Der Artikel setzt bei der gegenwärtigen Erfahrung von Zukunftsangst an, die besonders unter jungen Menschen angesichts von Klimakrise, Krieg und globaler Unsicherheit stark ausgeprägt ist. Ausgehend von Greta Thunbergs Forderung, nicht billige Hoffnung zu verbreiten, sondern die Angst ernst zu nehmen, fragt der Autor, ob Zukunftsangst auch für Theologie und Religionsunterricht eine positive Bedeutung haben kann.
Zunächst setzt sich der Beitrag mit dem Angstbegriff auseinander. In der neueren Theologie wurde Angst häufig in Anlehnung an Kierkegaard, Heidegger, Rahner oder Drewermann als existenzielle Grundbefindlichkeit des Menschen verstanden. Dabei erscheint Angst als objektlos und als Ausdruck der menschlichen Offenheit für Transzendenz. Taxacher stellt dieser Deutung die biblische Perspektive gegenüber. In der Bibel ist Angst nicht vor allem eine unbestimmte Grundstimmung, sondern meist an konkrete Erfahrungen gebunden, etwa an Krieg, Verfolgung, Not, Hunger oder Seuchen. Auch die Unterscheidung zwischen Angst und Furcht ist biblisch nicht in der modernen Schärfe vorhanden. Damit wendet sich der Autor gegen eine zu starke Verinnerlichung und Psychologisierung des Themas. Theologisch und religionspädagogisch sei es wichtiger, die realen Gründe der Angst ernst zu nehmen.
Von dort aus entfaltet der Artikel die Unterscheidung zwischen Hoffnung und Optimismus. Die Hoffnung, von der Erwachsene oder kirchliche Stimmen häufig sprechen, ist nach Taxacher oft in Wahrheit bloßer Optimismus. Optimismus gilt gesellschaftlich als moralisch erwünscht, weil er motivierend wirkt, während Pessimismus schnell als lähmend, unsachlich oder sogar als Ausdruck mangelnden Glaubens erscheint. Gerade in theologischen Debatten verstärkt sich dies noch, weil Hoffnung als zentrale christliche Tugend gilt. Der Autor kritisiert jedoch, dass Hoffnung dabei oft mit einem positiven Zukunftsglauben verwechselt wird, als wäre Gott eine zusätzliche Sicherheit innerhalb menschlicher Zukunftsberechnungen. Christliche Hoffnung richtet sich aber nicht auf wahrscheinliche günstige Entwicklungen, sondern auf Gott selbst und auf sein kommendes Reich. Sie ist deshalb nicht mit Fortschrittsglauben oder Zweckoptimismus gleichzusetzen.
Im Zentrum des Artikels steht dann die Neubewertung der biblischen Apokalyptik. Apokalyptische Texte wirken oft düster, gewalthaltig und fremd, doch gerade sie zeigen für Taxacher, wie Zukunftsangst und Hoffnung zusammengehören. Im Buch Daniel spiegeln die Schreckensbilder nicht in erster Linie eine ferne Zukunft, sondern konkrete Erfahrungen von Unterdrückung und Gewalt in der Gegenwart. Gerade dort, wo keine innerweltliche Lösung mehr sichtbar ist, wird auf das rettende Eingreifen Gottes gehofft. Ähnlich ist es in der Johannesoffenbarung. Auch ihre Bilder beziehen sich auf politische Realitäten der Zeit, etwa auf das römische Imperium, seine Machtinszenierungen und seine Gewalt. Apokalyptik ist damit keine Flucht aus der Wirklichkeit, sondern eine scharfe Deutung geschichtlicher Verhältnisse.
Der Autor macht deutlich, dass Apokalyptik gerade deshalb mehr ist als Optimismus. Sie sieht die zerstörerischen Tendenzen der Geschichte klar und ungeschönt. Sie verweigert die Illusion, das Reich Gottes sei einfach die Verlängerung des Bestehenden. Indem sie die Mächte des Bösen benennt, entlarvt und symbolisch sichtbar macht, nimmt sie die Ohnmachtserfahrungen der Menschen ernst und ermutigt dennoch zum Widerstand, zur Resistenz und zur Nichtanpassung. Hoffnung entsteht also nicht durch Verharmlosung der Krise, sondern im Durchgang durch ihre schonungslose Wahrnehmung.
Zum Schluss schlägt der Artikel einen Bogen zur Gegenwart und insbesondere zur jungen Generation. Taxacher hält es für möglich, dass die alten Apokalyptiker heutigen Lernenden etwas zu sagen haben, gerade weil sie reale Bedrohungen ernst nehmen und dennoch an Hoffnung festhalten. Die von Greta Thunberg geforderte Panik ist für ihn nicht selbst schon eine Tugend, wohl aber ein möglicher Weckruf an diejenigen, die an zerstörerischen Verhältnissen festhalten. Für Menschen mit echter Zukunftsangst kommt es darauf an, diese Angst in eine Furcht zu verwandeln, die zur Weisheit führt. So wird Zukunftsangst nicht verdrängt, sondern theologisch in eine Haltung überführt, die Wirklichkeit nüchtern wahrnimmt und dennoch an Hoffnung festhält.