Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium in besonderer Weise, weil Menschenrechte nicht nur als juristische Regeln, sondern als Ausdruck der grundlegenden Würde jedes Menschen erschlossen werden können. Ein didaktischer Schwerpunkt sollte auf der Verbindung von Menschenwürde, Gerechtigkeit, Gleichheit und christlichem Menschenbild liegen. Besonders wirkungsvoll ist der vom Material vorgeschlagene Einstieg, bei dem der Begriff Menschenrechte zunächst nicht genannt wird. Die Lernenden erhalten Rollen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und geografischen Kontexten. Dazu gehören beispielsweise ein Kind in Brasilien, eine Lehrerin in Afghanistan, eine muslimische Person in Myanmar, eine Familie in Syrien und weitere Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen. Die Lernenden stellen sich auf einer gemeinsamen Linie auf. Wird eine Frage aus Sicht ihrer Rolle mit Ja beantwortet, dürfen sie einen Schritt nach vorne gehen. Bei Nein oder Unsicherheit bleiben sie stehen. Am Ende entsteht im Raum ein sichtbares Bild ungleicher Lebenschancen. Religionspädagogisch ist diese Methode besonders wertvoll, weil sie kognitives Lernen mit Perspektivübernahme und emotionalem Erleben verbindet. Zugleich muss sie sensibel begleitet werden. Die Rollenkarten stellen komplexe Länder und Lebenssituationen notwendigerweise stark vereinfacht dar. Deshalb dürfen die dargestellten Probleme nicht als Eigenschaften ganzer Länder, Religionen oder Bevölkerungsgruppen verstanden werden. Die Lernenden sollten ausdrücklich reflektieren, dass eine einzelne Rollenbeschreibung niemals die Lebenswirklichkeit aller Menschen eines Landes repräsentiert. Ebenso sollte die Lehrkraft darauf achten, dass Lernende nicht aufgrund eigener biografischer Erfahrungen unfreiwillig zu Vertretern bestimmter Gruppen gemacht werden. Nach der Übung ist eine ausführliche Auswertung unverzichtbar. Fragen wie „Wie hast du dich in deiner Rolle gefühlt?“, „Wann konntest du nicht weitergehen?“ und „Warum hatten manche Personen deutlich mehr Möglichkeiten als andere?“ sind bereits im Material vorgesehen. Anschließend können die Lernenden in Gruppen selbst Rechte formulieren, die ihrer Meinung nach jedem Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion, wirtschaftlicher Situation oder sozialer Stellung zustehen müssen. Das Material sieht mindestens zehn solcher Rechte vor. Besonders lernwirksam ist es, diese zunächst ohne Kenntnis der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu entwickeln und erst anschließend mit ihr zu vergleichen. Dadurch erkennen die Lernenden, dass Menschenrechte Antworten auf grundlegende menschliche Bedürfnisse nach Freiheit, Sicherheit, Gleichheit und Anerkennung darstellen. Für die explizit religiöse Vertiefung bieten sich die auf Seite 11 zusammengestellten Bibeltexte an. Die Goldene Regel aus Mt 7,12 eröffnet die Frage, wie gegenseitige Achtung und Menschenrechte miteinander verbunden werden können. Gal 3 stellt gesellschaftliche Unterscheidungen angesichts der Gemeinschaft in Christus infrage. Auch die Gebote aus Ex 20 können hinsichtlich des Schutzes von Leben, Freiheit und Eigentum untersucht werden. Die Lernenden können beispielsweise jeweils einen Artikel der Menschenrechtserklärung einem biblischen Gedanken gegenüberstellen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herausarbeiten. Dabei sollte deutlich werden, dass Menschenrechte nicht einfach mit einzelnen Bibelstellen gleichgesetzt werden können. Vielmehr können christliche Vorstellungen von der Würde des Menschen, von Nächstenliebe und Gerechtigkeit einen religiösen Begründungshorizont für den Einsatz für Menschenrechte eröffnen. Eine weitere Vertiefung ermöglicht das Fallbeispiel Phnom Penh. Die Lernenden untersuchen, weshalb Menschenrechte trotz ihrer grundsätzlichen Anerkennung verletzt werden. Das Material nennt als mögliche Faktoren wirtschaftliche Interessen, Profitorientierung, fehlende Interessenvertretung armer Bevölkerungsgruppen, mangelnde Kenntnis eigener Rechte und Korruption. Dadurch lässt sich die wichtige Erkenntnis gewinnen, dass die bloße Formulierung eines Menschenrechts noch nicht dessen tatsächliche Verwirklichung garantiert. Methodisch kann hierzu eine Fallanalyse durchgeführt werden, bei der die Lernenden Betroffene, Staat, Unternehmen und Organisationen identifizieren, ihre jeweiligen Interessen untersuchen und mögliche Lösungen entwickeln. Das Titelbild auf Seite 1 mit demonstrierenden buddhistischen Mönchen und der Forderung gegen Vertreibung kann zusätzlich als Bildimpuls genutzt werden. Es eröffnet Fragen nach Protest, Religionsgemeinschaften, gesellschaftlichem Engagement und dem Recht auf Wohnraum. Für die abschließende Urteilsbildung eignen sich die im Material zusammengestellten Aussagen zu Menschenwürde und Menschenrechten. Die Lernenden können sich zu diesen Aussagen positionieren, ihre Entscheidung begründen und anschließend einen eigenen Leitsatz formulieren. Als Transfer bietet sich die Frage an, wo Menschenrechte im unmittelbaren Lebensumfeld der Lernenden Bedeutung besitzen. Schule, Familie, digitale Kommunikation, Religionsfreiheit, Diskriminierung, Gleichberechtigung und soziale Teilhabe können dabei einbezogen werden. Auf diese Weise ermöglicht das Medium einen Religionsunterricht, der Perspektivwechsel, Empathie, Sachwissen, biblische Orientierung, ethische Urteilsbildung und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbindet.
Eine Hausaufgabe bereitet das Rollenspiel vor: "Gleiches Recht für Alle?" Dazu werden die zwölf im Material vorgefertigten Rollenkarten verteilt. Die Rollenkarten thematisieren einzelne Menschenrechte und deren alltägliche Verletzung oder Einhaltung. Entlastet wird durch einen ausführlichen Arbeitsauftrag mit Beispielfragen wie: Haben in deinem Beispiel alle Menschen dieselben Rechte? Dieser erste Schritt kann auch als Gruppenarbeit erfolgen. Nach dem Entwickeln einer ihrer Rolle gemäßen Antwort auf die Frage wird diese begründet präsentiert. Dazu stellen sich die Lernenden in einer Linie auf. Der Reihe nach beantworten die Lernenden die Frage mit Ja oder Nein und begründen. Wer mit Ja begründet tritt einen Schritt vor. Nach der Übung wird das Ergebnis diskutiert. In einem nächsten Schritt wird in Gruppenarbeit eine Liste von Rechten für alle Menschen erstellt. Jedes Recht wird auf einem eigenen Zettel / einer Karte notiert, die während der Präsentation geordnet werden können. Der Begriff Menschenrechte wird als Thema aufgegriffen, wenn er fällt. Ein Lehrervortrag oder ein Video erklären die allgemeinen Menschenrechte. In einem nächsten Schritt wird die UN Menschenrechtscharta in zwei Versionen (4 oder 6 Seiten) erarbeitet. Diese Rechte werden als Hausaufgabe mit der eigenen Rollenkarte verglichen und Missstände werden aufgedeckt. In einem weiteren Schritt wird das Recht auf Wohnung mit der Realität anhand eines Beispiels verglichen. Gründe für die Missachtung von Rechten werden gesammelt. Ergebnisse wie Profitorientierung und Korruption liegen als Präsumtion vor. In einem letzten Schritt werden Lerngruppenabhängig drei Zitate aus einer Sammlung ausgewählt und diese diskutiert. Auch Bibelzitate stehen zur Auswahl. Als Alternative kann auch ein Zeitungsartikel zur Aussage "Gleiches Recht für alle" verfasst werden. Dies ist auch als Hausaufgabe möglich.