Der Artikel von Andreas Hoffmann bietet eine umfassende Erschließung der Person und Theologie des Augustinus von Hippo unter religionsdidaktischer Perspektive. Er verbindet historisch-biographische Darstellung, theologiegeschichtliche Analyse und konkrete Unterrichtsimpulse zu einer kohärenten Gesamtkonzeption.
Der historische Teil entfaltet den Lebensweg des Augustinus als intellektuelle und religiöse Suchbewegung. Prägend für das Jugend- und Studienleben ist die Lektüre von Ciceros „Hortensius", die den jungen Augustinus zur unbedingten Wahrheitssuche motiviert und zur Abkehr von pragmatischen Lebenszielen führt. Diese Suche mündet zunächst in die Zugehörigkeit zur manichäischen Religionsgemeinschaft, deren dualistisches Weltbild – der Kampf zwischen göttlichem Licht und Finsternis – dem Wahrheitsanspruch des Hortensius zu entsprechen scheint. Nach dem intellektuellen Scheitern des Manichäismus am Vorbild des neuplatonisch geprägten Christentums, vermittelt durch Bischof Ambrosius in Mailand, vollzieht Augustinus 386 den Durchbruch zur „Bekehrung" und lässt sich 387 taufen.
Den dogmengeschichtlichen Kern des Artikels bilden die theologischen Auseinandersetzungen des Bischofs von Hippo Regius. Im Donatismusstreit entwickelt Augustinus gegen das rigoristische Kirchenbild einer „Kirche der Reinen" das Konzept des „corpus mixtum" – einer gemischten Gemeinschaft aus Gerechten und Sündern, die erst im Endgericht geschieden werden. Sakramententheologisch prägt er das Prinzip der Heilszuwendung unabhängig von der sittlichen Qualität des Amtsträgers. Im pelagianischen Streit um Gnade und Erbsünde entwickelt Augustinus auf der Basis seiner Pauluslektüre eine pessimistische Anthropologie: Die Menschheit ist als „massa peccati" von der Adamssünde gezeichnet, auf Erlösungsgnade angewiesen, und die göttliche Prädestination bestimmt das ewige Geschick des Einzelnen. Diese Konzeption steht gegen das positivere Menschenbild des Pelagius und seines Schülers Caelestius. In seinem Hauptwerk „De civitate Dei", verfasst nach der Plünderung Roms durch die Westgoten 410, entwirft Augustinus eine Theologie der Universalgeschichte, in der zwei Gemeinschaften – die gottesliebende „civitas Dei" und die selbstbezogene „civitas terrena" – in der Weltgeschichte vermischt koexistieren. Die „Confessiones" (397–401), formal als Gebet an Gott gestaltet, verarbeiten den eigenen Lebensweg als exemplarische Demonstration der menschlichen Sündhaftigkeit und der unvermessenen Gnade Gottes und gewinnen so literarisch-theologische Qualität.
Der religionsdidaktische Teil benennt sechs Perspektiven für den Unterricht: Augustinus eignet sich für biographisches Lernen und Identitätsreflexion, da seine intellektuelle Suchbewegung und die Spannung zwischen Erkenntnis, Entscheidung und Lebensvollzug an Grunderfahrungen Jugendlicher anschließen. Die theologischen Debatten ermöglichen eine vertiefende Auseinandersetzung mit Grundkonzepten christlicher Tradition – Erbsünde, Gnade, Rechtfertigung, Kirchenbild, Sakrament. Der Donatismusstreit liefert ein Modell zur Diskussion aktueller ekklesiologischer Fragen; der Manichäismusstreit eröffnet die Reflexion dualistischer Weltdeutungen. Zudem fördert die Auseinandersetzung mit Augustinus methodische und wissenschaftspropädeutische Kompetenzen: die kritische Lektüre von Quellen, die Unterscheidung von Narration und Reflexion, die Trennung von Sach- und Werturteil.