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TheoWebHans-Martin Rieger

TheoWeb,

Hans-Martin Rieger

Religion, Körper und Gesundheit

Veröffentlichung:1.5.2026

Warum macht uns die Jagd nach Gesundheit kränker? Der Beitrag entwirrt das Paradoxon der modernen „Gesundheitsgesellschaft" und entdeckt in der paulinischen Theologie eine befreiende Alternative: Gesundheit als Fähigkeit, mit Krankheit zu leben.

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Die moderne Gesellschaft steht vor einem Paradoxon: Während Gesundheit zum höchsten Gut erklärt wird und medizinische Fortschritte beispiellose Kontrolle über Krankheit versprechen, wächst gleichzeitig ein diffuses Unbehagen. Der vorliegende Beitrag untersucht die Herausforderungen dieser „Gesundheitsgesellschaft" nicht mit oberflächlicher Kulturkritik, sondern durch eine differenzierte kulturhermeneutische und ethische Rekonstruktion. Der Autor identifiziert zunächst die historischen Wurzeln: eine kulturelle Verschiebung von der Akzeptanz von Schicksal hin zur Erwartung von Machbarkeit prägt unser Verhältnis zu Gesundheit grundlegend. Medizinische Erfolge haben diesen Erwartungshorizont genährt, schaffen aber zugleich einen psychologischen Machzwang – was möglich ist, wird zur moralischen Forderung. Die paradoxe Konsequenz: Je intensiver Menschen dieses Ideal verfolgen, desto weniger fühlen sie sich tatsächlich gesund. Doch der Artikel verwehrt sich einer pauschalen Verdammung. Stattdessen werden die legitimitierten Gründe für den Wandel herausgearbeitet: Das Krankheitsspektrum hat sich fundamental verschoben. Chronische Erkrankungen erfordern tatsächlich Prävention und Gesundheitsförderung, nicht nur medizinische Intervention. Dies macht Fragen von Selbstverantwortung und Lebensstil unvermeidlich. Der eigentliche Innovationspunkt liegt in der biblischen und paulinischen Relecture: Der Beitrag gewinnt aus der theologischen Tradition eine Alternative zum bloß funktionalistischen Gesundheitsverständnis. Sein Ansatz einer Duplizität von Funktionsfähigkeit und Umgangsfähigkeit eröffnet eine radikale Neuperspektivierung: Gesundheit bedeutet auch die Fähigkeit, mit Krankheit zu leben. Damit wird Gesundheit nicht als Zustand absolutiert, sondern als Kompetenz im Umgang mit menschlicher Endlichkeit verstanden. Die Frage nach Gesundheitsbildung wird so zur Frage von Selbstbildung – sie wird existenziell und nicht bloß funktional.

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