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Eulenfisch

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Das Rufen Gottes – eine biblische Spurensuche

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel „Das Rufen Gottes – eine biblische Spurensuche“ von Thomas Schumacher ist im religionspädagogischen Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa 6 Seiten. Der Artikel untersucht anhand verschiedener biblischer Texte, wie Gottes Ruf an Menschen verstanden werden kann und welche Bedeutung dies für das heutige Verständnis von Berufung hat. Dabei behandelt er zentrale theologische Probleme wie die Ausweitung des Berufungsbegriffs über Priester und Ordensberufe hinaus, das Verhältnis von allgemeiner und besonderer Berufung, die Frage nach dem Zölibat sowie die Unterscheidung der Stimme Gottes von anderen inneren Stimmen.

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Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen den Ruf Gottes verstehen können und welche Bedeutung biblische Berufungsgeschichten für die Suche nach der eigenen Berufung haben. Ausgangspunkt ist der kirchliche Weltgebetstag um geistliche Berufungen, der ursprünglich vor allem auf Priester und Ordensberufe ausgerichtet war. In der heutigen Praxis hat sich der Begriff der Berufung jedoch erweitert und umfasst auch andere kirchliche Berufe und Lebenswege. Daraus ergibt sich die theologische Frage, ob diese Ausweitung des Berufungsbegriffs lediglich eine praktische Reaktion auf den Priestermangel ist oder ob sie sich auch biblisch und theologisch begründen lässt.

Der Artikel zeigt zunächst, dass die traditionelle kirchliche Sichtweise Berufung lange vor allem mit einem geistlichen Stand und einem ehelosen Lebensstil verbunden hat. Diese Perspektive wurde unter anderem mit Aussagen des Paulus begründet. Gleichzeitig hat sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil das Verständnis von Kirche verändert. Das allgemeine Priestertum aller Gläubigen betont, dass alle Christinnen und Christen Anteil an der Sendung der Kirche haben. Dadurch stellt sich die Frage, wie sich eine besondere geistliche Berufung von der allgemeinen Berufung aller Glaubenden unterscheiden lässt.

Um diese Frage zu klären, wendet sich der Artikel den biblischen Berufungserzählungen zu. Dabei zeigt sich, dass Berufung in der Bibel selten ein einmaliges Ereignis ist. Vielmehr handelt es sich um einen längeren Prozess, der in eine Beziehung zwischen Gott und Mensch eingebettet ist. Selbst dort, wo eine dramatische Begegnung mit Gott geschildert wird, etwa in der Berufung des Paulus, steht diese Erfahrung in einem größeren Lebenszusammenhang mit einer Vorgeschichte und einer Phase der weiteren Klärung.

Ein weiteres Merkmal biblischer Berufungsgeschichten ist das Zögern der berufenen Person. Ein Beispiel dafür ist Mose, der zunächst Zweifel an seinen eigenen Fähigkeiten äußert. Solche Einwände gehören zum typischen Verlauf vieler Berufungsgeschichten. Oft folgt auf den göttlichen Auftrag zunächst ein Einwand des Menschen, auf den wiederum eine Zusage des göttlichen Beistands folgt. Dadurch wird deutlich, dass Berufung ein dialogisches Geschehen zwischen Gott und Mensch ist.

Außerdem spielen in diesem Prozess häufig andere Menschen eine wichtige Rolle. Die Erzählung von Samuel zeigt, dass ein Mensch die Stimme Gottes zunächst nicht immer eindeutig erkennt. Erst durch die Deutung seines Lehrers Eli versteht Samuel, dass Gott ihn ruft. Solche Begleiter können helfen, eine Berufung zu erkennen, auch wenn die eigentliche Beziehung zwischen Gott und der berufenen Person besteht.

Die biblischen Texte verdeutlichen auch, dass Gottes Ruf nicht immer in spektakulärer Form erscheint. In der Erzählung von Elija begegnet Gott nicht im Sturm, im Erdbeben oder im Feuer, sondern in einem leisen Säuseln. Dadurch wird deutlich, dass Gottes Handeln menschliche Erwartungen oft durchbricht. Gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass Menschen, die bereits eine Beziehung zu Gott haben, seine Stimme leichter erkennen können.

Ein weiteres Thema ist die Frage, wie sich Gottes Stimme von anderen Stimmen unterscheiden lässt. Hier verweist der Artikel auf die paulinische Unterscheidung zwischen Früchten des Geistes und Werken des Fleisches. Erfahrungen wie Liebe, Freude oder Frieden können Hinweise darauf sein, dass ein Weg im Einklang mit Gottes Ruf steht. Diese Gedanken stehen in enger Verbindung zur späteren geistlichen Tradition der Unterscheidung der Geister, etwa bei Ignatius von Loyola.

Im letzten Teil des Artikels wird erneut auf die Aussage des Paulus eingegangen, dass er sich wünsche, alle Menschen lebten unverheiratet. Eine genauere Analyse des griechischen Textes zeigt jedoch, dass Paulus keinen allgemeinen Vorrang des Zölibats behauptet. Vielmehr betont er, dass jeder Mensch eine eigene Gabe von Gott erhalten hat. Daraus folgt, dass sich der persönliche Lebensweg nicht durch Nachahmung eines bestimmten Modells entscheiden lässt, sondern durch das individuelle Hören auf Gottes Ruf.

Der Artikel kommt zu dem Ergebnis, dass Berufung in biblischer Perspektive ein lebenslanger Prozess ist. Sie besteht nicht nur in einer einmaligen Entscheidung für einen bestimmten Beruf oder Lebensstand. Vielmehr geht es darum, immer wieder auf Gottes Stimme zu hören und das eigene Leben an dieser Beziehung auszurichten. Deshalb wäre es sinnvoll, den kirchlichen Gebetstag für Berufungen stärker als Einladung zu verstehen, die Fähigkeit zum Hören auf Gottes Stimme zu vertiefen.

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