Der Artikel beschreibt eine Unterrichtseinheit für den Anfangsunterricht der Grundschule, in der Lernende über ihre eigenen Gottesvorstellungen nachdenken und diese anschließend behutsam weiterentwickeln. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Kinder früh nach Gott fragen, obwohl Gott nicht sichtbar oder naturwissenschaftlich beweisbar ist. Gerade diese Spannung zwischen Unsichtbarkeit und Vertrauen mache Gott zu einem geheimnisvollen Gegenstand des Denkens. Deshalb solle die Gottesfrage nicht als einmal lösbares Problem, sondern als lebensbegleitende Frage verstanden werden. Damit Kinder darüber sprechen können, brauche es eine Sprache, die mehr als Fakten ausdrückt und mit Bildern arbeitet. Es gehe nicht um ein Verbot von Bildern im Sinne eines Abbildes Gottes, sondern um Ausdrucksformen, die sagen können, wie Gott ist.
Als biblisches Angebot wird das Gleichnis vom verlorenen Schaf gewählt. Jesus erzählt es seinen Kritikern, um zu zeigen, wie man sich Gott vorstellen kann, nämlich wie einen guten Hirten, der schützt, sucht und sich kümmert. Damit wird vermittelt, dass jeder einzelne Mensch für Gott wichtig ist. Didaktisch wird zunächst an die Vorerfahrungen der Lernenden angeknüpft. Sie reflektieren ihre eigenen Gottesbilder in Gespräch und Gestaltungsaufgaben. Ein Arbeitsblatt gibt Raum, Gott zu malen und eventuell Worte zu ergänzen. Dabei wird die persönliche Ebene betont, weil das gezeichnete Kind stellvertretend für die Lernenden steht und eine Verbindung zu Gott symbolisiert.
Im weiteren Verlauf wird erklärt, dass viele Kinder Gott als ein Wesen denken, das irgendwo wohnen müsse, weil in ihrem Denken alles einen festen Ort hat. Der Unterricht soll hier nicht vorschnell korrigieren, sondern die Perspektive der Kinder ernst nehmen und sie von der Frage wo Gott ist hin zur Frage führen wie wir uns Gott vorstellen können. Erwachsene sollen eigene Vorbehalte gegenüber unterschiedlichen Gottesbildern zurückstellen, weil Kinder ihre Vorstellungen oft entwickeln, bevor sie biblische Traditionen kennen. Ziel ist daher nicht, kindliche Bilder zu ersetzen, sondern Bilder aus der biblisch christlichen Tradition anzubieten, damit Kinder darauf zurückgreifen und ihre Vorstellungen weiterentwickeln können.
Für die Erzählung des Gleichnisses werden visuelle Elemente eingesetzt, zum Beispiel biblische Erzählfiguren oder Egli Figuren sowie ein Bodenbild mit Hirte und Schafen. Durch das Sehen neben dem Hören bekommen die Figuren Gestalt und die Lernenden können sich besser einfühlen. Die Lehrererzählung wird zunächst beim Verlorengehen des Schafes unterbrochen. Ein Bild zeigt die schwierige Lage des Schafes. Die Lernenden beschreiben spontan die Situation und versetzen sich in das Gefühl des Verlorenseins. In einem sensiblen Gespräch wird gemeinsam überlegt, was man in so einer Lage tun könnte und was trösten kann. Beten ist nicht Schwerpunkt, kann aber aus Beiträgen der Lernenden aufgegriffen werden. Danach wird das Ende erzählt, das Schaf wird gefunden und getragen. Mit der Frage, warum Jesus diese Geschichte erzählt hat, wird die Verbindung zum Anfang hergestellt. Die Lernenden sollen erkennen, dass Gott wie der gute Hirte gedacht werden kann.
In einer Arbeitsphase übertragen die Lernenden die Hirtenvorstellung auf ihr eigenes Leben. Sie gestalten Situationen, in denen sie sich verloren fühlen könnten und in denen Begleitung, Schutz oder Trost wichtig sind. Weil diese Übertragung schwer sein kann, werden mögliche Situationen vorab gesammelt. Zur Vertiefung kann eine Fantasiereise durchgeführt werden, in der die Lernenden die Geschichte als Schaf miterleben, Angst und Einsamkeit spüren und die Erfahrung des Gefundenwerdens erleben. In der Reflexion werden die Ergebnisse zusammengetragen, um sichtbar zu machen, dass es viele Lebenslagen gibt, in denen Lernende verstehen können, wie Gott ist. Am Ende steht ein Zuspruch, dass Gott wie der gute Hirte jeden einzelnen liebt, begleitet und auch die Verlorenen nicht vergisst.