Didaktisch zeichnet sich das Medium durch seinen konsequent subjektorientierten und performativen Ansatz aus. Die Lernenden werden zunächst dazu angeleitet, das Hungertuch aufmerksam und in Stille zu betrachten, eigene Wahrnehmungen zu formulieren und diese im gemeinsamen Gespräch zu teilen. Dadurch entsteht ein offener Deutungsraum, in dem individuelle Erfahrungen ernst genommen werden. Die drei vorgeschlagenen Erkundungswege ermöglichen unterschiedliche Lernzugänge. Im Themenbereich „Festhalten – Loslassen – Fallen“ setzen sich die Lernenden mit Fragen der Verantwortung für die Erde auseinander, analysieren Kontraste, arbeiten mit literarischen Texten von Rainer Maria Rilke und Stefan Schlager und gestalten eigene kreative Produkte auf Grundlage aktueller Nachrichten und gesellschaftlicher Herausforderungen. Im zweiten Zugang erschließen die Lernenden die Symbolik der Farben des Hungertuchs, reflektieren deren emotionale und religiöse Bedeutung und entwickeln eigene Deutungen zu Zeit, Hoffnung, Liebe, Verlust und Zukunft. Der dritte Zugang lenkt den Blick auf die Frage nach dem Wert der Welt und verbindet ethische, wirtschaftliche und spirituelle Perspektiven. Hier regen Kunstwerke, Gedichte, Gebete und kreative Methoden wie Blackout Poetry dazu an, über Kostbarkeit, Konsum, Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung nachzudenken. Methodisch überzeugt das Material durch die Verbindung von Bildbetrachtung, Gespräch, kreativer Gestaltung, literarischer Arbeit, Schreibprozessen, Gebet und Reflexion. Dadurch eignet es sich besonders für einen kompetenzorientierten Religionsunterricht, der ästhetisches Lernen, ethische Urteilsbildung, spirituelle Erfahrungen und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verknüpft. Die Materialien können sowohl in der Fastenzeit als auch im Kontext von Schöpfungsverantwortung, Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit oder religiöser Symbolsprache eingesetzt werden.
In einem ersten Schritt wird das festhalten oder loslassen thematisiert. Dies geschieht anhand einer Betrachtung das Hungertuch ist selbst. In Partner oder Gruppenarbeit entsteht ein Fragenkatalog zu diesem Hungertuch. Das Bild zeigt eine stilisierte Weltkugel die von vielen Händen gehalten wird. Im Material sind antizipierte Lösungsansätze enthalten.
Impuls setze ermöglichen eine weiterreichende Interpretation des Bildes. "Wir haben nur diese eine Welt und wenn wir sie nicht richtig behandeln wird sie uns ins Gesicht springen."
In einem weiteren Schritt wird ein gedichtinterpretiert dass ich mit dem Festhalten an falschen Dingen und der Umkehr beschäftigt. Der Text kann fortgeschrieben werden. Auch hier sind Beispiele im Material enthalten.
In einem weiteren Schritt erfolgt eine Videoanalyse zu einem Video auf Youtube. Dieses Video ist auf ru-digital verlinkt und kann im Dropdown-Menü eingebettete Medien gefunden werden.
Eine weitere Gedichtanalyse zu einem Werk von Rilke ermöglicht die Selbstreflexion zum Loslassen von Dingen die einen persönlich beschweren. Nur Hände die leer sind können noch etwas Neues festhalten oder sich zum Gebet falten. Die Gedichtanalyse wird im Material umfangreich beschrieben und angeleitet.
Ein weiterer Teil der Bildanalyse wird nun eingeleitet. Dazu werden die Farben des Bildes in Bezug zu Satellitenaufnahmen von der zunehmenden Erderwärmung gesetzt.
Ein Gebet schließt diesen Teil ab.
Im letzten und dritten Teil wird untersucht was kostbar ist und wer die Deutungshoheit besitzt, um dies festzulegen. Dazu wird das Bild einer Ming Vase mit einem darauf gesprühten Coca-Cola Schriftzug analysiert.
Weiterhin werden einige Texte die über Links im Material angegeben sind zum Thema Besitz, Wert, zerstörung und Verwandlung untersucht.
Daraus soll in Gruppen entwickelt werden, was persönlich und für die Gesellschaft von Wert ist und welche verschiedenen Institutionen und Gruppen es gibt, die eine solche Festlegung machen. Daraus könnte z.B an der Tafel eine Mindmap entstehen, welche unterschiedliche Gruppen mit deren Meinung abbildet. In einer abschließenden Diskussion kann dann versucht werden eine gemeinsame Festlegung zu entwickeln. Auch ein persönlicher Leserartikel oder ein ähnliches Format, könnte eine eigene Meinung reflektiert abbilden.
Hungertuch „Was ist uns heilig?“ von Emeka Udemba
Das Hungertuch bildet den Ausgangspunkt der gesamten Unterrichtseinheit. Die Lernenden betrachten das Bild zunächst in Stille und beschreiben ihre Wahrnehmungen. Anschließend tauschen sie Beobachtungen, Fragen und Deutungen aus. Die Erdkugel, die Hände sowie die Farbgestaltung dienen als zentrale Symbole für Verantwortung, Bewahrung der Schöpfung und die Zukunft der Welt. Das Bild wird während der gesamten Unterrichtsreihe immer wieder als Bezugsrahmen genutzt.
Fragenkatalog zum Hungertuch
Die Lernenden entwickeln anhand ihrer Beobachtungen eigene Fragen zum Bild. Sie diskutieren beispielsweise, ob die Erde gehalten oder losgelassen wird, wer Verantwortung trägt und welche Gefahren die Welt bedrohen. Dadurch werden Wahrnehmungskompetenz, Deutungskompetenz und Urteilsfähigkeit gefördert.
Meditationstext „Verhärten oder umkehren“ von Stefan Schlager
Der poetische Text thematisiert Gegensätze wie Leben und Tod, Festhalten und Umdenken sowie Egoismus und Menschlichkeit. Die Lernenden erschließen die Aussagen des Textes und schreiben ihn kreativ weiter. Dabei setzen sie sich mit eigenen Haltungen und Handlungsmöglichkeiten auseinander.
Zeitungsausschnitte und aktuelle Nachrichten
Angeregt durch die Arbeitsweise des Künstlers sammeln die Lernenden aktuelle Nachrichten, Schlagzeilen und Bilder. Diese werden bearbeitet, übermalt, verfremdet oder neu gestaltet. Auf diese Weise setzen sie sich kreativ mit gesellschaftlichen Herausforderungen auseinander und fragen danach, was die Welt bedroht oder schützt.
Künstlerisches Gestalten
Die Lernenden gestalten eigene Collagen oder Bildarbeiten. Sie kleben, ritzen, schneiden, übermalen oder verfremden Texte und Bilder. Die kreative Arbeit dient dazu, persönliche Sichtweisen auf die Welt sichtbar zu machen und zentrale Botschaften auszudrücken.
Gedicht „Herbst“ von Rainer Maria Rilke
Das Gedicht wird gehört, gelesen und analysiert. Die Lernenden markieren unverständliche Stellen, wichtige Aussagen und persönliche Anknüpfungspunkte. Anschließend verbinden sie die Aussagen des Gedichts mit dem Hungertuch und reflektieren die Themen Vergänglichkeit, Hoffnung und Vertrauen.
Text „Loslassen“
Der spirituelle Text eröffnet Gespräche über das Loslassen von Gewohnheiten, Ängsten oder egoistischen Verhaltensweisen. Die Lernenden überlegen, was Menschen loslassen müssen, um Verantwortung für die Welt übernehmen zu können. Daraus können Gesprächsrunden oder Schreibaufgaben entstehen.
Fürbitten und Gebetsgestaltung
Ausgehend vom Hungertuch formulieren die Lernenden eigene Fürbitten für Menschen, die unter Krieg, Armut, Umweltzerstörung oder Ungerechtigkeit leiden. Dabei wird Gebet als Ausdruck von Verantwortung und Solidarität verstanden.
Farbbetrachtung des Hungertuchs
Die Farben des Bildes werden systematisch untersucht. Die Lernenden beschreiben ihre Wirkung und entwickeln Deutungen zu Rot, Blau, Grün und Schwarz. Dabei erschließen sie symbolische Bedeutungen wie Liebe, Hoffnung, Gefahr, Trauer oder Leben.
NASA Video zur Erderwärmung
Das Video zur Entwicklung des Klimawandels wird mit den Farben des Hungertuchs verglichen. Die Lernenden erkennen Zusammenhänge zwischen Kunst, Wissenschaft und gesellschaftlicher Verantwortung und reflektieren ökologische Herausforderungen.
Gebet „Jede Farbe unter dem Himmel hat ihre Zeit“
Das Gebet vertieft die Auseinandersetzung mit der Symbolik von Farben und Lebenssituationen. Die Lernenden können einzelne Aussagen interpretieren oder eigene Ergänzungen formulieren.
Arbeitsimpulse zu Farben und Lebenssituationen
Die Lernenden ordnen Farben bestimmten Lebensphasen, Gefühlen oder Erfahrungen zu. Sie überlegen beispielsweise, welche Farbe ihr aktuelles Leben oder die gegenwärtige Situation der Welt beschreibt. Dadurch entstehen persönliche und existenzielle Zugänge zum Thema.
Kunstwerk „Cola Vase“ von Ai Weiwei
Das Kunstwerk dient als Gesprächsanlass zur Frage nach Wert und Kostbarkeit. Die Lernenden diskutieren, was Menschen als wertvoll betrachten und wie kulturelle, wirtschaftliche oder ideelle Werte entstehen.
Text „Zugreifen“ von Susanne Niemeyer
Der Text regt dazu an, über Dankbarkeit, Konsum und Wertschätzung nachzudenken. Die Lernenden reflektieren, was ihnen persönlich kostbar oder sogar heilig ist.
Gruppenaufgabe „Was kostet die Welt?“
Die Lernenden versuchen gemeinsam zu überlegen, welchen Wert die Erde besitzt und welche Faktoren dabei berücksichtigt werden müssten. Die Aufgabe fördert ethisches Denken und macht deutlich, dass manche Werte nicht in Geld ausgedrückt werden können.
Gedicht „Zerstören oder verwandeln“ von Stefan Schlager
Das Gedicht wird mit der Methode der Blackout Poetry bearbeitet. Die Lernenden schwärzen Teile des Textes und gestalten daraus neue Gedichte. Dadurch entstehen kreative und persönliche Deutungen zentraler Aussagen.
Methode Blackout Poetry
Die kreative Schreibmethode ermöglicht eine individuelle Auseinandersetzung mit Texten. Die Lernenden wählen bedeutungsvolle Wörter aus und erschaffen daraus eigene poetische Texte. Dabei werden Kreativität, Sprachbewusstsein und Reflexionsfähigkeit gefördert.
Lied „What a Wonderful World“ von Louis Armstrong
Das Lied eröffnet einen emotionalen Zugang zur Schönheit und Kostbarkeit der Welt. Die Lernenden hören den Song, analysieren die Aussagen und vergleichen sie mit den Botschaften des Hungertuchs.
Gebet der Vereinten Nationen
Das Gebet thematisiert Frieden, Gerechtigkeit, Umweltschutz und die Verantwortung für kommende Generationen. Es eignet sich als gemeinsamer Abschluss der Unterrichtseinheit oder als Impuls für eine Andacht.