Im nächsten Schritt werden grundlegende Gerechtigkeitsmodelle skizziert: Zum einen eine distributive Gerechtigkeit, bei der es um Verteilungsgerechtigkeit in Gesellschaften geht (z. B. Verteilung von Chancen, Ressourcen, Teilhabe). Zum anderen eine prozedurale Gerechtigkeit, bei der das Augenmerk darauf liegt, dass Verfahren fair sind, Regeln eingehalten werden und Institutionen transparent handeln. Im christlich-religiösen Zusammenhang wird zudem die Perspektive der Verantwortung gegenüber dem Mitmenschen thematisiert, also wie Gerechtigkeit als Handlungsauftrag verstanden werden kann – etwa in Form von Nächstenliebe, Solidarität und einer inklusiven Gemeinschaft.
Es folgt eine kritische Reflexion: Es wird gefragt, inwieweit bestehende soziale Strukturen gerecht sind, welche Machtverhältnisse und Interessen Gerechtigkeit behindern können und wie individuelle sowie kollektive Verantwortung aussehen könnte. Dabei wird auch auf die Spannung zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit eingegangen, dass z. B. Gleichheit nicht automatisch Gerechtigkeit bedeutet, wenn unterschiedliche Ausgangsbedingungen unberücksichtigt bleiben. Ein weiterer Aspekt ist die globale Dimension: Gerechtigkeit wird nicht nur in nationalen Kontexten diskutiert, sondern auch im Hinblick auf internationale Verflechtungen, Umweltgerechtigkeit und Generationengerechtigkeit.
Abschließend bietet das Video Ansatzpunkte für den Unterricht: Lernende sollen angeregt werden, eigene Positionen zu entwickeln und kritisch zu hinterfragen, sowohl bezogen auf schulische Alltagssituationen (z. B. „Wer bekommt welche Aufgabe?“) als auch auf gesellschaftlich relevante Fragen (z. B. „Wer hat Zugriff auf Ressourcen?“, „Wer ist ausgeschlossen?“). Das Ziel ist, dass Gerechtigkeit nicht nur als abstrakter Begriff wahrgenommen wird, sondern als ethisch-relevantes und praktisches Thema mit Bezug zur Lebenswelt der Lernenden.
Für den Unterricht empfiehlt sich, das Video als Einstieg zu nutzen, um anschließend in Kleingruppen konkrete Fallbeispiele zu bearbeiten (z. B. schulische Verteilung von Rollen, globale Ressourcenverteilung). Ideal wäre eine Diskussion, in der die Lernenden eigene Erfahrungen einbringen, und eine Aufgabe, in der sie Handlungsoptionen für mehr Gerechtigkeit entwerfen.