Der Artikel entwickelt eine Theologie des Sonntags aus „Mosaiksteinen“, also aus vielen einzelnen Traditionen und Bedeutungsakzenten, die sich schon in den Namen des Tages spiegeln. Ausgangspunkt ist die Beobachtung: In den ersten christlichen Jahrhunderten war der Sonntag so wichtig, dass er zahlreiche Bezeichnungen trug, die jeweils einen eigenen theologischen Schwerpunkt markieren. Als „erster Tag“ steht er gegen die moderne „Wochenend“-Mentalität: Er eröffnet die Woche und wird mit dem ersten Schöpfungstag verbunden, an dem Gott das Licht schafft. Zugleich ist er „Auferstehungstag“, weil die Auferstehung Jesu am ersten Tag der Woche verortet wird; daraus folgt eine Grundhaltung der Freude und des inneren wie äußeren „Aufgerichtetseins“, die sich etwa im stehenden Gebet am Sonntag ausdrückt. Als „Herrentag“ ist der Sonntag der Tag der Gemeindeversammlung und des Herrenmahls: Frühchristliche Quellen (z. B. Didache, Johannesakten, Eusebius) bezeugen, dass am Herrentag Brot gebrochen und Eucharistie gefeiert wird; der Artikel betont dabei eine liturgische Grundlogik: Der Herrentag ist Anlass der Versammlung – und die Versammlung ist Anlass des Herrenmahls, nicht umgekehrt. Historisch folgenreich sei dann eine spätere Entwicklung, in der Herrenfeste (wie Weihnachten u. a.) von der Sonntagsbindung gelöst werden: Dadurch werde der Sonntag tendenziell marginalisiert und gleichzeitig die Messfeier „vermehrt“ (bis hin zu einem Verständnis, dass Messen zu beliebigen Zeiten „gelesen“ werden).
Ein weiterer Mosaikstein ist der Name „Sonntag/Tag der Sonne“. Obwohl heidnischen Ursprungs, wird er von christlichen Autoren nicht einfach verworfen, sondern christologisch umgedeutet: Christus wird als „Sonne der Gerechtigkeit“ verstanden. Dadurch kann der „Sonn-Tag“ theologisch integriert werden, ohne die christliche Mitte aufzugeben. Besonders dicht wird die Bedeutung im Motiv des „achten Tages“: Acht steht für Vollendung und Ewigkeit; so wird der Sonntag nicht nur als Erinnerung an Auferstehung verstanden, sondern auch als Vorgriff auf die kommende Welt, auf den endgültigen Frieden und die Überwindung von Leid.
Im zweiten Hauptteil beschreibt der Artikel ein geschichtliches „Vergessen“: Der Sonntag als christlicher Ur-Feiertag tritt in der Praxis zurück, weil Heiligenfeste ihn überlagern und liturgische Akzente sich verschieben. Dem stellt der Text eine „Wiederentdeckung“ in der Neuzeit gegenüber, besonders durch Liturgische Bewegung und das II. Vatikanische Konzil: Der Sonntag wird wieder als Fundament und Kern des liturgischen Jahres profiliert; sichtbar wird das auch in neuen liturgischen Texten (z. B. Sonntagspräfationen) und in Formen wie einem „sonntäglichen Lobpreis“, der Schöpfung, Auferstehung, Vollendung und Befreiung aus Enge und Hast zusammenbindet. Abschließend zeigt der Beitrag am Lied „Dieser Tag ist Christus eigen“ (Gotteslob 2013), wie die alten Sonntagsnamen und -motive poetisch wiederkehren: Licht/Neuschöpfung, Gedächtnis von Tod und Auferstehung, Christus als Begleiter „auf dem Weg“, und die eschatologische Bitte, dass „für alle Sonntag wird“, also Mühsal, Streit und Plage überwunden werden. Insgesamt will der Artikel so theologisch begründet verständlich machen, warum der Sonntag nicht nur ein freier Tag ist, sondern ein verdichteter Glaubenstag: Schöpfung – Auferstehung – Eucharistie – neue Zeit – Vollendung.