Der Artikel beschreibt, wie der Kultursommer Rheinland Pfalz seit 1992 als kulturpolitisches Projekt des Landes arbeitet und mit jährlich wechselnden Mottos kulturelle Initiativen bündelt. Mit dem Motto Gott und die Welt wurde 2012 erstmals das Religiöse ausdrücklich als Thema kultureller Förderung hervorgehoben. Damit wurde anerkannt, dass Glaube und Religion bis heute wichtige Quellen kultureller Inspiration sind und Künstlerinnen und Künstler weiterhin zu produktiver Auseinandersetzung anregen.
Für das Bistum Limburg wurde dieses Motto zum Ausgangspunkt einer neuen Form kirchlicher Kulturarbeit. Angestoßen wurde dies nicht zuerst aus der Kirche selbst, sondern durch die Anfrage des Kultursommers an die katholischen Bistümer, sich mit eigenen Beiträgen zu beteiligen. Daraus entwickelte sich eine dauerhafte Zusammenarbeit. In jährlichen Treffen wurden Themen, Projekte und Kooperationsmöglichkeiten besprochen. Neu war dabei, dass kirchliche Kulturangebote nicht nur auf Kirchenmusik begrenzt blieben, sondern auch Erwachsenenbildung, Akademiearbeit und kulturelle Bildungsarbeit in Schulen einbezogen wurden.
Das Bistum Limburg griff die Herausforderung aktiv auf und entwickelte verschiedene Formate. Genannt werden eine interaktive Wanderausstellung für Schulen über das Klosterleben sowie Autorenlesungen und Gesprächsveranstaltungen zu Literatur, Religion, Gewalt, Glaube und Kirche. Dadurch wurde sichtbar, dass kirchliche Kulturarbeit auch in einem säkularen Festivalrahmen bestehen kann und dort sogar neue Wirkungsmöglichkeiten gewinnt.
Der Artikel betont, dass diese Kooperation eine neue Erfahrung für die Kirche darstellte. Sie konnte auf bisher ungewohnten Bühnen auftreten und Menschen begegnen, die sonst kaum kirchliche Bildungsangebote besuchen. In einer offenen und entspannten Festivalatmosphäre entstand Gespräch auf Augenhöhe. Kirche erschien dabei nicht in erster Linie als Institution, sondern als Gastgeberin von Begegnung, Reflexion und anregendem Austausch. Gerade darin sieht der Autor ein kreatives und lebendiges Bild von Kirche.
Seit 2015 trägt diese kulturdiakonische Bildungsarbeit des Bistums Limburg den Namen Denkbares. Das Format ist bewusst offen gestaltet und gibt sich nicht sofort als kirchliche Veranstaltung zu erkennen, auch wenn die kirchlichen Hintergründe nicht verborgen werden. Denkbares will Menschen zusammenführen, Gastfreundschaft erfahrbar machen und Räume eröffnen, in denen über Themen der Zeit nachgedacht werden kann. Niederschwelligkeit meint dabei nicht inhaltliche Vereinfachung, sondern einen offenen Rahmen, Barrierefreiheit und meist kostenfreien Zugang.
Ein wichtiger Gedanke des Artikels ist, dass Kirche kulturelle und gesellschaftliche Krisenerfahrungen ernst nehmen muss. Genannt werden Klima, Migration, Pflege, Corona und Missbrauch. In solchen Erfahrungen wachsen Gefühle von Unsicherheit, Isolation und Bedrohung. Denkbares will diese Phänomene aufgreifen und Menschen Orientierung geben. Gespräche und gemeinsames Nachdenken sollen helfen, die Wirklichkeit besser zu verstehen, Abstand zu gewinnen und neue Gelassenheit zu finden.
Dabei versteht der Artikel Bildung nicht nur als Wissensvermittlung, sondern als Entwicklung einer Kultur des Selbst. Menschen sollen nicht bloß Kultur konsumieren, sondern aktiv an ihr teilhaben und sich das in Veranstaltungen Gedachte und Erlebte aneignen. Kultur wird damit zu einem Raum, in dem Selbstreflexion, Urteilskraft und Sinnsuche möglich werden.
Der Text verbindet diese Überlegungen mit dem Prozess der Kirchenentwicklung im Bistum Limburg. Seit 2015 sucht das Bistum nach neuen Formen von Kirche und Glaubensvermittlung. Dieser Prozess soll nicht nur Strukturen verändern, sondern zu einem Perspektivwechsel führen. Kirche soll missionarisch und diakonisch zugleich handeln und Menschen in Beziehung zueinander und zu Gott bringen. In diesem Zusammenhang erscheint Denkbares als mögliches Modell für eine erneuerte kirchliche Bildungs und Kulturarbeit.
Zum Schluss weitet der Autor den Blick grundsätzlicher. Mit einem Rückgriff auf die UNESCO wird Kultur als Raum beschrieben, in dem der Mensch über sich selbst nachdenken, Werte erkennen, Urteile bilden und neue Sinngehalte suchen kann. Deshalb ist Kultur für die Kirche kein Randthema, sondern gehört zu ihrem Kernauftrag. Der Artikel endet mit der Forderung, dass Kultur und Bildung in der Kirche wieder zu einer zentralen Aufgabe werden müssen, um Gott und den Menschen willen.