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Eulenfisch

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Du sollst dir kein Gottesbildnis machen...

Veröffentlichung:1.1.2012

Der Fachartikel ist im Heft ru-heute unter dem Titel „Du sollst dir kein Gottesbildnis machen…“ erschienen und umfasst ca. 9 Seiten (S. 7–15).

Der Beitrag behandelt zentrale theologische Probleme des Bilderverbots, der Gottesdarstellung und der Medien der Offenbarung im biblischen Monotheismus. Dabei wird gezeigt, wie sich die Vorstellung vom Ort der Gegenwart Gottes historisch verändert: vom Bilderverbot, über die Schrift als Medium der Offenbarung, bis hin zur Inkarnation in Jesus Christus. Der Artikel diskutiert außerdem die Spannung zwischen Bild, Schrift und menschlicher Darstellung Gottes sowie die Bedeutung religiöser Bilder in der christlichen Kunstgeschichte.

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Der Artikel untersucht die Entwicklung des biblischen Monotheismus anhand der Frage, wie Gott dargestellt oder vermittelt werden kann. Ausgangspunkt ist das biblische Bilderverbot im zweiten Gebot. Dieses Verbot ergibt sich aus der Vorstellung, dass Gott radikal anders ist als alles Geschaffene. Weil Gott nicht Teil der Welt ist, kann er auch nicht als Gegenstand innerhalb der Welt dargestellt werden. Deshalb darf es von ihm kein Bild geben.

Die Kritik an Kultbildern ist ein zentraler Schritt der biblischen Religion. Die Erzählung vom Goldenen Kalb zeigt beispielhaft, dass von Menschen hergestellte Götterbilder nur Projektionen menschlicher Wünsche sind. Biblische Texte kritisieren diese Praxis scharf und entlarven sie als menschliche Selbsttäuschung. In dieser Kritik erkennt der Autor eine Art biblische Aufklärung. Sie macht deutlich, dass Gott nicht aus menschlichen Bedürfnissen entsteht und nicht hergestellt werden darf.

Der entscheidende Durchbruch des biblischen Monotheismus besteht darin, dass ein neues Medium für Gottes Gegenwart gefunden wird. Statt des Bildes tritt die Schrift. Durch Mose wird die Offenbarung Gottes in schriftlicher Form vermittelt. Schrift hat gegenüber Bildern den Vorteil, dass sie nicht mit dem gemeinten Inhalt verwechselt werden kann. Sie verweist immer auf etwas, das sie selbst nicht ist. Dadurch wird es möglich, Gott als Gegenüber zu denken, ohne ihn in ein Objekt zu verwandeln.

In der Offenbarung des Gottesnamens JHWH zeigt sich eine besondere Form dieser Gottesvorstellung. Der Name deutet gleichzeitig Anwesenheit und Entzug Gottes an. Gott ist da, aber er bleibt unverfügbar. Dieses Prinzip der Vorenthaltung prägt auch die heilige Schrift. Israel entwickelt deshalb eine religiöse Praxis, die stark auf das Lesen und Auslegen der Schrift ausgerichtet ist.

Im Neuen Testament kommt es zu einem weiteren entscheidenden Wandel. Jesus zeigt die Grenzen der Schrift als einzigem Medium der Offenbarung auf. Obwohl er die Autorität der Schrift anerkennt, betont er, dass der wirkliche Wille Gottes nicht immer unmittelbar aus dem geschriebenen Gesetz hervorgeht. In der Begegnung mit Menschen und in seinem Handeln wird ein neuer Zugang zu Gott sichtbar.

Der Johannesprolog formuliert diesen Wandel besonders deutlich mit dem Satz, dass das Wort Fleisch geworden ist. Damit wird der Mensch selbst zum möglichen Ort der Gegenwart Gottes. In Jesus Christus wird Gottes Wort nicht nur gesprochen oder geschrieben, sondern im Leben eines Menschen sichtbar. Diese Vorstellung prägt das christliche Verständnis von Inkarnation.

Die christliche Tradition entwickelt daraus weitere Formen der Gottesgegenwart. In der Gemeinde und besonders in den Sakramenten wird Christus als gegenwärtig verstanden. Das Sakrament wird dabei als besondere Zeichenform beschrieben, in der Zeichen und Bedeutung zusammenfallen.

Der Artikel behandelt außerdem die Rolle religiöser Bilder in der christlichen Kunstgeschichte. Dabei wird zwischen erzählenden Bildern und gegenwärtig machenden Bildern unterschieden. Während erzählende Darstellungen biblische Geschichten illustrieren, beanspruchen präsentierende Bilder eine Form von Gegenwart der dargestellten Person.

Besonders die Ikonen der Ostkirche versuchen, die Andersheit des Göttlichen sichtbar zu machen. Sie vermeiden illusionistische Darstellung und arbeiten bewusst mit stilistischen Verfremdungen. Diese Bildsprache soll zeigen, dass das Heilige nicht einfach Teil der sichtbaren Welt ist.

In der Renaissance und im Barock verändert sich diese Bildauffassung erneut. Künstler greifen stärker auf naturalistische Darstellung zurück, versuchen jedoch weiterhin die Andersheit des Göttlichen darzustellen. Dadurch entstehen neue Formen religiöser Kunst, die mit Perspektive, Bewegung und dramatischen Szenen arbeiten.

Abschließend beschreibt der Artikel die Geschichte des Monotheismus als Abfolge von Medienwechseln. Zuerst ersetzt die Schrift das Kultbild als Medium der Gottesbegegnung. Danach wird im Christentum der Mensch selbst zum Ort der Offenbarung Gottes. Diese Entwicklungen zeigen, wie sich religiöse Vorstellungen immer wieder an neue Formen der Darstellung und Kommunikation anpassen.

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