RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Der Rest ist Geschichte | Deutschlandfunk

Der Rest ist Geschichte | Deutschlandfunk

Religiöse Herrschaft – Was Islamisten meinen, wenn sie ein Kalifat fordern

Veröffentlichung:25.9.2025

Das Audio „Religiöse Herrschaft – Was Islamisten meinen, wenn sie ein Kalifat fordern“ aus der Sendereihe Der Rest ist Geschichte des Deutschlandfunks erläutert die historische Entwicklung des Kalifats und setzt diese in Beziehung zu aktuellen politischen Forderungen islamistischer Gruppen. Es erklärt, dass das Kalifat ursprünglich die Nachfolge des Propheten Mohammed in der Führung der muslimischen Gemeinschaft bezeichnete. Das Audio zeichnet die Entwicklung von den ersten vier Kalifen über die großen islamischen Herrscherdynastien bis zur Abschaffung des osmanischen Kalifats im Jahr 1924 nach. Zugleich wird deutlich gemacht, dass die heutigen Forderungen extremistischer Gruppen nach einem Kalifat nicht mit der historischen Vielfalt islamischer Herrschaftsformen gleichgesetzt werden können. Das Medium zeigt, dass islamistische Organisationen Geschichte bewusst vereinfachen und für ihre politischen Ziele instrumentalisieren. Dadurch trägt das Audio zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit dem Begriff Kalifat und mit dem Verhältnis von Religion und politischer Herrschaft bei.

Die Episode thematisiert die Forderung islamistischer Gruppen nach einem „Kalifat“. Der sogenannte „Islamische Staat“, der sich zum Messeranschlag von Solingen bekannt hat, propagiert die Errichtung eines islamischen Gottesstaates. Dabei unterscheidet sich das, was heutige Islamisten unter einem Kalifat verstehen, fundamental von den historischen Kalifaten, die im Laufe der islamischen Geschichte existierten. Die Sendung arbeitet heraus, dass die Idee des Kalifats ursprünglich eng mit politischer Organisation, kultureller Blüte und rechtlicher Vielfalt verbunden war. Islamistische Bewegungen dagegen nutzen den Begriff als ideologisches Schlagwort, um Machtansprüche religiös zu legitimieren.

Products

Das Audio eignet sich für den Religionsunterricht der Sekundarstufe I und II in den Themenfeldern Islam, Religion und Politik, Geschichte der Religionen, Fundamentalismus, Extremismus sowie Frieden und Verantwortung. Es unterstützt die Lernenden dabei, zwischen historischen Entwicklungen, religiösen Traditionen und politischen Ideologien zu unterscheiden. Gleichzeitig werden Vorurteile gegenüber dem Islam abgebaut, indem deutlich wird, dass islamistische Vorstellungen eines Kalifats nicht mit der Geschichte oder mit dem Glauben der Mehrheit der Musliminnen und Muslime gleichgesetzt werden können.

Als Einstieg eignet sich die Frage, welche Vorstellungen die Lernenden mit dem Begriff Kalifat verbinden. Die Antworten können auf einer Tafel oder einer digitalen Pinnwand gesammelt und anschließend mit den Informationen des Audios verglichen werden. Dadurch werden vorhandene Vorstellungen sichtbar und können im Verlauf der Unterrichtseinheit überprüft und erweitert werden.

Während des Hörens können die Lernenden wichtige historische Stationen des Kalifats in einer Zeitleiste festhalten. Ebenso bietet sich ein Arbeitsblatt an, auf dem zwischen historischen Fakten und politischen Forderungen extremistischer Gruppen unterschieden wird. Dadurch wird die Fähigkeit gefördert, Informationen kritisch einzuordnen und historische Entwicklungen sachgerecht zu bewerten.

Im Anschluss kann arbeitsteilig untersucht werden, welche Aufgaben die ersten Kalifen hatten, wie sich ihre Rolle im Laufe der Geschichte veränderte und weshalb es kein einheitliches Modell eines Kalifats gab. Eine weitere Lerngruppe kann herausarbeiten, wie islamistische Organisationen historische Begriffe für ihre Ideologie nutzen. Die Ergebnisse werden anschließend präsentiert und gemeinsam diskutiert.

Eine vertiefende Unterrichtsphase kann sich mit dem Verhältnis von Religion und politischer Macht in verschiedenen Religionen beschäftigen. Dabei vergleichen die Lernenden beispielsweise das Kalifat mit historischen Formen christlicher Herrschaft oder mit modernen demokratischen Staatsformen. Auf diese Weise werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar und die Urteilskompetenz gestärkt.

Das Audio bietet außerdem zahlreiche Anknüpfungspunkte für die politische Bildung. Die Lernenden reflektieren die Bedeutung von Religionsfreiheit, Demokratie und Menschenrechten und erkennen, weshalb eine historisch fundierte Auseinandersetzung mit religiösen Begriffen wichtig ist, um extremistischen Vereinfachungen entgegenzutreten. Das Medium fördert historisches Lernen, religiöse Kompetenz, Medienkompetenz, Perspektivwechsel sowie die Fähigkeit zur kritischen Analyse gesellschaftlicher Debatten.

Das Thema bietet eine wichtige Gelegenheit, um zwischen historischer Realität und politisch-religiöser Ideologie zu unterscheiden. Im Unterricht können Schülerinnen und Schüler zunächst die historischen Kalifate (Umayyaden, Abbasiden, Osmanisches Kalifat) recherchieren und deren politische, kulturelle und religiöse Bedeutung darstellen. Anschließend wird der Vergleich zu den Vorstellungen des IS oder anderer islamistischer Bewegungen gezogen. Methodisch bietet sich eine Arbeit mit Begriffskarten oder einer Zeitachse an, um Unterschiede sichtbar zu machen. In einer Diskussion können die Lernenden reflektieren, warum radikale Gruppen historische Begriffe umdeuten und welche Gefahren diese Instrumentalisierung birgt. Ethisch kann die Frage gestellt werden, wie Religion zur Legitimation von Herrschaft missbraucht werden kann und welche Konsequenzen dies für das Zusammenleben unterschiedlicher Religionen und Kulturen hat.


Fragestellungen zum Audio mit Antworten


1. Was bedeutet der Begriff Kalifat?

Das Kalifat bezeichnet ursprünglich die Nachfolge des Propheten Mohammed in der Leitung der muslimischen Gemeinschaft und entwickelte sich zu einer Form religiöser und politischer Herrschaft.


2. Wer waren die ersten Kalifen?

Die ersten vier Kalifen waren enge Weggefährten Mohammeds und übernahmen nach seinem Tod die Führung der muslimischen Gemeinschaft. Sie gelten in vielen islamischen Traditionen als besonders bedeutend.


3. Warum veränderte sich das Kalifat im Laufe der Geschichte?

Mit der Entstehung großer Herrscherdynastien wandelte sich das Kalifat von einer gemeinschaftlichen Führung zu einer dynastischen Herrschaft. Religiöse und politische Aufgaben wurden zunehmend voneinander getrennt.


4. Warum wurde das osmanische Kalifat abgeschafft?

Im Jahr 1924 wurde das Kalifat im Zuge der Modernisierung und Säkularisierung der Türkei aufgehoben. Damit endete die letzte allgemein anerkannte Kalifatsinstitution.


5. Warum berufen sich islamistische Gruppen auf das Kalifat?

Sie verwenden den historischen Begriff, um ihre politischen Ziele religiös zu begründen. Das Audio macht jedoch deutlich, dass ihre Vorstellungen die historische Wirklichkeit stark vereinfachen und verzerren.


6. Welche Rolle spielt Geschichte für das Verständnis aktueller Debatten?

Die historische Einordnung zeigt, dass es nie nur eine einzige Form des Kalifats gab. Dadurch lassen sich aktuelle politische Forderungen kritisch hinterfragen.


7. Welche Kompetenzen erwerben Lernende durch die Arbeit mit dem Audio?

Sie erweitern ihr Wissen über die Geschichte des Islam, unterscheiden zwischen Religion und politischer Ideologie, analysieren historische Quellen kritisch und entwickeln eine reflektierte Urteilsfähigkeit.


8. Warum ist eine differenzierte Betrachtung des Themas wichtig?

Sie verhindert pauschale Urteile über den Islam, stärkt das Verständnis für historische Zusammenhänge und hilft dabei, extremistische Deutungen von religiösen Traditionen kritisch zu bewerten.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.5 Gefährliche Religion?.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 5. Der Mensch und seine Religiosität.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.