Der Artikel entfaltet einen protestantischen Kommentar zu Eckhard Nordhofens Bildtheologie und fragt, ob Schrift, Bild und Verkörperung tatsächlich als Medien Gottes verstanden werden können. Gleich zu Beginn widerspricht der Verfasser einer pauschalen Bildpolemik. Dass Bilder von Menschen gemacht sind, bedeute noch nicht, dass sie mit Götzen identisch seien oder dass Menschen Bilder automatisch für Gott hielten. Deshalb kritisiert der Autor jede einfache Gleichsetzung von Bild und Götze. Er wendet sich auch gegen die reformatorische Unterstellung, Katholiken würden Bilder anbeten, weil sie Bild und Gott verwechselten. Für ihn ist eine Theologie, die das Bild ausblendet, selbst verkürzt, weil Theologie immer auch eine Frage der Medien ist.
Im nächsten Schritt prüft der Artikel die verbreitete Annahme, die Schrift sei das bessere oder sogar allein angemessene Medium Gottes. Diese Vorstellung wird deutlich relativiert. Auch die Schrift ist nach Auffassung des Verfassers ein menschliches Artefakt. Sie wird gedacht, erzählt, geschrieben, gedruckt und gelesen. Darum ist auch sie nicht einfach mit göttlicher Gegenwart identisch. Die oft behauptete Nichtverwechselbarkeit von Schrift und ihrem Referenten ist für den Autor kein gesicherter Tatbestand, sondern nur eine kritische Regel, die immer wieder verteidigt werden muss. Auch Schrift kann fehlgedeutet und sakral überladen werden. Sie kann verehrt, geküsst, getragen oder kultisch ausgestellt werden und dadurch selbst Züge eines Kultbildes annehmen. Darum kritisiert der Verfasser die Vorstellung einer reinen Buchreligion. Das Christentum sei keine Buchreligion, sondern eine Wortreligion. Gottes Gegenwart ereigne sich nicht schon in Text, Buch oder Schrift an sich, sondern in ihrem Gebrauch in Zeugnis, Verheißung, Sakrament und Verkündigung.
Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die Frage nach dem Bild Christi. Der Verfasser greift Nordhofens christologische Grundfrage auf, ob ein Bild Christi dem Anspruch gerecht werden könne, nicht nur auf die menschliche, sondern auch auf die göttliche Wirklichkeit Christi zu verweisen. Er betont, dass Bilder zwar stark aufgeladen werden können, etwa Ikonen, Reliquien oder nicht von Menschen gemachte Bilder, dass ihnen aber niemals eine göttliche Natur im christologischen Sinn zukommt. Sonst würden sie an die Stelle Christi treten. Das aber widerspräche dem reformatorischen Grundsatz, dass Christus allein der eigentliche Ort des Heils ist. Der Autor warnt daher vor jeder Übersteigerung, die Bilder zu Wundern macht oder ihre menschliche Entstehung ausblendet.
Zugleich weist der Artikel darauf hin, dass die Frage nach Gegenwart nicht nur für Bilder, sondern auch für Sprache gilt. Am Beispiel der Gleichnisse Jesu zeigt der Verfasser, dass Worte mehr sein können als bloße Mitteilungen. In ihnen kann das Reich Gottes zur Sprache und damit in eine besondere Form von Gegenwart kommen. Wenn Sprachereignisse eine solche Kraft besitzen, dann könne man Bildern diese Möglichkeit nicht einfach grundsätzlich absprechen. Der Grenzfall sind für ihn Bilder mit Präsenzanspruch. Gerade an ihnen zeigt sich, dass Bilder eine eigene Materialität, Dauer und Ereignishaftigkeit besitzen und deshalb immer auch eine besondere Präsenz entfalten. Wie diese Präsenz zu bestimmen ist, bleibt jedoch offen und abhängig von Deutung, Gebrauch und Glauben.
Besonders ausführlich widmet sich der Artikel der Hostie. Der Verfasser nennt sie das zentrale Kultbild des Christentums, jedenfalls in katholischer und teilweise auch in lutherischer Tradition. Die Hostie ist kein abbildendes Bild, sondern ein visuelles Artefakt, das gerade durch seine Unähnlichkeit auffällt. In ihr verdichtet sich die Frage nach Realpräsenz in besonderer Weise. Der Autor zeigt, dass auch Protestanten hier vor schwierigen Fragen stehen. Wer auf die Hostie blickt, sieht einerseits Brot, zugleich aber verbindet sich damit der Glaube an Gemeinschaft, Festmahl und Gegenwart Christi. Dadurch wird deutlich, dass religiöse Erfahrung nie rein visuell bleibt, sondern auf leibliche Teilhabe, Berührung und gemeinsames Handeln zielt.
Am Ende führt der Artikel die Argumentation in eine praktische und ekklesiologische Richtung. Die Feier des Abendmahls findet ihre Erfüllung nicht in der Betrachtung eines heiligen Gegenstandes, sondern darin, dass Glaubende selbst zum Bild Christi werden. Mit Luther betont der Verfasser, dass Christinnen und Christen einander Christus werden sollen. Das heißt, die eigentliche Darstellung Christi vollzieht sich im gelebten Glauben, in Gemeinschaft, Nächstenliebe und Handeln. Darum darf Heilsgegenwart nicht auf die Eucharistie allein begrenzt werden. Sie kann auch in anderen Formen gemeinschaftlicher und glaubender Kommunikation erfahrbar werden. Insgesamt plädiert der Artikel für eine differenzierte protestantische Medientheorie, in der weder Bild noch Schrift absolut gesetzt werden, sondern beide kritisch auf ihre Fähigkeit befragt werden, Gottes Gegenwart zu bezeugen, ohne sie zu vereinnahmen.