Der Autor beschreibt die Kirche San Bartolomeo auf der Tiberinsel in Rom als einen besonderen Ort des Gedenkens an die Märtyrer des 20. und 21. Jahrhunderts. Für ihn gehört ein Besuch dieser Kirche zu jedem Aufenthalt in Rom, weil sie an zahlreiche Christen erinnert, die in der jüngeren Geschichte wegen ihres Glaubens getötet wurden. Vielen Christen seien vor allem die Märtyrer der frühen Kirche bekannt, während die große Zahl der Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts weniger im Bewusstsein sei. Erst im Zusammenhang mit dem Heiligen Jahr 2000 wurde deutlicher, wie viele Menschen in der modernen Zeit ihr Leben für den christlichen Glauben verloren haben.
Papst Johannes Paul II ließ vor dem Jubiläumsjahr weltweit Zeugnisse über diese Märtyrer sammeln. Eine vatikanische Kommission sichtete tausende Berichte über Christen, die in unterschiedlichen politischen Systemen verfolgt wurden. Diese Zeugnisse bildeten die Grundlage für ein ökumenisches Gedenken im Kolosseum im Jahr 2000. Zwei Jahre später wurde in der Kirche San Bartolomeo eine große Ikone aufgestellt, die den Märtyrern des 20. Jahrhunderts gewidmet ist.
Die Ikone steht über dem Grab des Apostels Bartholomäus und prägt den gesamten Kirchenraum. Im oberen Teil wird Christus im Himmel dargestellt, umgeben von Engeln und einer großen Schar von Märtyrern. Diese Darstellung greift ein Bild aus der Offenbarung des Johannes auf, in dem Menschen aus allen Völkern vor dem Thron Gottes stehen. Der untere Teil der Ikone zeigt Szenen aus der Geschichte moderner Christenverfolgung. Konzentrationslager des Nationalsozialismus, sowjetische Gulags und andere Orte der Unterdrückung werden dargestellt. Die Bilder erinnern daran, dass Christen verschiedener Konfessionen gemeinsam gelitten haben.
Die Darstellung greift immer wieder Motive aus der Passion Jesu auf. Wie Jesus vor Gericht gestellt und misshandelt wurde, so wurden auch viele Christen verhört, gedemütigt und getötet. Beispiele sind der evangelische Pastor Paul Schneider oder der Theologe Dietrich Bonhoeffer. Auch die Ermordung von Erzbischof Oscar Romero während einer Messe wird gezeigt. Die Ikone macht deutlich, dass Martyrium nicht nur ein Ereignis der frühen Kirche ist, sondern bis in die Gegenwart hinein geschieht.
Ein weiterer Teil der Kirche besteht aus Seitenaltären, die Märtyrern verschiedener Regionen der Welt gewidmet sind. Dort finden sich Gegenstände, die mit konkreten Personen verbunden sind. Diese Objekte erinnern an Christen aus Afrika, Europa, Asien, Amerika sowie an Opfer nationalsozialistischer und kommunistischer Regime.
Der Artikel beschreibt mehrere Beispiele solcher Glaubenszeugen. Der Kongolese Floribert Bwana Chui wurde ermordet, weil er sich aus christlicher Überzeugung gegen Korruption stellte. Ein Brief erinnert an die Mönche von Tibhirine in Algerien, die trotz ihres Dialogs mit Muslimen entführt und getötet wurden. Das Stundenbuch des französischen Priesters Jacques Hamel steht für sein Leben im Gebet und für seinen Tod während einer Messe im Jahr 2016.
Auch andere Gegenstände stehen für mutige Christen. Die Stola von Giuseppe Puglisi erinnert an seinen Einsatz gegen die Mafia. Kelch und Patene von Andrea Santoro verweisen auf sein Wirken als Missionar im interreligiösen Dialog in der Türkei. Eine Bibel erinnert an den pakistanischen Politiker Clement Shahbaz Bhatti, der sich für religiöse Minderheiten einsetzte und deshalb ermordet wurde. Weitere Erinnerungsstücke stehen für Persönlichkeiten wie den russischen Priester Aleksander Men oder den polnischen Franziskaner Maximilian Kolbe.
Durch diese Beispiele wird deutlich, dass christliches Martyrium viele Formen annehmen kann. Manche Menschen wurden wegen ihres Glaubens direkt verfolgt, andere starben, weil sie sich aus ihrem Glauben heraus für Gerechtigkeit, Frieden oder die Armen einsetzten. Die Kirche San Bartolomeo macht diese Geschichten sichtbar und verbindet Christen unterschiedlicher Konfessionen im gemeinsamen Gedenken.
Am Ende betont der Autor die Bedeutung dieses Erinnerns für die Gegenwart. Die Gemeinschaft Sant Egidio veranstaltet jedes Jahr in der Karwoche Gottesdienste zum Gedenken an die Märtyrer der Gegenwart. Dabei werden ihre Namen genannt und ihre Lebensgeschichten erzählt. Das zeigt, dass Christenverfolgung kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte ist, sondern bis heute geschieht. Das Gedenken an die Märtyrer soll deshalb den Glauben stärken und zur Einheit der Christen beitragen.