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Eulenfisch

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Unterwegs mit Gott

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel „Unterwegs mit Gott“ von Sandra Huebenthal ist im Heft ru heute enthalten und umfasst 8 Seiten, S. 16 bis 23. Der Beitrag zeigt, dass Aufbruch, Fremdheit und Unterwegssein zu den Grundmustern der biblischen Glaubensgeschichte gehören. Anhand von Abraham, Exodus, Exil und den frühen Jesusgemeinden wird deutlich, dass Gottesbegegnung Menschen aus vertrauten Ordnungen herausführt und neue Formen von Identität verlangt. Der Artikel behandelt dabei vor allem theologische Fragen nach Heimat und Fremdheit, nach religiöser Identität, nach Gottes Gegenwart unterwegs, nach Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft und nach dem Verhältnis von Ortsgebundenheit und geistlichem Aufbruch.

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Der Artikel entfaltet die These, dass biblischer Glaube wesentlich mit Aufbruch, Bewegung und Verunsicherung vertrauter Grenzen verbunden ist. Als Ausgangspunkt dient der sogenannte Antiochenische Zwischenfall zwischen Petrus und Paulus. In Antiochia prallen unterschiedliche Vorstellungen darüber aufeinander, wer zur Gemeinschaft der Jesusnachfolger gehört und wie mit kulturellen und religiösen Unterschieden umzugehen ist. Damit wird sichtbar, dass die frühe Kirche ihre Identität nicht in einer starren Abgrenzung findet, sondern in der Auseinandersetzung mit Fremdheit, Vielfalt und neuen sozialen Situationen.

Von dort blickt der Artikel auf die Glaubensgeschichte Israels zurück. Schon Abraham wird von Gott aus seiner vertrauten Herkunft herausgerufen. Auch die Erzeltern leben nicht in gesicherter Sesshaftigkeit, sondern in einer Geschichte des Unterwegsseins. Mit Mose und dem Exodus verdichtet sich diese Erfahrung. Gott offenbart sich als der, der da ist, und begleitet sein Volk auf dem Weg. Dadurch wird deutlich, dass Gott nicht an einen festen Ort gebunden ist, sondern mit seinem Volk mitgeht. Selbst die Tempeltheologie wird durch Exil und Rückkehr neu geprägt. Als Jerusalem zerstört und das Volk nach Babylon verschleppt wird, bleibt Gott nicht zurück, sondern begleitet sein Volk in der Fremde. So wird Heimat im biblischen Denken nicht mehr nur räumlich verstanden, sondern als Beziehung zu dem Gott, der auch in der Fremde gegenwärtig ist.

Der Artikel zeigt weiter, dass Fremdheit und Integration zentrale Motive der biblischen Überlieferung sind. Dies wird etwa an der Gestalt Rut und an der Genealogie Jesu deutlich. Fremde gehören zur Geschichte Gottes mit seinem Volk. Ebenso erinnert das heilsgeschichtliche Credo in Deuteronomium daran, dass Israel selbst eine Geschichte der Fremdheit und Befreiung hat. Daraus folgt eine ethische Konsequenz: Wer die eigene Fremdheit erinnert, muss auch den Fremden mit Offenheit begegnen.

Diese Linie wird auf die frühe Jesusbewegung übertragen. Die ersten Gemeinden leben in einem Spannungsfeld von jüdischer Herkunft und heidnischem Umfeld. Daraus entstehen Konflikte über Zugehörigkeit, Mahlgemeinschaft und religiöse Praxis. Paulus wird als besonders wichtiger Grenzgänger beschrieben, der die Botschaft in neue kulturelle Räume übersetzt. Er und andere Gestalten wie Priska, Aquila, Andronikus und Junia stehen für eine Kirche, die sich durch Bewegung, Vernetzung und kulturellen Austausch ausbreitet. Dabei wird deutlich, dass die Botschaft von Jesus Christus immer neu in unterschiedlichen Kontexten Gestalt gewinnen muss.

Zugleich betont der Artikel, dass christliche Existenz nicht nur aus äußerer Bewegung besteht. Auch Menschen, die an einem Ort bleiben, sind zu innerem Aufbruch gerufen. Deshalb dürfen ortsstabile Gemeinden und wandernde Missionare nicht gegeneinander ausgespielt werden. Beide gehören zusammen und ergänzen einander. Die Gemeinden vor Ort geben Halt, Gastfreundschaft und Kontinuität. Die missionarisch Unterwegsseienden bringen Bewegung, Öffnung und neue Impulse. So entsteht eine doppelte Gestalt christlicher Existenz zwischen Heimat und Heimatlosigkeit, Bleiben und Aufbrechen.

Im Neuen Testament wird diese Dynamik auch sprachlich aufgenommen. Der Weg ist ein zentrales Bild für Nachfolge. Jesus selbst wird als Weg verstanden. Die Glaubenden sind unterwegs zu Gott und haben auf Erden keine bleibende Stadt. Darin liegt kein bloßer Verlust, sondern eine neue Form von Orientierung. Christliche Identität ist nicht starr, sondern offen, beweglich und zugleich verlässlich. Die Begegnung mit Gott und Jesus führt aus der Komfortzone heraus und verlangt die Bereitschaft, sich verändern zu lassen.

Am Ende weitet der Artikel diese Einsichten auf die Gegenwart aus. Christliches Leben bewegt sich auch heute zwischen Unterwegssein und Beheimatung. Besonders die katholische Tradition wird als universal verstanden, weil sie über lokale Grenzen hinausreicht. Gottesdienst und Ritual können deshalb auch in fremden Ländern Heimat stiften. So zeigt der Beitrag insgesamt, dass Heimat im Christentum nicht einfach Besitz eines Ortes ist, sondern im Mitgehen mit Gott entsteht. Christliche Existenz lebt aus der Spannung von Geborgenheit und Fremdheit, von Stabilität und Aufbruch.

Hessen

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7.2 Vom Umgang mit Freiheit: Gebot und Gewissen.

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