Für den Religionsunterricht bietet das Medium vielfältige Möglichkeiten, die sachliche Auseinandersetzung mit der Bundeswehr um friedensethische, anthropologische und verantwortungsethische Fragestellungen zu erweitern. Besonders geeignet ist der vorgeschlagene Einstieg über Vorwissen und persönliche Einstellungen. Die Lernenden erstellen zunächst eine Mindmap und positionieren sich mithilfe von Skalierungsfragen zu kontroversen Aussagen. Im Religionsunterricht können diese Fragen gezielt um friedensethische Positionen ergänzt werden. Denkbar sind Aussagen wie „Frieden kann niemals mit militärischer Gewalt geschaffen werden“, „Ein Staat hat die moralische Pflicht, bedrohte Menschen auch mit militärischen Mitteln zu schützen“ oder „Christlicher Glaube und der Dienst als Soldat sind miteinander vereinbar“. Die Lernenden positionieren sich zunächst individuell und begründen anschließend ihre Entscheidung. Wichtig ist dabei, unterschiedliche religiöse, ethische und persönliche Überzeugungen als Ausgangspunkt der Auseinandersetzung ernst zu nehmen. Der Film kann danach zur sachlichen Klärung der Aufgaben der Bundeswehr eingesetzt werden. Das zugehörige Arbeitsblatt 2 fordert dazu auf, Aufgaben und Funktionen der Bundeswehr im Inland zu benennen, Beispiele für Katastrophenhilfe zu untersuchen und ein konkretes Ereignis zu recherchieren. Religionspädagogisch lässt sich dieser Bereich mit den Begriffen Hilfe, Solidarität, Verantwortung und Dienst am Mitmenschen verbinden. Die Lernenden können fragen, welche Verantwortung staatliche Institutionen gegenüber Menschen in Not besitzen und inwiefern Katastrophenhilfe Ausdruck gesellschaftlicher Solidarität ist.
Eine stärkere ethische Vertiefung ermöglicht die Beschäftigung mit Auslandseinsätzen. Das Medium sieht ausdrücklich vor, Argumente für und gegen militärische Friedenssicherung zu untersuchen und Gewalt sowie gewaltloses Handeln als Mittel der Konfliktregelung und Friedensbildung zu bewerten. Die Ergebnisse werden in einer Talkshow mit unterschiedlichen Rollen diskutiert. Dieses Format lässt sich für den Religionsunterricht zu einer friedensethischen Kontroverse ausbauen. Einzelne Gruppen können beispielsweise eine konsequent pazifistische Position, eine Position verantwortungsethisch begründeter militärischer Friedenssicherung, die Perspektive von Menschen in einem Kriegsgebiet oder die Perspektive von Angehörigen der Bundeswehr vertreten. Ergänzend können biblische Texte zur Gewaltlosigkeit, Feindesliebe und Friedensstiftung sowie Positionen christlicher Friedensethik eingebracht werden. Entscheidend ist dabei, die biblischen Aussagen nicht vorschnell als unmittelbare politische Handlungsanweisungen zu verwenden. Vielmehr sollten die Lernenden untersuchen, welche ethischen Orientierungen sich daraus ergeben und welche Spannungen zwischen dem Anspruch auf Gewaltlosigkeit und der Verantwortung zum Schutz bedrohter Menschen entstehen. Eine geeignete Leitfrage lautet: Darf Gewalt eingesetzt werden, um Menschen vor Gewalt zu schützen? Daraus kann eine strukturierte Dilemmadiskussion entwickelt werden. Ein fiktiver oder historisch aufgearbeiteter Konflikt kann die Lernenden vor die Entscheidung stellen, ob militärisches Eingreifen moralisch vertretbar ist, wenn diplomatische Bemühungen und Sanktionen erfolglos bleiben. Die Lernenden entwickeln Kriterien für ihr Urteil, etwa Schutz menschlichen Lebens, Menschenwürde, Verhältnismäßigkeit, Erfolgsaussichten, Schutz der Zivilbevölkerung, friedliche Alternativen und mögliche Folgen militärischer Gewalt. Auf diese Weise wird vermieden, dass die Diskussion bei einem einfachen Für oder Gegen zur Bundeswehr stehen bleibt. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen persönlicher Gewalt, staatlicher Gewalt, Verteidigung, militärischer Intervention und Friedenssicherung.
Die im Medium vorgesehene Talkshow kann anschließend als Anwendung der erarbeiteten Kriterien dienen. Auch die abschließende Auseinandersetzung mit Wehrdienst und Wehrpflicht besitzt für den Religionsunterricht großes Potenzial. Das vierte Arbeitsblatt lässt die Lernenden Argumente für und gegen einen Wehrdienst erarbeiten und anschließend im Plenum diskutieren. Religionspädagogisch sollte diese Debatte um die persönliche Gewissensentscheidung erweitert werden. Die Lernenden können fragen, welche Verpflichtungen ein Mensch gegenüber sich selbst, gegenüber anderen Menschen und gegenüber dem Staat besitzt. Dabei können Gewissensfreiheit, Verantwortung, Gemeinwohl, persönliche Freiheit und die Bereitschaft zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung miteinander in Beziehung gesetzt werden. Auch die Frage nach einer möglichen Verweigerung des Dienstes mit der Waffe kann als Gewissensfrage thematisiert werden. Methodisch bietet sich eine Positionslinie an, die zu Beginn und am Ende der Unterrichtseinheit durchgeführt wird. Dadurch wird sichtbar, ob und weshalb sich Einstellungen verändert oder differenziert haben. Als abschließende Sicherung können die Lernenden ein persönliches friedensethisches Urteil formulieren. Dabei sollten sie nicht lediglich ihre Meinung wiedergeben, sondern ihre Position anhand zuvor entwickelter Kriterien begründen. Eine mögliche Abschlussfrage lautet: „Welche Verantwortung habe ich für Frieden und wie weit darf diese Verantwortung gehen?“ Auf diese Weise verbindet das Medium politische Sachbildung mit zentralen Themen des Religionsunterrichts und ermöglicht eine kontroverse Auseinandersetzung mit Frieden, Gewalt, Gewissen, Verantwortung, Menschenwürde und dem Schutz menschlichen Lebens.
Das Unterrichtsmaterial der Plattform Planet Schule (ARD/SWR) bietet einen vollständig ausgearbeiteten Unterrichtsentwurf für die Klassen 8 bis 10 zum Thema „Was macht die Bundeswehr?" Eingebettet in den Schwerpunkt „Demokratie: Wie funktioniert unsere Gesellschaft?", verbindet die auf 2 bis 3 Unterrichtsstunden angelegte Einheit sachliche Information über die Aufgaben der Bundeswehr mit ethisch-politischer Reflexion über Wehrpflicht, Friedenssicherung und den Einsatz militärischer Mittel. Das Material ist explizit für das Fach Religion/Ethik ausgewiesen und damit direkt für den Religionsunterricht nutzbar.
Der Unterrichtsentwurf gliedert sich in vier Phasen: In der Einstiegsphase aktivieren die Schülerinnen und Schüler ihr Vorwissen mithilfe einer MindMap und positionieren sich über Skalierungsfragen zu kontroversen Aussagen im Think-Pair-Share-Verfahren – ein motivierender Zugang auch für heterogene Lerngruppen. In der ersten Erarbeitungsphase analysieren die Lernenden anhand eines Erklärfilms die Aufgaben der Bundeswehr im Inland, insbesondere in der Katastrophenhilfe, und erschließen sich aktuelle Realbeispiele durch eigene Recherche. In der zweiten Erarbeitungsphase wechselt der Blick ins Ausland: Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten Pro- und Kontra-Argumente zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr und bewerten verschiedene Formen der Konfliktbeilegung – von friedlicher Streitbeilegung über Sanktionen bis zum militärischen Eingreifen. Die Ergebnisse werden in einer Talkshow mit festen Rollen umgesetzt, die Perspektivwechsel, Argumentationsfähigkeit und demokratische Diskurskultur fördert.
Die abschließende Reflexionsphase greift das ethisch brisanteste Thema auf: Anhand von Arbeitsblatt 4 („Freiwillige Wehr‚pflicht'?") erarbeiten die Lernenden Argumente pro und contra Wehrdienst, nehmen Stellung zum verpflichtenden Fragebogen für Schülerinnen und Schüler und führen eine Plenumsdebatte. Die Anführungszeichen im Titel sind didaktisch bewusst gesetzt: Ist „freiwillige Pflicht" nicht ein Widerspruch in sich? – Eine Frage, die unmittelbar an ethische Grundbegriffe anschließt und für den Religionsunterricht besonders fruchtbar ist.
Das Material deckt zentrale Lehrplanbereiche ab: Internationale Beziehungen, Friedenssicherung und Durchsetzung von Menschenrechten – allesamt Themen mit starkem Bezug zu Inhalten des Religionsunterrichts wie Gewalt und Gewaltlosigkeit, gerechter Friede und Solidarität. Alle vier Arbeitsblätter sowie ein tabellarischer Unterrichtsverlauf stehen auf Planet Schule frei als DOCX und PDF zum Download bereit.