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Hat Gott das Chillen erfunden?

Veröffentlichung:1.8.2015

Der Fachartikel ist im Heft ru heute 03 2015 enthalten unter dem Titel: „Schabbat und Sonntag. Was können jüdischer und christlicher Religionsunterricht voneinander lernen?“. Der Beitrag umfasst die Seiten 46 bis 48 und ist damit 3 Seiten lang.

Der Artikel vergleicht die Säkularisierung des Sonntags bei christlichen Jugendlichen mit dem unterschiedlich gelebten Schabbat bei jüdischen Jugendlichen. Er fragt, ob Religionsunterricht durch Dialog und Begegnung mit der jeweils anderen Tradition zu einer neuen Wertschätzung eigener religiöser Praxis beitragen kann. Theologisch behandelt der Beitrag vor allem die Fragen nach Traditionsabbruch und Resakralisierung, nach dem religiösen Sinn von Arbeitsruhe, nach der Beziehung zwischen Gott und Mensch sowie nach der Bedeutung heiliger Zeiten als Ort göttlicher Gegenwart.

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Der Artikel geht von der Beobachtung aus, dass die Sonntagskultur bei christlichen Jugendlichen weitgehend säkularisiert ist. Zwar wird der Sonntag oft als wohltuende Unterbrechung des Alltags erlebt, doch sein religiöser Gehalt wird meist nicht mehr wahrgenommen. Auch jüdische Jugendliche leben den Schabbat je nach religiöser Prägung unterschiedlich intensiv. Vor diesem Hintergrund stellt der Beitrag die Frage, ob sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Traditionsabbruch beobachten lassen und ob jüdischer und christlicher Religionsunterricht durch gegenseitige Begegnung zu einer neuen Wertschätzung eigener Tradition beitragen können.

Die Autoren vertreten die Überzeugung, dass Dialog und Trialog zwischen den abrahamitischen Religionen die Selbstwahrnehmung stärken. Trotz Säkularisierung sei in der modernen Gesellschaft auch eine Sehnsucht nach heiligen Zeiten erkennbar. In einer beschleunigten Welt gewinnt die Idee der Unterbrechung besondere Bedeutung. Das Jugendwort chillen dient als Ausgangspunkt für eine Annäherung an die biblische Sabbatruhe. In freier Anlehnung an Genesis wird Gott als derjenige beschrieben, der am siebten Tag ruht. Das hebräische Wort Schabbat bedeutet aufhören und die Arbeit beenden. In diesem Sinn gibt es eine Nähe zum Begriff chillen, da beide eine Unterbrechung der alltäglichen Tätigkeit ausdrücken.

Gleichzeitig wird deutlich, dass der traditionelle Schabbat mehr ist als bloßes Nichtstun. Er verlangt Vorbereitung, enthält konkrete Gebote und Verbote und ist in der jüdischen Tradition theologisch tief verankert. Arbeit wird dabei nicht als körperliche Anstrengung verstanden, sondern als schöpferische Veränderung von Welt. Am Schabbat wird diese Weltveränderung unterbrochen, um Gottes vollendetes Schöpfungswerk anzuerkennen. Der Schabbat erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten und steht für Freiheit von ökonomischem Zwang. Er ist zugleich Vorausnahme der messianischen Zeit und Ausdruck einer Welt, in der Gottes Herrschaft bereits aufscheint.

Der christliche Sonntag wird nicht einfach als Übernahme des Schabbats verstanden. Seine Wurzeln liegen in der Feier der Auferstehung Jesu Christi. Der Herrentag ist der erste Tag der Woche und erinnert an die neue Schöpfung im Licht der Auferstehung. Die Eucharistiefeier bildet sein Zentrum. Historisch wurde der Sonntag erst durch politische Entscheidung zum arbeitsfreien Tag. Theologisch jedoch versteht die Kirche ihn als Fundament des liturgischen Jahres. Trotz unterschiedlicher Genese bestehen enge Verbindungen zwischen jüdischer und christlicher Feier, da beide auf Erlösung und messianische Hoffnung ausgerichtet sind.

Im pädagogischen Teil fragt der Artikel, wie Schabbat und Sonntag im Religionsunterricht vermittelt werden können. In der jüdischen Religionslehre ist der Schabbat ein zentrales Thema, das spiralförmig auf verschiedenen Altersstufen behandelt wird. Rituale wie das Kerzenanzünden oder das bewusste Unterlassen bestimmter Tätigkeiten können anschaulich vermittelt werden. Der Unterricht kann dabei zu gesellschaftskritischem Denken anregen, indem Konsumzwang und Leistungsdruck hinterfragt werden.

Auch im christlichen Religionsunterricht wird die Unterbrechung des Arbeitsrhythmus betont. Kampagnen zum Schutz des Sonntags machen deutlich, dass eine Gesellschaft ohne Sonntage ihre humane Struktur verliert. Dennoch genügt eine rein sozialethische Begründung nicht, um den religiösen Kern zu erfassen. Schabbat und Sonntag sind nicht nur Ruhezeiten, sondern Orte der Gottesbegegnung. Indem Menschen Arbeit unterbrechen, schaffen sie Raum für Gott. Jede bewusste Enthaltung von Tätigkeit wird als Einräumen von Platz für Gottes Gegenwart verstanden.

Abschließend plädieren die Autoren für eine Sakraldidaktik, die in heilige Zeiten und Räume einführt. Ruhe, Stille, Gesang, gemeinsames Essen und Gelassenheit sollen erfahrbar gemacht werden. Durch die Begegnung mit der jeweils anderen Tradition können Jugendliche ihre eigene religiöse Identität neu entdecken und vertiefen.

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