RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Eulenfisch

Eulenfisch

Von der Faszination von Machtspielen

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Fachartikel „Von der Faszination von Machtspielen“ von Linus Hauser ist im Heft ru heute enthalten und umfasst etwa 6 Seiten (S. 61–66). Der Beitrag analysiert die Serie Game of Thrones aus kultur und religionswissenschaftlicher Perspektive. Thematisiert werden vor allem die religiösen und mythologischen Vorstellungen der Serie, der Gegensatz verschiedener Religionsformen sowie die Frage nach Macht, Moral und Sinnsuche in einer säkularen Welt.

restricted content

Nach Registrierung auf www.eulenfischplus.de erhält man kostenlosen Zugriff auf die Inhalte.

Products

Der Artikel untersucht die kulturelle und religiöse Bedeutung der Serie Game of Thrones. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Serie weltweit ein großes Publikum fasziniert und zu einem wichtigen Bestandteil der Gegenwartskultur geworden ist. Die Handlung basiert auf der Romanreihe A Song of Ice and Fire von George R. R. Martin und spielt vor allem auf dem Kontinent Westeros, in dem verschiedene Königreiche um Macht und Einfluss kämpfen. Besonders wichtig ist der Norden des Kontinents, der durch die große Mauer von den gefährlichen Mächten jenseits der bekannten Welt getrennt ist.

Der Norden hat eine besondere symbolische Bedeutung. Er wird als ein Ort dargestellt, an dem das Fremde und Unbekannte auftaucht. Der Autor erklärt diese Funktion mit dem Begriff der Heterotopie des Philosophen Michel Foucault. Eine Heterotopie ist ein realer Ort, auf den Menschen ihre Hoffnungen, Ängste und Vorstellungen projizieren können. Solche Orte machen die eigene Lebenswelt fragwürdig und regen zur Reflexion an. In Game of Thrones übernimmt der Norden diese Rolle. Dort lauern Bedrohungen wie die Weißen Wanderer, zugleich entsteht von dort aber auch die Möglichkeit einer Erneuerung der Welt.

Der Artikel beschreibt außerdem die Struktur der Serie als moderne Form der Kolportageliteratur. Kolportageromane waren im 19. Jahrhundert Fortsetzungsromane mit vielen Handlungssträngen, dramatischen Konflikten und überraschenden Wendungen. Ähnlich funktioniert auch die Serie. Sie verbindet unterschiedliche soziale Milieus, Regionen und moralische Perspektiven miteinander. Allerdings durchbricht der Autor George Martin bewusst Erwartungen. Viele Figuren sind moralisch ambivalent und ein klassisches Happy End fehlt.

Ein zentrales Thema des Artikels ist die Darstellung von Religion. Die Welt von Westeros zeigt mehrere religiöse Systeme, die miteinander konkurrieren. Besonders wichtig ist der Gegensatz zwischen der alten nordischen Religion und dem Glauben an den Gott in sieben Gestalten. Die Religion des Nordens ist eine sehr ursprüngliche Form von Spiritualität. Sie kennt keine festen Lehren, keine heiligen Schriften und keine Tempel. Die alten Götter werden in heiligen Hainen verehrt, die vor allem Orte der inneren Besinnung sind. Diese Form der Religiosität erinnert nach Ansicht des Autors an moderne spirituelle Vorstellungen, in denen Menschen eine diffuse Verbindung zur Natur oder zum Universum empfinden, ohne sich an eine institutionelle Religion zu binden.

Demgegenüber steht der Glaube an den Gott in sieben Gestalten. Diese Religion besitzt Tempel, Priester, moralische Gebote und feste Rituale. Sie ähnelt in ihrer Struktur stark dem Christentum. Der Artikel interpretiert diesen Gegensatz als Spiegel heutiger religiöser Entwicklungen. In modernen Gesellschaften schwinden traditionelle religiöse Bindungen, gleichzeitig bleibt eine Sehnsucht nach Sinn und Spiritualität bestehen.

Auch die Figuren der Serie werden theologisch gedeutet. Jon Schnee wird als eine Art Christusfigur interpretiert. Er lebt selbstlos, setzt sich für andere ein und wird nach seinem Tod wieder zum Leben erweckt. Am Ende verzichtet er freiwillig auf Macht und Herrschaft. Eine weitere zentrale Figur ist Bran Stark. Nach einem Unfall ist er gelähmt, entwickelt jedoch übernatürliche visionäre Fähigkeiten. Durch seine besondere Perspektive kann er die Geschichte und die Zukunft der Welt überblicken. Am Ende wird er zum König gewählt, weil er angeblich das Wohl des Ganzen besser erkennen kann als andere Menschen.

Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass Game of Thrones mehr ist als eine Unterhaltungsserie. Die Geschichte greift alte Mythen, religiöse Motive und moderne Fragen nach Macht, Moral und Sinn auf. Deshalb kann sie als ein bedeutendes Werk der gegenwärtigen Kulturgeschichte verstanden werden. Die Serie eröffnet Lernenden die Möglichkeit, über Religion, Mythos und menschliche Machtstrukturen nachzudenken.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.1 Moralisch argumentieren – Modelle der Ethik.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 6. Ethische Fragen angesichts von Grenzsituationen.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.