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Erzbistum Köln

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Kirche: Fremde Heimat?

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel ist im Heft "impulse" unter dem Titel „Kirche: Fremde Heimat?“ enthalten und umfasst vier Seiten. Der Artikel beschreibt die wachsende Entfremdung zwischen Kirche und moderner Gesellschaft und fragt, wie Kirche heute zugleich Heimat und Fremdheitserfahrung sein kann. Theologisch behandelt der Beitrag vor allem Probleme der Ekklesiologie, also des Kirchenverständnisses, das Verhältnis von Kirche und moderner Gesellschaft, die Spannung zwischen christlicher Identität und gesellschaftlicher Offenheit, die Bedeutung der Kirche als Sakrament des Heils, den Umgang mit religiöser Pluralität sowie religionspädagogische Herausforderungen im Blick auf Jugendliche, Lernende, Religionsunterricht und kirchliche Öffentlichkeit.

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Hans Joachim Höhn beschreibt die Kirche als eine Wirklichkeit, die in der modernen Gesellschaft zugleich als vertraut und als fremd erfahren wird. Viele Menschen kennen Kirche noch aus ihrer Biografie, sprechen von ihr aber nur noch in der Vergangenheitsform. Andere betrachten sie als überholte Institution, die durch historische Schuld, Glaubwürdigkeitsverlust und gesellschaftliche Rückständigkeit ihre Zukunft verspielt habe. Dem stellt der Autor das eigentliche Selbstverständnis der Kirche entgegen. Kirche soll der Ort sein, an dem Gottes Zuwendung zu den Menschen sichtbar und wirksam wird. Sie soll solidarisch an der Seite der Armen, Suchenden, Ausgeschlossenen und Schuldigen stehen und das Evangelium nicht nur verkünden, sondern leben.

Der Artikel zeigt, dass die Krise der Kirche nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich bedingt ist. In der modernen, funktional ausdifferenzierten Gesellschaft ist Religion nur noch ein Bereich unter anderen. Die Kirche verliert dadurch ihre frühere Selbstverständlichkeit und wird an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Sie wird oft nur noch dort akzeptiert, wo sie soziale, pädagogische oder karitative Aufgaben übernimmt. Gleichzeitig konkurriert sie mit vielen anderen weltanschaulichen und religiösen Angeboten. Dadurch entsteht die Gefahr, dass Kirche nur noch als Anbieterin religiöser Dienstleistungen erscheint.

Der Autor fragt deshalb, wie Kirche heute ihre Bedeutung nicht nur dogmatisch behaupten, sondern gesellschaftlich glaubwürdig leben kann. Er betont, dass christlicher Glaube immer eine soziale Gestalt braucht. Evangelium ist nicht privat, sondern nur im menschlichen Miteinander wirklich lebbar. Kirche ist deshalb die soziale Erscheinungsform des göttlichen Willens zur Gemeinschaft. Zugleich darf sie weder unkritisch mit der Gesellschaft verschmelzen noch sich in eine fromme Gegenwelt zurückziehen.

Besonders wichtig ist dem Autor die Vorstellung der Kirche als Kontrastgesellschaft. Kirche soll eine Alternative zu einer rein leistungsorientierten, marktförmigen und sozial ungerechten Gesellschaft darstellen. Sie soll zeigen, dass menschliches Zusammenleben auch anders möglich ist, nämlich von Solidarität, Gerechtigkeit und der besonderen Zuwendung zu Armen und Benachteiligten her. Dieser Kontrast darf aber nicht zur Abschottung führen. Kirche soll keine geschlossene Sonderwelt werden, sondern als Salz der Erde und Licht der Welt mitten in die Gesellschaft hineinwirken. Ihre Identität verwirklicht sich gerade im kritisch konstruktiven Austausch mit der Welt.

Darauf aufbauend entwickelt der Artikel die Idee der Kirche in der Zivilgesellschaft. Kirche kann nach Höhn eine Art Bürgerinitiative des Heiligen Geistes sein. Sie soll soziale Veränderungen früh wahrnehmen, an den Rändern der Gesellschaft ansetzen und beispielhaft neue Formen des Zusammenlebens erproben. So kann sie für die Gesellschaft ein produktives Vorbild werden. Ihre Zukunft hängt nicht zuletzt davon ab, ob sie kommunikative Lebensformen entwickelt, die Hoffnung stiften und gesellschaftliche Orientierung ermöglichen.

Theologisch begründet der Autor dies damit, dass Gott nicht nur innerhalb der sichtbaren Kirche wirkt. Die Kirche ist zwar der konkrete Ort, an dem Gottes Heilswille sozial und geschichtlich erfahrbar wird, aber Gottes Wille zum Heil aller Menschen reicht über die Grenzen der Kirche hinaus. Darum bezeichnet der Artikel die Kirche als Sakrament des Heils. Sie verweist auf Gottes Wirken, das größer ist als sie selbst. Kirche bleibt nur dann ihrer Bestimmung treu, wenn sie in ihrer Praxis transparent macht, dass Gottes Gemeinschaftswille sie trägt und zugleich übersteigt.

Im Blick auf die religiöse Pluralität der Gegenwart betont der Autor, dass Kirche sich auch anderen Religionen kommunikativ und verständigungsorientiert öffnen muss. Dabei warnt er vor der Vorstellung, alle Religionen meinten letztlich dasselbe. Er hält an der Einmaligkeit der Offenbarung Gottes in Jesus Christus fest. Zugleich plädiert er dafür, die Eigenart anderer Religionen ernst zu nehmen und in ihnen nicht einfach nur Varianten des Eigenen zu sehen. Interreligiöse Verständigung gelingt dort, wo Unterschiede respektiert und dennoch wechselseitig Lernprozesse ermöglicht werden.

Am Ende benennt der Artikel vier wichtige Problemfelder für Theologie und Religionspädagogik. Erstens reagiert die Kirche oft nur unzureichend auf die diffuse Religiosität vieler Jugendlicher, die sich nicht selbstverständlich kirchlich binden wollen. Zweitens braucht eine plural geprägte Gesellschaft Lernende, die religiöse Vielfalt beurteilen können und nicht in Beliebigkeit verfallen. Hier stellt sich die Frage nach der Aufgabe des Religionsunterrichts. Drittens gewinnen Kirchenräume als Orte der Stille, der Erfahrung und der kulturellen Erinnerung neu an Bedeutung, was Chancen für eine Kirchenpädagogik eröffnet. Viertens steht die Kirche in Konkurrenz zu anderen Sinn und Religionsangeboten und muss klären, wie sie Öffentlichkeit herstellen kann, ohne sich dem bloßen Marketing zu unterwerfen.

Insgesamt versteht der Artikel Kirche als eine Gemeinschaft, die ihre Identität weder durch Anpassung noch durch Rückzug gewinnt, sondern durch eine glaubwürdige, kommunikative und solidarische Praxis inmitten einer säkularen und religiös pluralen Gesellschaft.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.5 Zukunft der Erde, Zukunft des Menschen und kirchliche Positionen.

Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

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Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

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Sekundarstufe II | 13 Der Mensch und seine Zukunft - Die Zukunft der Menschheit

13 / 2. Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit – eine Herausforderung an die Christen.

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