Der Fachartikel beschreibt eine Unterrichtsreihe für die Sekundarstufe, in der sich Lernende mit der Heiligen Katharina Kasper auseinandersetzen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Heilige im Religionsunterricht oft als ferne und idealisierte Figuren erscheinen. Dadurch fällt es vielen Lernenden schwer, einen Bezug zu ihrem eigenen Leben herzustellen. Der Artikel greift daher die Idee auf, Heilige stärker als menschliche Persönlichkeiten zu betrachten, deren Entscheidungen und Handlungen zur ethischen Reflexion anregen können. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie gelebter christlicher Glaube konkret aussehen kann und welche Bedeutung Nächstenliebe und Verantwortung für andere Menschen haben.
Katharina Kasper wird als historisches Beispiel für ein solches Glaubenszeugnis vorgestellt. Sie wuchs im 19. Jahrhundert in einfachen Verhältnissen im Westerwald auf und erlebte früh Armut und soziale Not. Nach dem Tod ihres Vaters musste sie gemeinsam mit ihrer Mutter für den Lebensunterhalt sorgen. Die Not der Menschen in ihrer Umgebung prägte ihr Denken und Handeln. Aus ihrem christlichen Glauben heraus entwickelte sie den Wunsch, Kranken, Armen und Bedürftigen zu helfen. Gemeinsam mit einigen jungen Frauen gründete sie zunächst einen frommen Verein, aus dem später die Ordensgemeinschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi entstand. Die Gemeinschaft wuchs rasch und verbreitete sich bald auch international. Katharina Kasper leitete den Orden und verstand ihr Wirken als Antwort auf den Ruf Gottes.
Didaktisch beginnt die Unterrichtsreihe mit der Betrachtung eines Bildes von Katharina Kasper. Lernende beschreiben das Bild, formulieren Vermutungen über die dargestellte Person und sammeln Fragen. Anschließend erhalten sie einen Informationstext über Leben und Wirken der Ordensgründerin. Mithilfe eines Steckbriefes erarbeiten sie zentrale biografische Daten. Eine kooperative Lernform ist die sogenannte Caféhaus Methode. In wechselnden Gruppen tauschen sich die Lernenden über verschiedene Aspekte ihres Lebens aus, zum Beispiel über ihre Kindheit, die Ordensgründung, die Aufgaben der Gemeinschaft und deren internationale Verbreitung.
Ergänzend wird ein Film über Katharina Kasper eingesetzt, der wichtige Orte ihres Lebens sowie die Entstehung und Entwicklung des Ordens zeigt. Während des Films bearbeiten die Lernenden einen Fragebogen. Anschließend werden die Ergebnisse erneut in Gruppen diskutiert und gemeinsam ausgewertet.
Ein weiterer Unterrichtsabschnitt beschäftigt sich mit der Gründung der Ordensgemeinschaft. Die Lernenden setzen sich mit dem Begriff des Gelübdes auseinander und klären, warum Ordensmitglieder häufig einen neuen Namen erhalten. Sie untersuchen außerdem historische Quellen, etwa Briefe von kirchlichen Verantwortlichen, die über Katharina Kasper berichten. Dabei reflektieren sie die Lebensbedingungen im 19. Jahrhundert sowie die religiöse Motivation ihres Handelns. Die Lernenden diskutieren auch kritisch, wie ungewöhnlich ein Leben erscheinen kann, das vollständig in den Dienst Gottes gestellt wird.
Ein wichtiger theologischer Schwerpunkt der Reihe ist das Thema Wunder und Heiligsprechung. Anhand eines Videoclips lernen die Lernenden den Ablauf eines Seligsprechungs und Heiligsprechungsverfahrens kennen. Sie erfahren, dass für eine Heiligsprechung in der Regel Wunder notwendig sind und dass solche Ereignisse von medizinischen und theologischen Experten geprüft werden. Am Beispiel von Katharina Kasper werden zwei Heilungsberichte vorgestellt, die im Zusammenhang mit ihrer Selig und Heiligsprechung stehen. Die Lernenden analysieren diese Berichte und setzen sich kreativ mit ihnen auseinander, etwa durch Zeitungsberichte, Videoreportagen oder Comics.
Zum Abschluss richtet sich der Blick auf die Gegenwart. Die Lernenden überlegen, wie sie selbst im Alltag Spuren der Nächstenliebe setzen können. Dazu entwickeln sie kleine soziale Projekte, die sie in ihrem schulischen Umfeld umsetzen könnten. Damit wird deutlich, dass die Beschäftigung mit Heiligen nicht nur historische Informationen vermittelt, sondern auch zur eigenen ethischen Orientierung und zum sozialen Engagement anregen kann.