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Eulenfisch

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Ein Grabstein mit Namen – ein Grab mit Namenlosen

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel „Ein Grabstein mit Namen – ein Grab mit Namenlosen“ von Stefan Diefenbach ist im Heft Eulenfisch, Rubrik ru heute, auf den Seiten 95 bis 96 erschienen.

Der Artikel beschreibt die Geschichte des Arnsteiner Paters Alfons Spix, der wegen verbotener Seelsorge für polnische Zwangsarbeiter von der Gestapo verhaftet und im Konzentrationslager KZ Dachau getötet wurde. Sein Grab auf dem Klosterfriedhof enthält vermutlich nicht seine eigene Asche, sondern die Überreste unbekannter Opfer der NS Diktatur.

Der Fachartikel behandelt vor allem theologische Fragen von christlicher Nächstenliebe, Gewissensentscheidung im Konflikt mit einer Unrechtsideologie, Märtyrertum, Erinnerungskultur und der Würde jedes Menschen auch über den Tod hinaus.

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Der Artikel erzählt die Geschichte des Arnsteiner Paters Alfons Spix und seines Grabes auf dem Klosterfriedhof. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur wurde in der Chronik des Klosters berichtet, dass eine Urne aus dem Konzentrationslager Dachau im Jahr 1942 auf dem Friedhof beigesetzt wurde. In der Urne befanden sich Knochenstücke und Asche. Bis heute liegt diese Urne in einem Grab, das äußerlich nicht von den anderen Gräbern der Ordensmitglieder zu unterscheiden ist. Auf dem Grabstein steht der Name von Pater Alfons Spix, doch vermutlich befinden sich in dem Grab nicht seine eigenen Überreste, sondern die Asche anderer Opfer des nationalsozialistischen Terrors.

Pater Alfons hatte sich während des Zweiten Weltkriegs um polnische Zwangsarbeiter gekümmert, die in der Nähe arbeiteten. Er ließ sie am Sonntagsgottesdienst teilnehmen, nahm ihre Beichte ab und gab ihnen an der Klosterpforte etwas Brot und Kaffee. Diese Form der Seelsorge war vom nationalsozialistischen Staat streng verboten, weil polnische Arbeiter vom religiösen und gesellschaftlichen Leben getrennt werden sollten. Jemand zeigte den Priester deshalb bei der Gestapo an. Im November 1941 wurde er verhört und verwarnt. Jede Seelsorge für Polen wurde ihm untersagt.

Trotz dieser Warnung besuchten einige polnische Gläubige erneut den Gottesdienst im Kloster. Kurz darauf wurde Pater Alfons verhaftet. Nach mehreren Monaten Untersuchungshaft wurde er in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Die Gestapo begründete seine Einweisung damit, dass er durch seine Hilfe für polnische Arbeiter die Sicherheit des Staates gefährde. Im Lager musste er schwere Arbeit leisten und litt unter Hunger, Schikanen und Krankheiten. Im August 1942 starb er dort. Offiziell wurde sein Tod mit Herz und Kreislaufversagen erklärt, eine Diagnose, die häufig verwendet wurde, um die tatsächlichen Todesumstände zu verschleiern.

Die Urne mit den vermeintlichen Überresten wurde später auf dem Klosterfriedhof beigesetzt. Überlebende berichteten jedoch, dass die Urnen aus den Krematorien oft die Asche verschiedener Menschen enthielten. Deshalb ist wahrscheinlich, dass sich im Grab nicht die Asche von Pater Spix befindet, sondern die Überreste mehrerer unbekannter Opfer der nationalsozialistischen Gewalt.

Lange Zeit konzentrierte sich das Erinnern vor allem auf den Konflikt zwischen dem Priester und dem NS Staat. Pater Spix wurde später als Glaubenszeuge anerkannt und in das deutsche Martyrologium aufgenommen. Außerdem erinnert ein Stolperstein an ihn. Der Autor betont jedoch, dass das Grab nicht nur an Pater Spix erinnert, sondern auch an die vielen namenlosen Opfer der Diktatur.

Das Grab wird deshalb als Ort des Gedenkens verstanden. Es erinnert daran, dass Diktaturen die Würde des Menschen missachten und Menschen sogar nach ihrem Tod ihrer Identität berauben können. Zugleich fordert der Ort dazu auf, über persönliche Verantwortung, über moralische Grenzen gegenüber Ideologien und über christliche Nächstenliebe nachzudenken. Erinnern ist nach Ansicht des Autors notwendig, damit die Opfer nicht vergessen werden und die Täter nicht nachträglich gewinnen.

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