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Eulenfisch

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Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel „Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet …“ von Rita Müller-Fieberg ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. 4 Seiten. Der Artikel behandelt die theologischen Probleme von Flucht, Migration, Fremdsein und dem Umgang mit Fremden in der Bibel. Er zeigt, dass Migration eine zentrale Erfahrung biblischer Geschichte ist und dass daraus ethische Impulse für den Umgang mit Geflüchteten heute entstehen können.

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Der Artikel beschreibt Flucht und Migration als wichtigen theologischen Deutungsraum der Bibel. Die Autorin betont, dass die Bibel kein Rezeptbuch für aktuelle politische Probleme ist. Dennoch können ihre Erzählungen und ethischen Weisungen Orientierung geben. Migration wird in der Theologie zunehmend als Zeichen der Zeit verstanden. Viele biblische Texte sind in Situationen von Exil, Vertreibung oder Diaspora entstanden. Deshalb erscheint der Mensch in der Bibel häufig als ein wandernder Mensch.

Schon die großen Rahmenmotive der Bibel zeigen diese Dynamik. In der Urgeschichte wird der Mensch aus dem Paradies vertrieben. Auch die Zerstreuung der Menschen beim Turmbau zu Babel gehört zu den grundlegenden Erfahrungen der Menschheit. Erst in der Vision der Offenbarung erscheint eine endgültige Heimat bei Gott. Zwischen diesen Polen bewegt sich die Geschichte der Menschheit als eine Geschichte von Aufbruch, Fremdsein und Suche nach Heimat.

Die Bibel enthält zahlreiche Geschichten von Menschen mit Migrationserfahrungen. Besonders die Erzelterngeschichten zeigen dies. Abraham verlässt seine Heimat und zieht aufgrund einer Hungersnot nach Ägypten. Dabei gefährdet er aus Angst seine Frau Sara. Auch Isaak erlebt eine ähnliche Situation. In der Geschichte von Hagar wird Flucht aus Unterdrückung geschildert. Sie flieht in die Wüste und erfährt dort Gottes Zuwendung. Jakob wiederum muss nach einem Betrug vor seinem Bruder fliehen und begegnet Gott auf seinem Weg. Auch die Familie Jakobs zieht wegen einer Hungersnot nach Ägypten und erlebt dort zunächst Gastfreundschaft.

Eine zentrale Erfahrung des Volkes Israel ist der Exodus. Die Israeliten werden in Ägypten unterdrückt und schließlich von Gott befreit. Während der langen Wüstenwanderung entsteht eine religiöse Ordnung für das Zusammenleben. Migration wird hier sowohl als Leidensgeschichte als auch als Ort der Gottesbegegnung verstanden.

Auch später prägen Migrationserfahrungen die Geschichte Israels. Besonders das Babylonische Exil führt zu einer tiefen theologischen Krise. Gleichzeitig entstehen in dieser Zeit neue Formen des Glaubens und wichtige Teile der biblischen Überlieferung werden verschriftlicht. Dadurch bildet sich das Judentum mit seinen religiösen Identitätsmerkmalen aus.

Das Buch Rut zeigt eine andere Perspektive. Hier wird Migration als Integrationsgeschichte erzählt. Rut, eine Moabiterin, begleitet ihre Schwiegermutter nach Israel. Obwohl sie zunächst fremd bleibt, wird sie schließlich Teil der Gemeinschaft und sogar eine Vorfahrin des Königs David und damit auch Jesu.

Auch im Neuen Testament spielt Fremdsein eine wichtige Rolle. Schon die Kindheitsgeschichte Jesu erzählt von der Flucht nach Ägypten. Jesus selbst lebt als Wanderprediger ohne festen Wohnort. Auch die frühen christlichen Gemeinden erleben Verfolgung und Zerstreuung. Die Ausbreitung des Christentums geschieht vor allem durch Migration und Mission. Viele Christinnen und Christen verstehen sich selbst als Fremde auf der Erde und sehen ihre endgültige Heimat bei Gott.

Aus diesen Erfahrungen entwickelt die Bibel ethische Perspektiven für den Umgang mit Fremden. Ein zentrales Motiv ist die Gastfreundschaft. Fremde aufzunehmen kann sogar eine Begegnung mit Gott ermöglichen. Außerdem wird immer wieder betont, dass Israel selbst die Erfahrung des Fremdseins gemacht hat. Deshalb soll das Volk Fremde nicht unterdrücken, sondern sie wie Einheimische behandeln und lieben.

Diese Haltung wird auch im Neuen Testament weitergeführt. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter wird der Fremde zum Nächsten. Im Gleichnis vom Weltgericht identifiziert sich Jesus selbst mit den Fremden und Bedürftigen.

Der Artikel kommt zu dem Ergebnis, dass Flucht und Migration grundlegende menschliche Erfahrungen sind. Die Bibel zeigt sowohl die Leiden als auch die Chancen solcher Situationen. Sie fordert dazu auf, Fremden mit Empathie zu begegnen und solidarisch zu handeln, weil jeder Mensch selbst in die Situation des Fremdseins geraten kann.

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Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 1. Grundzüge christlicher Moral im Kontext philosophischer Ethik.

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