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Eulenfisch

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Werke der Barmherzigkeit im Jüngsten Gericht

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel „Werke der Barmherzigkeit im Jüngsten Gericht – Entdeckungen auf einer Weltgerichtstafel der vatikanischen Pinakothek“ von Günter Lange ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa 4 Seiten (S. 81–84). Der Beitrag untersucht eine mittelalterliche Weltgerichtstafel aus der vatikanischen Pinakothek und interpretiert ihre Bildinhalte im Zusammenhang mit Mt 25,31–46, der Gerichtsrede Jesu über die Werke der Barmherzigkeit. Der Artikel behandelt theologische Fragen nach dem Kriterium des Endgerichts, der Bedeutung der Barmherzigkeit im christlichen Glauben sowie nach dem Verhältnis von Kunst, sozialer Verantwortung und kirchlicher Verkündigung.

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Der Artikel stellt eine große mittelalterliche Weltgerichtstafel aus der vatikanischen Pinakothek vor, die vermutlich aus dem 11. oder 12. Jahrhundert stammt und ursprünglich aus einem römischen Frauenkloster kommt. Das monumentale Tafelbild hat eine ungewöhnliche runde Form, die in mehrere horizontale Bildstreifen gegliedert ist. Die Darstellung entfaltet in mehreren Ebenen das christliche Verständnis des Weltgerichts und orientiert sich inhaltlich vor allem an der Gerichtsrede Jesu im Matthäusevangelium, in der die Trennung der Menschen nach ihren Werken der Barmherzigkeit beschrieben wird.

Im oberen Bereich der Darstellung erscheint Christus als Weltenrichter. Er wird als Pantokrator innerhalb einer Mandorla gezeigt und hält Kreuz und Weltkugel. Engel und Cherubim umgeben ihn und verweisen auf seine göttliche Herrschaft. Im darunterliegenden Register erscheint Christus erneut, diesmal in priesterlicher Gestalt hinter einem Altar. Diese Darstellung verbindet das Motiv des Gerichts mit der Liturgie der Kirche und deutet Christus zugleich als Opferpriester und als auferstandenen Herrn. Die Apostel stehen neben ihm und bilden gewissermaßen das Richterkollegium.

Das nächste Register zeigt mehrere Szenen, die mit Fürbitte und Barmherzigkeit verbunden sind. Die Jungfrau Maria und der Märtyrer Stephanus treten als Fürsprecher für Menschen auf. In diesem Zusammenhang erscheinen auch Szenen der Werke der Barmherzigkeit. Menschen helfen Bedürftigen, geben einem Kranken zu trinken und zu essen, besuchen Gefangene und bekleiden einen Nackten. Die Helfenden werden als Vertreter sowohl der kirchlichen Amtsträger als auch der gewöhnlichen Gläubigen dargestellt. Auffällig ist, dass sie Heiligenscheine tragen, während die Bedürftigen keinen Nimbus besitzen, obwohl Christus sich im Evangelium mit ihnen identifiziert. Damit betont das Bild die überraschende Begegnung mit Christus im leidenden Mitmenschen.

Ein weiteres Register zeigt die Auferstehung der Toten. Tiere und Fische geben die Körper der Verstorbenen frei, während Engel mit Posaunen die Menschen aus ihren Gräbern rufen. Personifikationen von Erde und Meer symbolisieren die universale Dimension des Gerichts. Diese Szene verdeutlicht, dass alle Menschen zum Gericht Gottes erscheinen müssen.

Im unteren Bereich wird das endgültige Schicksal der Menschen dargestellt. Links befindet sich das Paradies, in dem Maria betend zwischen Gruppen der Geretteten steht. Rechts hingegen treiben Engel die Verdammten in die Hölle. Einige der Verurteilten werden durch Inschriften als Mörder, Meineidige oder Ehebrecher bezeichnet. Auffällig ist auch die Darstellung kleiner Gruppen von Frauen, die wegen unpassenden Verhaltens im Gottesdienst verurteilt werden. Dies spiegelt möglicherweise moralische Vorstellungen der Zeit und die Perspektive der klösterlichen Stifterinnen des Bildes wider.

Der Autor lenkt besonderes Augenmerk auf die Darstellung der Werke der Barmherzigkeit. Obwohl sie im Matthäusevangelium das entscheidende Kriterium des Endgerichts darstellen, kommen sie in vielen Weltgerichtsdarstellungen kaum vor. Auf dieser Tafel werden sie jedoch ausdrücklich gezeigt. Die Szenen spielen in einer städtischen Umgebung und zeigen konkrete Hilfeleistungen an Bedürftigen. Dadurch wird den Betrachtern verdeutlicht, dass das Gericht Gottes nicht nur abstrakte moralische Normen betrifft, sondern konkrete Handlungen der Nächstenliebe.

Der Artikel stellt auch kritische Fragen. Einerseits wird gefragt, warum das Thema der Barmherzigkeit in dieser Darstellung so betont wird und welche gesellschaftlichen Situationen dazu geführt haben könnten. Andererseits wird das Verhältnis zwischen aufwendiger religiöser Kunst und der Aufforderung Jesu zur Hilfe für Arme reflektiert. Frühchristliche Stimmen kritisierten gelegentlich kostbare Bilder in Kirchen und sahen darin eine mögliche Vernachlässigung der Armen.

Trotz solcher Einwände setzte sich im Mittelalter die Überzeugung durch, dass Bilder eine wichtige Rolle in der religiösen Verkündigung spielen können. Sie veranschaulichen die Botschaft der Bibel und führen den Betrachtern das göttliche Gericht und die Bedeutung der Barmherzigkeit eindrücklich vor Augen. Am Ende verweist der Autor auf Beispiele aus der religiösen Kultur Russlands, in denen Bettler ihre Bitte um Almosen ausdrücklich mit dem Namen Christi verbanden. Dadurch wird die enge Verbindung zwischen Christus und den Bedürftigen betont und die zentrale Aussage des Evangeliums unterstrichen.

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