Die Geister, die wir riefen … Bildungstheoretische und praktische Zugänge zu kreativen KI Anwendungen Von Andreas Büsch. Der Beitrag beginnt mit dem Hinweis auf eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, nach der viele Menschen in Deutschland nur eine vage Vorstellung von Künstlicher Intelligenz haben und Begriffe wie KI, ChatGPT oder Algorithmen eher ablehnend empfinden. Gleichzeitig dominiert eine Sorge vor Manipulation durch täuschend echte Bilder, Texte oder Videos, vor Arbeitsplatzverlust und vor Überwachung. Diese Verunsicherung findet sich auch in höheren Bildungsschichten, während manche Gruppen, besonders ältere oder sozial benachteiligte Menschen, KI für ihr eigenes Leben als wenig relevant einstufen. Insgesamt zeigt sich damit eine Gefahr wachsender gesellschaftlicher Spaltung, weil Chancen und Kompetenzen ungleich verteilt sind und bisherige Bildungsanstrengungen nicht ausreichen, um mit den Transformationsprozessen Schritt zu halten. Vor diesem Hintergrund warnt der Autor vor Panik oder Aktionismus und betont, dass KI das Bildungssystem nicht einfach ersetzt oder alle Probleme löst. Entscheidend sei vielmehr ein breiter gesellschaftlicher Diskurs und eine vorausschauende Regulierung, aber ebenso massive Bildungsarbeit, damit nicht nur Eliten die Deutungshoheit über Ziele, Risiken und Regeln gewinnen. Büsch entfaltet dazu ein Modell von Medienkompetenz mit mehreren Teilbereichen, die sich bei KI besonders zuspitzen. Zunächst fordert generative KI die Wahrnehmung heraus, weil immer schwerer zu erkennen ist, ob ein Text, Bild, Video oder Musikstück von Menschen oder durch KI erzeugt wurde und weil technische Erkennungsversuche unzuverlässig sind. Doch bevor reine Entlarvung im Zentrum steht, müsse es um eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Phänomen selbst gehen, also darum, welche KI Systeme es gibt, wie sie Alltag, Beruf und Kultur prägen und wie sich ästhetische Formate und Ausdrucksweisen verändern. Dazu gehört auch, unterschiedliche Diskurse über KI unterscheiden zu können, etwa technologische, ökonomische, rechtliche, ethische oder pädagogische Perspektiven, weil sie zu sehr verschiedenen Bewertungen führen. Medienbildung benötigt deshalb nicht nur praktische Erfahrung mit KI Werkzeugen und deren Bedienlogik, sondern auch grundlegendes Orientierungswissen über Algorithmen, Daten und Mustererkennung, damit Werbeversprechen, Hype und tatsächliche Leistungsgrenzen auseinandergehalten werden können. Der Autor beschreibt kritische Medienbildung in drei Ebenen. Erstens geht es um Unterscheidungsfähigkeit, also darum, Vielfalt wahrzunehmen und nicht von der einen KI zu sprechen, sondern von unterschiedlichen Modellen und Anwendungen. Zweitens braucht es klassische Medienkritik, weil Lesende und Nutzende stets damit rechnen müssen, mit KI erzeugten Inhalten konfrontiert zu sein. Drittens soll Kritik auf die gesellschaftliche Ebene zielen, indem nach Hintergründen, Interessen, sozialen Folgen und Risiken gefragt wird. In diesem Zusammenhang fordert Büsch, Narrative zu überprüfen, etwa die Vorstellung neutraler Algorithmen, und auch die Arbeitsbedingungen und Geschäftsmodelle hinter KI zu thematisieren, die häufig datengetrieben und werbeorientiert sind. Ebenso ordnet er Bildungsversprechen ein und warnt davor, KI als Allheilmittel für Schule zu sehen oder personalisiertes Lernen unkritisch mit Optimierungslogiken zu verbinden. Ethische Fragen gehören für ihn zwingend zur Medienbildung, weil KI Menschen dazu drängt, das Verhältnis von Mensch und Maschine neu zu bestimmen. Zentral sind dabei Fragen, ob der Mensch Subjekt bleibt oder zum Objekt digitaler Steuerung wird, was Intelligenz und Kreativität bedeuten und welche Unterschiede zwischen Person und Maschine bleiben. Gegenüber transhumanistischen Vorstellungen, die Technik als Vervollkommnung des angeblich mangelhaften Menschen deuten, betont Büsch die Leiblichkeit und Verletzlichkeit des Menschen als Quelle seiner Würde und macht Menschenwürde, Freiheit und Verantwortung zu Leitwerten der Digitalisierung. Er verknüpft dies mit der katholischen Soziallehre und mit der Vorstellung der radikalen Transzendenz des Menschen, also seiner Gottesebenbildlichkeit, und leitet daraus die Notwendigkeit politischer und internationaler Sicherungen ab, die zugleich subsidiär sensibel für lokale Kontexte sind. Für die Praxis hält der Autor an der medienpädagogischen Grundstrategie fest, projektorientiert und lebensweltbezogen zu arbeiten. KI Projekte sollen ausdrücklich auch Freude am Ausprobieren ermöglichen, müssen aber immer in eine differenzierte Reflexion über wünschenswerte und problematische Anwendungen führen. Ziel ist eine Nutzungs und Reflexionskompetenz, die befähigt, Unsicherheiten auszuhalten und verantwortlich zu handeln. Insgesamt versteht Büsch die aktuellen Umbrüche nicht primär als technische Fragen, sondern als Herausforderungen für Werte, Zusammenleben und demokratische Ordnung, die eine Bildung in ganzheitlichem, transformatorischem Sinn erfordern, also eine digitale Aufklärung, zu der Medienbildung einen wesentlichen Beitrag leisten muss.