Der Artikel untersucht, wie Jugendliche ihre Freizeit im Verlauf der Woche gestalten und ob sich ihr Verhalten am Wochenende insbesondere am Sonntag von dem an Werktagen unterscheidet. Grundlage sind aktuelle empirische Studien, vor allem die Shell Jugendstudie 2015, ergänzt durch die JIM Studie und das Sozioökonomische Panel.
Freizeit wird als zentraler Entwicklungsraum beschrieben. Sie ist für Jugendliche nicht nur Erholung, sondern eine eigenständige Entwicklungsaufgabe. In der Freizeit können sie Entscheidungen treffen, neue Handlungsspielräume erproben und Strategien entwickeln, die später auch auf andere Lebensbereiche übertragbar sind. Freizeit wird dabei als Zeit verstanden, die frei von Schule, Ausbildung oder Erwerbsarbeit ist und möglichst wenig Zwang oder Verpflichtung enthält. Sie besitzt für Jugendliche einen hohen Wert im Rahmen ihrer Lebensgestaltung.
Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung hängen wesentlich von zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen ab. Durchschnittlich verfügen Jugendliche werktags über etwa viereinhalb bis fünf Stunden Freizeit, am Wochenende über neun bis zehn Stunden. Finanzielle Ressourcen beeinflussen stark, welche Aktivitäten möglich sind. Musik, Sport, Medien, Ausgehen oder kulturelle Angebote setzen meist ein gewisses Budget voraus. Jugendliche aus höheren sozialen Schichten haben hier mehr Spielraum als Jugendliche aus bildungsferneren Milieus.
Im Zentrum der Freizeitgestaltung steht heute das Internet. Die Shell Jugendstudie zeigt einen deutlichen Anstieg der Internetnutzung seit den frühen zweitausender Jahren. Für viele Jugendliche gehört das Surfen im Internet zu den wichtigsten Freizeitaktivitäten. Auch soziale Netzwerke spielen eine große Rolle. Jugendliche sind durchschnittlich über zwei Stunden täglich online. Das Internet ist zu einem zentralen sozialen Raum geworden, der unabhängig von Ort und Zeit genutzt werden kann.
Neben der Internetnutzung zählen das Treffen mit Freunden, Musik hören und Fernsehen zu den häufigsten Freizeitaktivitäten. Die Studie unterscheidet verschiedene Freizeittpyen. Gesellige Jugendliche legen Wert auf soziale Kontakte. Medienorientierte Jugendliche verbringen viel Zeit mit digitalen Medien. Familienorientierte Jugendliche verbringen ihre Freizeit häufig mit der Familie. Eine kreative Freizeitelite engagiert sich stärker künstlerisch oder sportlich. Freizeitverhalten variiert dabei nach Geschlecht, Alter, Schulform und sozialer Herkunft.
Ein besonderer Aspekt ist die Rolle der Eltern und der Peergroup. Der Bildungshintergrund der Eltern beeinflusst, ob Jugendliche bildungsorientierten Freizeitaktivitäten wie Musikschule oder kulturellen Angeboten nachgehen. Freunde haben einen starken Einfluss auf Konsumverhalten, Mediennutzung und Freizeitgestaltung und sind wichtige Sozialisationsinstanzen.
Hinsichtlich der religiösen Praxis zeigen die Studien einen geringen Stellenwert von Religion im Alltag vieler Jugendlicher. Zwar sind viele konfessionell gebunden, doch regelmäßige kirchliche Aktivitäten spielen nur für eine Minderheit eine Rolle. Nur etwa zehn Prozent geben an, wöchentlich religiöse Veranstaltungen zu besuchen. Ein Teil der Jugendlichen ist in kirchlichen Gruppen oder Chören organisiert, doch insgesamt ist religiöse Praxis eher rückläufig. Es besteht ein deutlicher Unterschied zwischen formaler Zugehörigkeit und tatsächlicher religiöser Aktivität.
Bezüglich der Frage, ob Jugendliche sonntags ein anderes Freizeitverhalten zeigen als unter der Woche, kommt der Artikel zu einem eher ernüchternden Ergebnis. Die Studien differenzieren kaum zwischen einzelnen Wochentagen. Da Freizeit grundsätzlich als freie Zeit verstanden wird und das Internet jederzeit verfügbar ist, verlaufen die Übergänge zwischen Werktagen und Wochenende fließend. Der Sonntag hebt sich im Freizeitverhalten Jugendlicher kaum deutlich ab. Digitale Medien sind unabhängig vom Wochentag zentraler Bestandteil ihrer Freizeitwelt.
Insgesamt zeigt der Artikel, dass Freizeit für Jugendliche ein bedeutender Entwicklungsraum ist, der stark durch digitale Medien geprägt wird. Der Sonntag besitzt im Alltag vieler Jugendlicher keinen ausgeprägten religiösen oder strukturell besonderen Charakter mehr.