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Leibniz Institut | Georg Eckert Institut | Zwischentöne

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"Dann geziemt es euch, dass ihr fortan zierlich redet…"

Erziehung und Sprache im Kontext der jüdischen Aufklärung um 1800

Veröffentlichung:1.1.1970

Die Unterrichtssequenz „Dann geziemt es euch, dass ihr fortan zierlich redet…“ reflektiert in zwei Doppelstunden auf 29 Seiten mit neun Materialien die Lebensbedingungen jüdischer Gemeinden in Preußen anhand des Schulsystems. Dazu werden Aufbau und ein Stundenplan einer jüdischen Schule mit heutigen Schulen und Schulplänen verglichen. Die Bedeutung der Thora und des jüdischen Religionsunterrichts wird herausgestellt. Beide sind elementar für die Existenz jüdischer Gemeinden und Möglichkeiten ihrer Sicherstellung in der staatlichen Schule wird diskutiert. Der Download link für ein PDF ist oben und unten auf der Seite zu finden.

Das Medium „Dann geziemt es euch, dass ihr fortan zierlich redet… Erziehung und Sprache im Kontext der jüdischen Aufklärung um 1800“ ist ein Unterrichtsmodul für die Sekundarstufe I, das für die siebte und achte Klasse konzipiert ist und einen Umfang von vier Unterrichtsstunden vorsieht. Inhaltlich beschäftigt sich das Medium mit der Haskala, der jüdischen Aufklärung, und fragt danach, welche Bedeutung Bildung und Sprache für die gesellschaftliche Teilhabe jüdischer Menschen am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts besaßen. Im Mittelpunkt stehen die Reform der jüdischen Erziehung, die zunehmende Bedeutung säkularer Bildung und der deutschen Sprache sowie die Erwartungen des aufgeklärten Staates an die jüdische Bevölkerung. Dabei werden unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Staatliche Vertreter verbanden größere Rechte für jüdische Menschen mit Erwartungen an sprachliche, kulturelle und gesellschaftliche Anpassung. Jüdische Aufklärer wie Moses Mendelssohn und Naphtali Herz Wessely entwickelten ihrerseits Vorstellungen einer erneuerten jüdischen Bildung, die religiöse Tradition mit weltlichen Fächern, deutscher Sprache und den Bildungsidealen der Aufklärung verbinden sollte. Das Medium arbeitet mit historischen Texten, Bildern und Arbeitsblättern. Dazu gehören Quellen zur staatlichen Bildungspolitik, Texte von Wessely und Mendelssohn, eine Seite aus Mendelssohns Pentateuchübersetzung, ein zeitgenössisches Porträt Mendelssohns, das Gemälde eines traditionellen Cheder sowie ein historischer Stundenplan des Frankfurter Philanthropins. Auf diese Weise werden Fragen nach Religion, Bildung, Sprache, Emanzipation, Integration und gesellschaftlicher Anerkennung miteinander verbunden.

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Für den Religionsunterricht bietet das Medium zahlreiche Möglichkeiten, die Haskala nicht allein als historische Epoche, sondern als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen jüdischer Identität, religiöser Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe zu behandeln. Didaktisch besonders ergiebig ist die Leitfrage, welche Bedeutung Sprache und Bildung für die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft besitzen. Das Material selbst stellt diesen Zusammenhang in den Mittelpunkt und verbindet den historischen Gegenstand ausdrücklich mit der Gegenwart. Zugleich werden die Veränderungen innerhalb des Judentums und das Verhältnis zwischen jüdischer Bevölkerung und staatlichen Institutionen problemorientiert betrachtet. Für den Religionsunterricht empfiehlt sich ein Einstieg über die Lebenswelt der Lernenden. Ausgehend von der Frage, warum Schule verpflichtend ist und ob Bildung ein Recht oder eine Pflicht darstellt, können eigene Erfahrungen gesammelt werden. Das Medium schlägt hierzu die Kinderrechtskonvention und das darin formulierte Recht auf Bildung vor. Anschließend kann der historische Perspektivwechsel erfolgen. Lernende untersuchen, welche Erwartungen der Staat im 18. Jahrhundert an die Bildung jüdischer Menschen stellte und in welchem Verhältnis diese Erwartungen zur Forderung nach rechtlicher Gleichstellung standen. Besonders wichtig ist dabei, die damaligen Aussagen nicht unkritisch zu übernehmen. Die Lernenden sollten erkennen, dass staatliche Bildungsangebote einerseits neue Möglichkeiten eröffneten, andererseits aber mit Vorstellungen von Anpassung und mit problematischen Bewertungen jüdischer Sprache und Lebensweise verbunden waren. Eine Gegenüberstellung staatlicher Quellen mit Texten jüdischer Aufklärer eignet sich deshalb besonders für multiperspektivisches Lernen. Naphtali Herz Wessely begründet etwa das Erlernen der deutschen Sprache und weltlicher Fächer nicht nur mit gesellschaftlichem Nutzen, sondern stellt zugleich Verbindungen zwischen Geschichte, Geographie, Naturwissenschaften und dem Verständnis der Tora her. Für den Religionsunterricht eröffnet dies die Frage, ob religiöse und weltliche Bildung Gegensätze darstellen müssen oder sich gegenseitig ergänzen können. In einer Partnerarbeit können Lernende Argumente Wesselys sammeln und den Bereichen Religion, Gesellschaft, persönliche Bildung und berufliche Zukunft zuordnen. Anschließend können sie diskutieren, welche dieser Argumente auch heute noch für Bildung angeführt werden könnten. Ein weiterer Schwerpunkt sollte auf Moses Mendelssohn liegen. Seine Übersetzung des Pentateuch ins Deutsche bietet die Möglichkeit, das Verhältnis von Sprache, religiöser Tradition und gesellschaftlicher Öffnung zu untersuchen. Die im Medium abgebildete Seite zeigt den hebräischen Originaltext, traditionelle Kommentare, den neuen Kommentar und eine deutsche Übersetzung in hebräischen Buchstaben. Lernende können die Seite zunächst ohne ausführliche Erklärung betrachten, Beobachtungen sammeln und Vermutungen zur Verwendung verschiedener Sprachen und Schriften formulieren. Anschließend kann erschlossen werden, welche Ziele Mendelssohn mit seinem Übersetzungsprojekt verband. Dabei sollte auch die innerjüdische Kontroverse berücksichtigt werden. Führende Rabbiner befürchteten, dass die neue Bedeutung der Bibel und der deutschen Sprache die Stellung des traditionellen Talmudstudiums verändern könnte. Dadurch lässt sich exemplarisch zeigen, dass Religionen keine unveränderlichen Gebilde sind, sondern von inneren Diskussionen über Tradition, Reform und gesellschaftlichen Wandel geprägt werden. Methodisch eignet sich hierzu eine strukturierte Gegenüberstellung verschiedener Positionen mit anschließender Diskussion. Besonders anschaulich ist außerdem die Bildquelle zum Cheder auf Seite 26. Das Gemälde zeigt eine traditionelle jüdische Elementarschule und lädt dazu ein, Lernformen, räumliche Gestaltung, Rolle des Lehrers und Tätigkeiten der Lernenden genau zu beobachten. Die Bildanalyse sollte zunächst beschreibend erfolgen, bevor Interpretationen vorgenommen werden. Danach kann die Darstellung mit dem historischen Stundenplan des Frankfurter Philanthropins verglichen werden. Dieser enthält neben religiösen Inhalten unter anderem Deutsch, Rechnen, Naturgeschichte, Geographie, Musik und Zeichnen und verdeutlicht damit die Erweiterung des Bildungskanons. Ein Vergleich mit dem eigenen Stundenplan schafft einen unmittelbaren Lebensweltbezug. Lernende können anschließend überlegen, welche Vorstellungen von guter Bildung hinter den unterschiedlichen Unterrichtsformen stehen. Für eine abschließende Vertiefung eignet sich eine Diskussion darüber, welche Aufgaben religiöse Bildung heute erfüllen sollte. Denkbar sind Fragen wie: Welche Rolle spielen religiöse Traditionen in einer modernen Gesellschaft? Wie können religiöse Identität und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbunden werden? Welche Bedeutung besitzt Sprache für Zugehörigkeit und Anerkennung? Wann bedeutet Integration Teilhabe und wann entsteht daraus ein problematischer Anpassungsdruck? Auf diese Weise fördert das Medium neben historischem und religionskundlichem Wissen insbesondere Wahrnehmungskompetenz, Analysekompetenz, Perspektivwechsel, Dialogfähigkeit und ethische Urteilskompetenz. Es ermöglicht Lernenden, die Haskala als innerjüdischen Reformprozess wahrzunehmen und zugleich über bis heute relevante Fragen nach Bildung, Religion, Identität, Sprache, Vielfalt und gesellschaftlicher Teilhabe nachzudenken.


Der Einstieg gelingt über einen Auszug aus der Kinderrechtskonvention zum Recht auf Bildung. Im 18. Jh. gab es diese Grundvoraussetzung noch nicht. Die Schulpflicht war gerade erst im Entstehen. Vor- und Nachteile der Schulpflicht werden erarbeitet, an der Tafel in einer Tabelle gesammelt und diskutiert. Im nächsten Schritt wird anhand des Beispiels Moses Mendelssohn die Aufklärung im Judentum untersucht. Eine Sprechblase wird mit seiner Meinung zur Verwendung der deutschen Sprache ausgefüllt. Dabei wird die Bedeutung der Alltagssprache jiddisch und des Hebräischen als Sprache der Thora erkannt. Die Sprachen aufzugeben und Deutsch zu nutzen, würde das jüdische Erbe der Gemeinden antasten. Jüdische Kultur basiert auch auf der Sprache.

In einem weiteren Schritt wird der Unterricht in einer jüdischen Schule des 18. Jh. mit dem aktuellen Unterricht verglichen. Dazu wird ein Bild analysiert, auf dem in einem keinen Schulraum ohne Tische und Bänke viele Kinder untätig herumsitzen. Nur einer nach dem anderen wird vom Lehrer im Lesen geprüft. Mit der Einführung der Schulpflicht hinterfragt eine Quelle, inwiefern der deutsche Staat ein Recht hat, jüdische Schulen aufzulösen und die Kinder in eine staatliche Schule zu überführen. Vorteile und Nachteile werden diskutiert. Dazu ein Zeitungsartikel erstellt. In einem weiteren Schritt wird ein Stundenplan der Schule des 18. Jh. untersucht und mit heutigen Plänen verglichen. Dabei zeigt sich die Bedeutung der Thora und der Religion im Allgemeinen im Lehrplan. Eine Liste mit den dort nicht vorkommenden heutigen Unterrichtsfächern wird erstellt. Jedes Fach und dessen Bedeutung wird diskutiert. Es findet eine Abstimmung zur Aufnahme jedes Faches statt. So entsteht ein eigener Stundenplan. Das System der historischen Schule und das heute Bildungsideal werden dekonstruiert und hinterfragt.



Material:

M1 „Recht auf Bildung“

M2„Die Rolle des Staates“

M3 „Reformen im Bildungswesen“

M4 „Pentateuch-Übersetzung“

M5 „Jiddische Sprache“

M6 „Moses Mendelsshohn“

M7 „Cheder“

M8 „Die Erziehung jüdischer Kinder“

M9 Arbeitsblatt 5 „Stundenplan“

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 8

8G.4a Auseinandersetzung in der Kirche. Von der Reformation zur Ökumene.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 8

8.3 Konfessionen wahrnehmen und verstehen: Reformation und Ökumene.

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