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Die Paradieserzählung als Adoleszenzmythos der Menschheit

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel ist im Heft ru heute 01 2019 unter dem Titel „“ erschienen und umfasst die Seiten 5 bis 7, also drei Seiten. Der Beitrag von Konrad Schmid deutet die Paradieserzählung in Genesis 2 bis 3 als Adoleszenzmythos der Menschheit. Er arbeitet heraus, dass es im biblischen Text nicht um einen klassischen Sündenfall im Sinne eines moralischen Absturzes geht, sondern um den Erwerb der Erkenntnis von Gut und Böse und damit um das Erwachsenwerden des Menschen.

Der Artikel behandelt zentrale theologische Probleme wie die Frage nach der Sterblichkeit des Menschen, die Bedeutung von Freiheit und Erkenntnis, das Verhältnis von Gott und Mensch, die Entstehung von Verantwortlichkeit sowie die Frage, ob und inwiefern der sogenannte Sündenfall tatsächlich als Ursprung der Sünde verstanden werden kann.

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Der Artikel setzt sich mit der Paradieserzählung in Genesis 2 bis 3 auseinander und unterscheidet deutlich zwischen dem biblischen Text selbst und seiner späteren Wirkungsgeschichte. Viele vertraute Vorstellungen wie Paradies, Adam als Eigenname, Apfel oder Sündenfall finden sich so im hebräischen Text nicht oder erst in späteren Traditionen. Bereits diese Beobachtung zeigt, dass bei der Auslegung sorgfältig zwischen ursprünglicher Aussage und späterer Deutung unterschieden werden muss.

Die Erzählung beginnt mit der Pflanzung des Gartens Eden und der Erschaffung des Menschen aus Staub. Damit wird von Anfang an deutlich gemacht, dass der Mensch sterblich geschaffen ist. Die Sterblichkeit erscheint nicht als Strafe für eine spätere Schuld, sondern als Teil der ursprünglichen Schöpfungsordnung. Auch die Androhung in Genesis 2,17 ist als Rechtssatz zu verstehen, der die Todesstrafe formuliert, nicht als Einführung der Sterblichkeit. Problematisch ist im Text nicht der Tod selbst, sondern die Möglichkeit, durch den Baum des Lebens Unsterblichkeit zu erlangen.

Im Zentrum des Gartens stehen zwei Bäume, der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Die Erkenntnis von Gut und Böse wird nicht sexuell gedeutet, sondern als Fähigkeit verstanden, zwischen lebensförderlich und lebensabträglich zu unterscheiden. Diese Fähigkeit kennzeichnet das erwachsene Menschsein. Kinder verfügen noch nicht darüber, alte Menschen nicht mehr in vollem Maß. Als die ersten Menschen diese Erkenntnis erlangen, werden sie im übertragenen Sinn erwachsen. Deshalb kann die Paradieserzählung als Adoleszenzmythos der Menschheit verstanden werden.

Das ursprüngliche Gebot verbietet lediglich den Genuss vom Baum der Erkenntnis. Der Baum des Lebens bleibt zunächst zugänglich. Doch durch die vorsichtige Verschärfung des Gebotes durch die Frau wird faktisch auch dieser Baum gemieden. Die Möglichkeit der Unsterblichkeit erweist sich so als nicht realisierte Option. Der Mensch verliert also nicht eine ursprüngliche Unsterblichkeit, sondern verpasst die Chance, sie zu erlangen.

Die Übertretung des Gebotes geschieht nicht aus hybrider Auflehnung gegen Gott, sondern aus dem Wunsch nach Klugheit und Einsicht. Die Frau will klug werden, nicht Gott verdrängen. Der Text spricht nicht von Sünde im späteren theologischen Sinn. Erst in der Kainerzählung wird der Begriff Sünde ausdrücklich genannt. Mit dem sogenannten Sündenfall kommt daher nicht die Sünde selbst in die Welt, sondern die Voraussetzung dazu, nämlich die Fähigkeit zur Unterscheidung von Gut und Böse und damit die Verantwortlichkeit des Menschen.

Nach dem Erwerb dieser Erkenntnis wird festgestellt, dass der Mensch in dieser Hinsicht Gott gleich geworden ist. Damit entsteht jedoch die Gefahr, dass er auch noch vom Baum des Lebens isst und unsterblich wird. Um dies zu verhindern, wird der Mensch aus dem Garten vertrieben. Das Paradies steht für die Herkunft des Menschen, nicht für seine endgültige Bestimmung. Ein Rückweg ist nicht vorgesehen.

Die Erzählung beschreibt keinen Übergang von einem ausschließlich positiven Urzustand zu einem rein negativen Zustand, sondern von einer ambivalenten Situation in eine andere ambivalente Situation. Vorher lebte der Mensch in Gottesnähe, jedoch ohne moralische Erkenntnis. Danach lebt er in Gottesferne, besitzt aber die Fähigkeit zu Fortpflanzung, Kultur, Arbeit und eigenständiger Lebensgestaltung. Die Paradieserzählung erklärt so den unauflöslichen Zusammenhang zwischen menschlicher Freiheit, Verantwortlichkeit und einer gewissen Distanz zu Gott.

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