Der Einstieg erfolgt über ein Placemat zum Begriff Widerstandsrecht. Darin sammeln die Lernenden in Gruppenarbeit ihre Assoziationen und Vorstellungen zum Thema Widerstandsrecht. Die Ergebnisse können von der Lehrkraft auf Karten notiert und zu einem Cluster angeordnet werden. Beim Anlegen des Clusters kann schon eine erste Unterscheidung von Widerstand gegen staatliche oder private Vorhaben und Widerstand gegen staatliches Handeln, das selbst als demokratiegefährdend oder unvereinbar mit dem Grundgesetz betrachtet werden kann, vorgenommen werden. In einem nächsten Schritt werden fünf kurze Ausschnitte einer Talkrunde mit Fritz Bauer über die politische Situation des Jahres 1964, die als YouTube Video gestreamt werden kann, gemeinsam angesehen und unter fünf unterschiedlichen Beobachtungsaspekten bearbeitet. Themen der Talkshow sind die Gründung der NPD, Nachleben des Antisemitismus, Verfassungsschutz und NPD, die Rolle der Jugend zwischen Individualisierung und gesellschaftlicher Verantwortung sowie der Umgang mit der NS-Vergangenheit. Anschließend werden die Ergebnisse der Talkshow-Sichtung ausgewertet und es kann die Frage diskutiert werden, ob die Lernenden die von Bauer im Jahr 1964 thematisierten Gefahren für die Demokratie auch für die Gegenwart beobachten. Daraus könnte auch die Frage nach Möglichkeiten des Einzelnen, sich diesen Gefahren entgegenzustellen, abgeleitet und diskutiert werden.
Das Unterrichtsmodell enthält einen zweiten Arbeitsvorschlag für eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Aufsatz „Das Widerstandsrecht des kleinen Mannes“ von Fritz Bauer, in dem er die Frage erörtert, ob es neben dem Recht auf Widerstand, auch eine Pflicht zu Widerstand gibt. Dabei bezieht er sich auf die Zeit des Nationalsozialismus, weitet seine Frage aber auch auf die parlamentarische Demokratie aus, wodurch die Frage entsteht, was angemessene Formen des Widerstands sein könnten, sodass für die Lernenden ein Gegenwartsbezug deutlich wird. Es wird vorgeschlagen, die Lernenden den Text arbeitsteilig, das heißt unter Berücksichtigung unterschiedlicher Fragestellungen lesen zu lassen und ihre Ergebnisse anschließend mit der Fishbowl-Methode auszutauschen und zu diskutieren.