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Eulenfisch

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Tiermetaphern biblischer Menschen

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Tiermetaphern biblischer Menschen“ enthalten. Der vorliegende Auszug umfasst etwa S. 82 bis 85, also vier Seiten. Der Beitrag zeigt am Beispiel von Marc Chagalls Fenstern für die Synagoge des Hadassah Krankenhauses in Jerusalem, wie biblische Personen und die zwölf Stämme Israels mithilfe von Tierbildern dargestellt werden können. Theologisch behandelt der Artikel vor allem die Fragen nach dem Bilderverbot im Judentum, nach der symbolischen Darstellung biblischer Menschen, nach Segen und Verheißung, nach der Sakralität des Synagogenraums sowie nach dem Verhältnis von Kunst, Offenbarung und Gottesbezug.

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Der Artikel stellt Marc Chagalls Fenster für die Synagoge des Hadassah Krankenhauses in Jerusalem vor und deutet sie als bedeutendes Beispiel moderner sakraler Kunst. Zunächst wird Chagall als jüdischer Künstler vorgestellt, der bereits durch seine biblischen Bildzyklen und seine farbintensive Malweise bekannt war. In Frankreich kam er mit monumentaler Glasmalerei in Berührung und erhielt 1959 den Auftrag, zwölf große Fenster für die neu errichtete Synagoge in Jerusalem zu gestalten. Diese Fenster sollten sich auf die zwölf Stämme Israels beziehen und den sakralen Raum nicht nur schmücken, sondern geistlich prägen.

Der Artikel erklärt, dass die Funktion einer Synagoge eine andere ist als die einer christlichen Kathedrale. Die Synagoge ist ein Gebetsraum, in dem sich die Gemeinde zu den täglichen Gebetszeiten versammelt. Deshalb kommt dem Licht eine besondere Bedeutung zu. Chagall musste die Fenster so entwerfen, dass sie das wechselnde Tageslicht aufnehmen und den Rhythmus des Tages im Raum sichtbar machen. Zugleich sollte die Farbgebung symbolisch aufgeladen sein. Der Künstler griff dafür auf traditionelle Farben zurück, die in der biblischen Überlieferung mit Heiligkeit und Gottesdienst verbunden sind.

Inhaltlich entschied sich Chagall für die zwölf Stämme Israels, wie sie in den Segensworten Jakobs und in den Texten des Deuteronomiums erscheinen. Da im Judentum die Darstellung des menschlichen Antlitzes problematisch ist, wählte Chagall Tiermetaphern. Jeder Stamm wird durch ein Tier oder ein symbolisches Bildzeichen charakterisiert, das auf Eigenschaften, Aufgaben oder Verheißungen verweist. So erscheinen etwa Löwe, Esel, Schlange, Hirschkuh oder Vögel als Sinnbilder bestimmter Stämme. Neben diesen Tierdarstellungen finden sich kultische Gegenstände wie Davidstern, Gesetzestafeln, Leuchter oder Schofar. Dadurch verbinden die Fenster Naturbild, biblische Tradition und liturgische Symbolik.

Der Artikel betont, dass Chagalls Tiere nicht naturalistisch gemeint sind. Sie sind bewusst symbolisch gestaltet, damit ihre geistliche Bedeutung hervortritt. Die Fenster sind deshalb nicht bloß dekorativ, sondern Teil eines theologischen Gesamtkonzepts. Architektur, Licht, Farbe und Bildinhalt greifen ineinander und machen den Raum zu einem Ort spiritueller Erfahrung. Die Fenster trennen den Innenraum zwar von außen ab, lassen aber zugleich Licht herein und verweisen so sichtbar auf eine unsichtbare Wirklichkeit.

Besonders ausführlich widmet sich der Artikel dem Joseph Fenster, das als Höhepunkt des Zyklus beschrieben wird. Es befindet sich an zentraler Stelle und verweist auf die besondere Würde Josephs. Zunächst werden die einzelnen Bildbestandteile sachlich beschrieben. Zu sehen sind unter anderem ein starker Baum, Vögel, ein Bogen, Tiere, Früchte, Hügel und ein Schofar. Anschließend deutet der Artikel diese Elemente mithilfe des Segensspruchs aus Genesis 49. Der Baum steht für Wachstum, Fruchtbarkeit und Zukunft. Der gekrönte Vogel verweist auf Josephs Stärke und Schutzfunktion. Die Herden und Früchte sind Zeichen göttlichen Segens. Der Schofar markiert den heiligen Charakter des Geschehens und deutet es als von Gott eröffnete Verheißung. Insgesamt erscheint Joseph als von Gott gesegneter und für Israel bedeutsamer Stammvater. Das Fenster bringt damit den Glauben zum Ausdruck, dass Gott als verborgener Lenker in der Geschichte seines Volkes wirkt.

Ein weiterer Teil des Artikels beschreibt die aufwendige handwerkliche Entstehung solcher Fenster. Chagall fertigte zunächst Skizzen und Farbentwürfe an. Diese wurden vergrößert, auf Karton übertragen und in genaue Schnitt und Farbangaben übersetzt. Erst dann konnten die Glasstücke zugeschnitten und mit Bleiruten zusammengesetzt werden. Der Artikel hebt hervor, dass dabei eine enge Zusammenarbeit zwischen Künstler und Werkstatt notwendig war. Die handwerkliche Ausführung wird als eigene schöpferische Leistung gewürdigt. Besonders Charles Marq wird in diesem Zusammenhang genannt.

Zum Schluss zeigt der Artikel die Wirkungsgeschichte des Fensterzyklus. Noch vor dem Einbau in Jerusalem wurden die Fenster in Paris und New York ausgestellt und begeistert aufgenommen. Der Erfolg dieses Werkes führte dazu, dass Chagall weitere bedeutende Aufträge für Glasfenster in verschiedenen Ländern erhielt. Die Jerusalemer Synagogenfenster markierten also einen Wendepunkt in seinem künstlerischen Schaffen. Der Beitrag schließt mit der Würdigung Chagalls als eines Künstlers, der seine Arbeit als Berufung verstand. In seinen Fenstern wird die Bibel nicht nur illustriert, sondern in Farbe, Licht und Symbolik neu zur Anschauung gebracht. So macht der Artikel deutlich, dass Chagalls Kunst religiöse Überlieferung, jüdische Symbolsprache und moderne Ästhetik auf eindrucksvolle Weise verbindet.

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