gleichzeitig wird im Kirchenbau ausdrücklich gefordert, dass Räume für liturgische Feiern und die tätige Teilnahme der Gläubigen geeignet sein müssen. Daraus leitet die Autorin die bleibende Spannung ab: Altes bewahren und Neues wagen. Bewahren, weil Kirchenräume Glauben und Kultur verdichten. Wagen, weil lebendige Gottesbegegnung nicht durch museale Erstarrung entsteht, sondern durch erfahrbares gläubiges Miteinander. Die letzten Jahrzehnte hätten gezeigt, dass sowohl radikale Purifizierungen wie auch rein historisierendes Konservieren schaden können.

Ein entscheidender Schwerpunkt ist die Symbolsensibilität. Wenn Geräte und Räume Zeichen überirdischer Wirklichkeiten sind, dann ist nichts bedeutungslos. Daraus folgt eine Konsequenz, die die Autorin zugespitzt formuliert: Es gibt im Sakralraum keine bloße Dekoration. Praktisches oder hübsches Zubehör kann in einem Kirchenraum schnell eine missverständliche Botschaft senden und liturgische Zeichen überdecken. Das wird am Beispiel des Karfreitagsaltars gezeigt, dessen Nacktheit symbolisch spricht, und wie diese Symbolik durch ein abgestelltes Mikrofon unmittelbar gebrochen wird. Solche Alltagsbeispiele öffnen den Blick dafür, dass Kirchenraumgestaltung immer Auslegung ist und dass Liturgie durch Dinge mitkommuniziert.

Im Hauptteil werden dann exemplarisch Kirchen im Bistum Mainz streiflichtartig befragt, wie ihre Raumaufteilung und Ausstattung die Konzilsimpulse aufnehmen. An Christkönig in Mainz Bischofsheim wird gezeigt, wie bereits vor dem Konzil in einem konsequent auf Christus und Altar konzentrierten Raum erste Motive der Liturgischen Bewegung anklingen. Wenige, klare Zeichen, eine starke Lichtführung und der relativ nahe Altar fördern eine unmittelbare Präsenz und lenken nicht ab. Heilig Kreuz in der Mainzer Oberstadt wird als besonders überzeugender moderner Zentralraum vorgestellt, der schon vor Konzilsbeginn wesentliche Forderungen der späteren Reform architektonisch vorwegnimmt. Die zentrale Altarinsel, der umgebende Gemeinderaum und die Lichtführung bringen das Versammeltsein liturgisch nachvollziehbar zur Gestalt, nach dem Konzil musste im Kern nur die Tabernakelordnung angepasst werden.

Mit Hl Dreifaltigkeit in Offenbach beschreibt Lempges einen Kirchenbau, der unmittelbar nach dem Konzil bewusst vom Altar her konzipiert ist. Der elliptische Grundriss und die gerundeten Bankreihen führen weg vom reinen Wegekirchen Schema hin zu einer konzentrischen Versammlung. Wichtig ist die klare Struktur liturgischer Funktionsorte: Altar als Tisch des Mahles und Ambo als Tisch des Wortes werden als geistliche Nahrung der Gemeinde sichtbar und räumlich in Beziehung gesetzt. Lichtführung und Raumform erzeugen eine sammelnde Bewegung auf den Altar hin, sodass Teilnahme nicht nur gefordert, sondern räumlich unterstützt wird.

Besonders anschaulich wird das Konzept der orientierten Versammlung in der Bonifatiuskapelle des Mainzer Priesterseminars und in St Jakobus in Dittelsheim Hessloch. Hier wird gezeigt, wie kleine Räume neue Ordnungen erproben können, ohne beliebig zu werden. Die U förmige Versammlung um den Altar, die Position von Ambo und Kreuz und die Öffnung nach Osten lassen drei Handlungsrichtungen des Gottesdienstes leiblich erfahrbar werden: Wortverkündigung als Gegenüber, gemeinsames Gebet als gemeinsame Ausrichtung, Eucharistie als Versammlung um den Altar. Materialsymbolik wie das Eichenholz im Blick auf Bonifatius vertieft die Ortsbezogenheit der Zeichen. In Dittelsheim Hessloch wird zudem exemplarisch gezeigt, wie historischer Bestand und neue liturgische Ordnung miteinander versöhnt werden können, indem Achsen gewahrt, Funktionsorte neu geordnet und der Raum zugleich beruhigt wird. Das Ergebnis wird als liturgisch funktional und zugleich als für die Gemeinde wohltuend übersichtlich beschrieben.

Im Resümee beantwortet die Autorin die Ausgangsfrage nach dem Grund zum Feiern: Das Konzil habe liturgische Zeichen wieder näher an ihren biblischen und spirituellen Kern geführt und die Liturgie als bewusstes Tun aller neu belebt. Auch wenn anfangs vieles durch überzogenen Purifizierungswillen verloren ging, bleibt die zentrale Leistung die Wiederentdeckung der Mitfeiernden als Subjekte der Liturgie und die damit verbundene neue Aufmerksamkeit für Räume und Symbole, die der Fassungskraft der Gemeinde entsprechen sollen. Zentralraum und transparente, offene Architekturelemente werden als Ausdruck dieser erneuerten Liturgieauffassung gedeutet. Reduktion in moderner Kirchenarchitektur wird nicht als Verarmung, sondern als Konzentrationshilfe verstanden, die dem Wesentlichen Raum gibt und einen Kontrast zur Reizüberflutung des Alltags setzt. Abschließend bleibt als Prüfstein aller Raumgestaltung die Frage, ob Raum und Liturgie helfen, Gottes Gegenwart erfahrbar zu machen, und ob sie Menschen einen weiten Raum eröffnen, in dem Glaube leiblich und gemeinschaftlich Gestalt gewinnt.

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