Der Artikel untersucht die Bedeutung des Heiligen Geistes für das Verständnis von Kirche im Neuen Testament. Rudolf Hoppe betont zu Beginn, dass über den Geist Gottes schwerer zu sprechen ist als über Jesus, weil der Geist unsichtbar und nicht verfügbar ist. Dennoch ist er als wirksame und ermutigende Kraft im Glauben erfahrbar. Deshalb erscheint die Rede vom Geist im Neuen Testament vielstimmig und in verschiedenen theologischen Zusammenhängen.
Zunächst wendet sich der Artikel der synoptischen Jesusüberlieferung zu. Markus und Matthäus sprechen eher zurückhaltend vom Geist, auch wenn die Taufe Jesu deutlich macht, dass Jesus von Gottes Geist getragen ist. Besonders wichtig ist Lukas. Er versteht Jesus von Anfang an als vom Geist bestimmten Sohn Gottes. Schon die Empfängnis Jesu wird bei Lukas auf das Wirken des Geistes zurückgeführt. In den entscheidenden Stationen seines Evangeliums zeigt Lukas, dass Jesus in der Kraft des Geistes handelt. Das wird in der Taufe, in der Versuchung und besonders in der Predigt Jesu in Nazaret sichtbar. Dort deutet Jesus sich selbst mit dem Wort des Propheten Jesaja als den vom Geist Gesandten. Diese Geistsendung hat bei Lukas eine klare soziale Richtung. Jesus wendet sich den Armen, Gefangenen, Blinden und Zerbrochenen zu. Der Geist führt also nicht in einen weltfernen Spiritualismus, sondern in eine konkrete Hinwendung zu leidenden Menschen. Jesu Heilswirken geschieht aus dem Geist und ist auf die Erneuerung des Lebens ausgerichtet.
Von dort aus schlägt Lukas die Brücke zur frühen Gemeinde. Der auferstandene Jesus verheißt seinen Jüngern den Geist, und in der Apostelgeschichte erfüllt sich diese Verheißung im Pfingstereignis. Die Geistausgießung macht die Jünger zu einer neu konstituierten Gemeinschaft. Das Pfingstgeschehen zeigt, dass die Gemeinde nicht aus eigener Kraft lebt, sondern durch die Initiative Gottes und durch den vom erhöhten Christus gesandten Geist. Das Sprachenwunder verweist darauf, dass die Botschaft Gottes alle Menschen erreichen soll. Die Gemeinde wird durch den Geist gesammelt, gestärkt und zur Mission befähigt. Zugleich steht sie in Kontinuität mit Jesus selbst, weil derselbe Geist, der Jesus getragen hat, nun in den Aposteln und in ihrem Handeln wirksam ist.
Danach richtet der Artikel den Blick auf Paulus. Schon im ersten Thessalonicherbrief erscheint der Geist als Kraft der Verkündigung und als Grundlage der Gemeinde. Das Evangelium kommt nicht nur in Worten, sondern in Kraft und im Heiligen Geist. So verbindet der Geist den Apostel mit den Gemeinden und macht die Ausbreitung des Glaubens möglich. Zugleich hat der Geist ethische Konsequenzen. Die Gemeinde soll aus dem Geist heraus ein neues Leben führen, sich in ihrer Lebensweise von ihrer Umwelt unterscheiden und ihrer Berufung zur Heiligung entsprechen. Der Geist ist also nicht nur eine innere Erfahrung, sondern prägt die konkrete Lebensgestaltung.
Paulus warnt aber auch vor Fehlformen. Im ersten Korintherbrief setzt er sich mit einem übersteigerten geistlichen Selbstbewusstsein auseinander. Manche verstehen sich als besonders erleuchtet und erheben sich dadurch über andere. Paulus kritisiert diese Haltung, weil sie die Gemeinde spaltet und das Kreuz Christi verdrängt. Echte Geisterfahrung zeigt sich für ihn nicht in elitärer Sondererkenntnis, sondern im Aufbau der Gemeinde. Darum stellt er das prophetische Reden höher als ein ekstatisches Reden, das nur dem Einzelnen dient. Die Vielfalt der Gaben ist für Paulus wichtig, aber sie muss dem gemeinsamen Leben des Leibes Christi dienen. Der Geist ist das Lebenselement der Gemeinde, doch er wirkt nicht zur Absonderung, sondern zur Einheit in Vielfalt.
Schließlich betrachtet der Artikel das Johannesevangelium. Johannes verbindet Christologie, Gotteslehre und Geistlehre besonders eng. Jesus ist der Träger des Geistes und zugleich der Geber des Geistes. Im Zeugnis des Täufers wird Jesus als Sohn Gottes bekannt, auf dem der Geist bleibt. Im Gespräch mit Nikodemus zeigt Johannes, dass neues Leben nur aus Wasser und Geist möglich ist. Die Glaubenden werden durch Taufe und Geist in eine neue Lebenswirklichkeit geführt. Nach Ostern haucht der Auferstandene den Jüngern den Geist ein. Damit werden sie zu einer neuen Schöpfung und zur Fortsetzung der Sendung Jesu bevollmächtigt. Die Gemeinde erhält so Anteil an Jesu Auftrag und an seiner Vollmacht zur Versöhnung.
Im Fazit hält Hoppe fest, dass der Geist für alle großen Stimmen des Neuen Testaments grundlegend ist. Mit ihm wird Wesentliches über Jesus ausgesagt, und durch ihn wird die Gemeinde überhaupt erst zur Kirche. Der Geist ist keine verfügbare Größe und kein Besitz einzelner Menschen. Er ist eine inspirierende Kraft Gottes, die die Gemeinde zusammenführt, ihr Identität verleiht und sie zu einer konkreten, sinnstiftenden Zuwendung zur Welt befähigt. Für Lehrkräfte ist der Artikel besonders wichtig, weil er zeigt, dass christlicher Glaube nicht nur in Lehren besteht, sondern in einer lebendigen Beziehung zwischen Gott, Christus, Geist und Gemeinde, die sich im Handeln bewährt.