Die christliche Ehe als Berufung und geistliche Gemeinschaft
Der Neutestamentler Prof. Lothar Wehr erläutert im Gespräch, wie die umstrittene Stelle aus Epheser 5 – die Unterordnung der Frau unter den Mann – im Kontext der damaligen Gesellschaft und der christlichen Botschaft zu verstehen ist. Die sogenannte „Haustafel“, ein antikes literarisches Genre, übernahm patriarchale Strukturen, wurde im Epheserbrief aber christlich umgedeutet: Die Forderung an den Mann, die Frau zu lieben wie Christus die Kirche, ist eine radikale Form der Liebe, die in dieser Form im Heidentum unbekannt war.
Das Verhältnis von Mann und Frau in der Ehe soll dem zwischen Christus und der Kirche entsprechen. Daraus ergibt sich eine wechselseitige Unterordnung in Liebe – nicht Macht, sondern Dienst steht im Zentrum. Auch kirchliche Ämter sollen dem Dienst an der Gemeinschaft dienen, nicht der Machtausübung.
Die Ehe wird als geistliche Berufung verstanden – gleichwertig zur Berufung zum zölibatären oder ordensgebundenen Leben. Gott ist „der Dritte im Bunde“: Seine Gegenwart hilft Ehepartnern, in Liebe, Versöhnung und gegenseitigem Einsatz zu leben. Die Ehe ist auch offen für die Weitergabe des Lebens, was die katholische Lehre an der Zwei-Geschlechtlichkeit von Mann und Frau festhält.
Zentrale Aussage:
Die christliche Ehe ist ein Sakrament, das Liebe, Hingabe und geistliche Tiefe verlangt. Sie kann nur im Licht des Glaubens und der göttlichen Gnade in ihrer ganzen Tiefe verstanden und gelebt werden.